(Leinfelden-Echterdingen, Pullach / Deutschland) Die Daimler Truck AG und Linde Engineering haben gemeinsam eine Betankungstechnologie für Flüssigwasserstoff entwickelt. Das „sLH2“(subcooled liquid hydrogen) genannte System habe nach Unternehmensangaben mehrere Vorteile im Vergleich zu gasförmigem Wasserstoff: höhere Speicherdichte, größere Reichweite, schnelleres Betanken, niedrigere Kosten und eine verbesserte Energieeffizienz.

Eröffnung der ersten öffentlichen sLH2-Pilotstation in Wörth am Rhein (v.l.): Juergen Nowicki, Executive Vice President Linde plc und CEO von Linde Engineering, Petra Dick-Walther, rheinland-pfälzische Wirtschaftsstaatssekretärin, und Andreas Gorbach, Mitglied des Vorstands der Daimler Truck AG, verantwortlich für Truck Technology. © Daimler Truck AG

Die erste öffentliche sLH2-Tankstelle wurde nun in Wörth am Rhein eröffnet und wird ab Mitte 2024 auch von Logistikkunden für erste Kundenerprobungen mit dem Mercedes-Benz „GenH2“-Truck genutzt. „Für die Dekarbonisierung des Transports brauchen wir drei Faktoren: die richtigen Batterie- und Wasserstoff-Lkw, die notwendige Infrastruktur sowie Kostenparität zwischen emissionsfreien und Dieselfahrzeugen“, sagt Andreas Gorbach, Mitglied des Vorstands der Daimler Truck AG.

Niedrigere Investitionskosten

Nach Einschätzung von Jürgen Nowicki, Executive Vice President Linde plc und CEO von Linde Engineering, ebne diese Technologie „den Weg für eine flächendeckende Betankungsinfrastruktur, auf die die Logistikketten heute angewiesen sind“. Überdies senke sLH2 „die erforderlichen Investitionen für eine Wasserstofftankstelle um den Faktor zwei bis drei, die Betriebskosten sind etwa fünf bis sechs Mal niedriger“.

Im September 2023 hatte Daimler Truck mit einem für öffentliche Straßen zugelassenen Prototyp des Mercedes-Benz „GenH2“-Truck mit 80 Kilogramm flüssigem Wasserstoff an Bord 1.047 Kilometer zurückgelegt. © Daimler Truck AG

Die Tankstelle hat eine Kapazität von 400 Kilogramm flüssigem Wasserstoff pro Stunde. Im Unterschied zur bisherigen Betankungstechnologie mit flüssigem Wasserstoff (LH2) erhöhe die sLH2-Pumpe den Druck geringfügig. Dadurch werde der Wasserstoff zu „subcooled liquid hydrogen“ (sLH2). „In diesem Zustand ergibt sich ein sehr robuster und stabiler Betankungsprozess, der Energieverluste beim Betanken auf ein Minimum reduziert“, heißt es.

Zwischen Tankstelle und Fahrzeug ist keine Datenübertragung notwendig, was die Komplexität des Betankungsvorgangs reduziert. © Daimler Truck AG

Eine Datenübertragung zwischen Tankstelle und Fahrzeug sei nicht notwendig, was die Komplexität des Betankungsvorgangs weiter reduziere. Gleichzeitig werde die Betankungskapazität gesteigert. Flüssiger Wasserstoff könne bei minus 253 Grad Celsius in zwei angeschlossene 40-Kilogramm-Tanks auf beiden Seiten des Lkw-Chassis eingefüllt werden, ohne dass eine spezielle Sicherheitsausrüstung erforderlich ist. Der Tankvorgang für einen 40-Tonnen-Lkw mit 80 Kilogramm flüssigem Wasserstoff dauere etwa 10 bis 15 Minuten für über 1.000 Kilometer Reichweite.

Geringerer Flächenbedarf

Mit einem Energieverbrauch von nur 0,05 Kilowattstunden pro Kilogramm benötigt die Station im Vergleich zur Betankung mit gasförmigem Wasserstoff etwa 30 Mal weniger Energie. Die Tankstelle habe zudem einen sehr geringen Flächenbedarf von nur 50 Quadratmetern (ohne Zapfsäule) und ermögliche Konfigurationen, bei denen mehrere Zapfsäulen für die parallele Betankung von Lkw sowie auch eine Betankung mehrerer Fahrzeuge nacheinander möglich seien. Der Flüssigwasserstoff-Speicher fasse vier Tonnen, was für etwa zehn Stunden kontinuierliches Betanken ausreiche. Die Kapazität lasse sich durch zwischenzeitliches Nachfüllen auf über acht Tonnen pro Tag steigern.

„Robuster und stabiler Betankungsprozess“: Im Unterschied zur bisherigen Betankungstechnologie mit flüssigem Wasserstoff (LH2) erhöht die sLH2-Pumpe den Druck geringfügig. Dadurch wird der Wasserstoff zu „subcooled liquid hydrogen“ (sLH2). © Daimler Truck AG

Die Unternehmen wollen die Technologie als Standard für wasserstoffbetriebene Lkw etablieren und allen Interessierten über eine ISO-Norm zugänglich machen. Eine Kooperation zwischen Linde und Daimler Truck gibt es bereits sein Ende 2020.

Im Juni 2022 wurde die erste Pilot-Testtankstelle im Entwicklungs- und Versuchszentrum von Daimler in Wörth in Betrieb genommen, getestet und modifiziert. Im September 2023 hatte Daimler Truck mit einem für öffentliche Straßen zugelassenen Prototyp des Mercedes-Benz „GenH2“-Truck mit 80 Kilogramm flüssigem Wasserstoff an Bord 1.047 Kilometer zurückgelegt. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts will das Unternehmen die Serienversion des Brennstoffzellen-Lkw einführen.

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Daimler Truck und Linde setzen mit sLH2-Technologie neuen Standard für Flüssigwasserstoff-Betankung. © Daimler Truck AG