(Etzel / Deutschland) – Der Investor Patrizia SE und die von ihm verwaltete Betreibergesellschaft Storag Etzel GmbH haben mit dem niederländischen Unternehmen Gasunie NV Optionsmietverträge für die Wasserstoffkavernen im niedersächsischen Etzel unterzeichnet. Dies umfasse die Speicherung von Wasserstoff mit einem Energieäquivalent von mehr als einer Terawattstunde.

Die Unternehmen führen seit 2022/2023 eines der nach eigenen Angaben „größten Forschungsprojekte zur Wasserstoffspeicherung im industriellen Maßstab in Europa“ durch. „H2CAST Etzel“ prüft die Machbarkeit großvolumiger Bevorratung in unterirdischen Kavernen unter realen Bedingungen einschließlich Ein- und Ausspeicherung sowie Test der Integrität der Speicheranlage.

Vom Erdgas- zum Wasserstoffspeicher

Das Pilotprojekt „H2CAST Etzel“ umfasst die Konversion von zwei Erdgaskavernen zu Wasserstoffkavernen, den Bau einer Obertageanlage und eine anschließende Test- und Forschungsphase, die bis Ende 2026 abgeschlossen sein soll. Der Standort sei strategisch günstig gelegen und habe nahe des künftigen Gasunie-Wasserstoffnetzes Hyperlink und des Energy-Hubs in Wilhelmshaven eine Anbindung an den niederländischen und deutschen Wasserstoffmarkt. Das Vorhaben wird von der Bundesregierung und der niedersächsischen Landesregierung mit einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag gefördert, was einer Förderquote von mehr als einem Drittel der Gesamtkosten entspreche.

Die deutsche Kraftwerksstrategie zum Ausbau von Gaskraftwerken, die eine spätere Umstellung auf Wasserstoff ermöglichten, werde den Bedarf für Wasserstoffspeicher weiter steigern, so die Unternehmen. Das Kavernenfeld im Salzstock Etzel könne zur Deckung dieses steigenden Bedarfs beitragen. Die Anbindung des Speichers ist auch Teil des geplanten Wasserstoffkernnetzes, um die künftige Nachfrage in Deutschland abzudecken.

Wärme für 100.000 Haushalte

Die unterirdische Anlage von Etzel lasse sich auf neunundneunzig bereits genehmigte Kavernen ausbauen, was einer zusätzlichen Kapazität von vierundzwanzig Kavernen mit einem Äquivalent von etwa fünf Terawattstunden Wasserstoff entspreche. Eine durchschnittliche Erdgaskaverne habe eine Größe von etwa 0,7 Millionen Kubikmetern und könne etwa eine Terawattstunde Energie speichern. Das reiche aus, um 100.000 Haushalte ein Jahr lang mit Wärme und Warmwasser zu versorgen. Aufgrund des geringeren Brennwerts von Wasserstoff ist das erforderliche Speichervolumen für H2 viermal höher als das von Erdgas.

In Etzel untersuchen Experten, ob die lokalen Salzstöcke zur Speicherung großer Mengen Wasserstoffs geeignet sind. © Storag Etzel / Deep KBB

Storag Etzel betreibt seit über 50 Jahren große Öl- und Gasspeicher in unterirdischen Kavernen. Der Salzstock Etzel umfasst 75 in Betrieb befindliche Kavernen, in denen derzeit 3,9 Milliarden Kubikmeter Erdgas und zehn Millionen Kubikmeter Erdöl gespeichert werden können. Auch in den Niederlanden hat Gasunie jetzt mit der Entwicklung unterirdischer Wasserstoffspeicher begonnen (HyStock). Erneuerbare Energien sollen im Jahr 2050 einen wesentlichen Teil des europäischen Energiemixes ausmachen. 20 Prozent könnten dabei auf Wasserstoff entfallen. 20 bis 50 Prozent des Bedarfs im Verkehr und fünf bis 20 Prozent des Energiebedarfs der Industrie könnten mit Wasserstoff gedeckt werden. Die Speicherung von Wasserstoff im industriellen Maßstab sei „eine wichtige Voraussetzung dafür, Schwankungen der grünen Energieerzeugung durch Sonne und Wind auszugleichen und eine stabile Energieversorgung für unsere Stromnetze zu gewährleisten“.

Die weltweit tätige Patrizia-Gruppe bietet Investments in Immobilien und Infrastruktur für institutionelle, semiprofessionelle und private Anleger an. Das Unternehmen verwaltet derzeit Investitionsgüter mit einem Volumen von 58 Milliarden Euro. In den Jahren 2013 und 2018 wurden überdies zwei Kavernenfonds aufgelegt.

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Oberirdischer Teil der Kavernenanlage in Etzel. © Storag Etzel