(Lingen / Deutschland) – Der erste im Projekt GET H2 Nukleus im niedersächsischen Lingen produzierte grüne Wasserstoff hat das Ruhrgebiet erreicht. Der Energieträger fließt über ein rund 120 Kilometer langes Leitungsnetz der Fernleitungsnetzbetreiber Nowega GmbH und Open Grid Europe GmbH (OGE) sowie der Evonik-Tochter Syneqt GmbH von der RWE-Anlage im Emsland zum Evonik-Chemiepark in Marl, wo der Wasserstoff genutzt werden soll.

In der ersten Ausbaustufe von GET H2 wird Wasserstoff von Lingen nach Marl transportiert, mit Zwischenspeicher in Gronau-Epe. © RWE AG
Die beiden 100-Megawatt-Elektrolyseanlagen in Lingen befinden sich aktuell noch in der Phase der Inbetriebnahme. Der Prozess gehe „zügig weiter“, sagt Nikolaus Valerius, CEO der RWE Generation SE. „In den nächsten Monaten bereiten wir die Anlagen auf den kommerziellen Betrieb vor.“ Das Zusammenspiel von Elektrolyse, Transportinfrastruktur und Abnahme funktioniere. Die Elektrolyseure sollen bis Ende dieses Jahres vollständig in Betrieb sein. Ab 2027 sind 300 Megawatt geplant. Mit dem Ausbau der dritten Entwicklungsstufe hat der Energiekonzern Sunfire SE aus Dresden und die Mannheimer Bilfinger SE beauftragt (mehr dazu). Der im Emsland hergestellte Wasserstoff erfülle die EU-Anforderungen für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (RFNBO). Abnehmer erhalten also Nachhaltigkeitsnachweise und können das grüne Gas auf ihre Dekarbonisierungsziele anrechnen.

Bis Jahresende sollen die Lingener Elektrolyseure mit einer Leistung von kumuliert 200 MW in Betrieb sein. 2027 kommen weitere 100 MW Leistung hinzu. © RWE / Helmut Kramer
Weitere Leitungsprojekte, die an den GET H2 Nukleus anknüpfen, seien in Umsetzung. Hierzu zähle die Ende 2025 von OGE und Nowega fertiggestellte zehn Kilometer lange neu gebaute Leitung von Heek im westlichen Münsterland nach Epe bei Gronau an der Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden zur Anbindung des dortigen Wasserstoffspeichers (mehr dazu). RWE Gas Storage West startet hier Ende 2026 mit der Befüllung der Kaverne, die Mitte 2027 in Betrieb gehen will. Um weitere Industriekunden anzubinden, würden OGE und Nowega bis 2027 eine bestehende Leitung von Legden nach Dorsten auf Wasserstoff umstellen und eine Leitung von Dorsten nach Marl neu bauen. Bereits fertiggestellt sei eine Leitung, welche den Chemiepark Marl und die Raffinerie in Gelsenkirchen-Scholven verbindet.

Projektskizze von GET H2 mit der Anbindung von Projektpartnern inklusive der Stahlwerke Salzgitter und Duisburg. © Nowega GmbH
Teile von GET H2 Nukleus fördern der Bund sowie die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Programms Hy2Infra, einem „Important Projects of Common European Interest“ (IPCEI). Die Leitungen gehören zu den ersten Teilen des Wasserstoff-Kernnetzes, das bundesweit Stück für Stück aufgebaut wird. In der 2019 gegründeten Initiative GET H2 sind mehr als 50 Unternehmen, Institutionen, Verbände und Kommunen versammelt. Der Fokus liegt auf der konkreten Planung und Umsetzung von Projekten entlang der gesamten H2-Wertschöpfungskette von Elektrolyse, Import, Transport und Speicherung bis zur Anwendung in der Industrie.
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Symbolische Inbetriebnahme der Wasserstoffleitung in Lingen, die den Energieträger nach Marl transportiert. © RWE / Helmut Kramer



