(Bussnang / Schweiz) – Die Stadler Rail AG hat ein Schmalspurgleis gebaut, um Züge für den italienischen Regionalverkehr effizient zu erproben. Dies vereinfache anschließend die Inbetriebsetzung der Fahrzeuge vor Ort, so das Unternehmen.

Das neue Meter-Gleis am Bahnhof Hemishofen: Es liegt zwischen den Normalgleisen, die bereits für die Tests des Wasserstoffzuges „Flirt H2“ installiert worden waren. © Stadler Rail AG
Der Schweizer Bahnbauer hatte im Juni den „weltweit ersten Wasserstoffzug für Schmalspurstrecken“ vorgestellt. Auftraggeber ist der süditalienische Bahnbetreiber Trasporti Regionali della Sardegna (ARST). Verglichen mit Dieselfahrzeugen sparten die beauftragten neuen Züge auf der ARST-Linie künftig jährlich über 2.100 Tonnen CO2 ein. Die Fahrzeuge sollen voraussichtlich ab 2028 den Flughafen Alghero an der Nordwestküste der Insel mit dem Vorort Mamuntanas verbinden, außerdem die nordöstliche Provinz Sassari mit Alghero und mit der Küstenstadt Sorso (mehr dazu).

Der erste Zug für Sardinien kommt per Bahn aus dem nahe gelegenen Werk in Bussnang. © Stadler Rail AG
Im süditalienischen Regionalverkehr gebe es die Strecken mit einer besonderen Spurbreite von 950 Millimetern. Beispielsweise verkehrten in Apulien, rund um den Ätna auf Sizilien, im Raum Neapel oder auf Sardinien Züge mit der „italienischen Meterspur“. Der Wasserstoffzug für Sardinien sei das erste Fahrzeug auf dem neuen Gleis. Die knapp vier Kilometer lange Strecke zwischen Hemishofen und Ramsen verläuft als dritte Schiene innerhalb des bestehenden Normalspurgleises. Dort absolvierte bereits der Wasserstoffzug „Flirt H2“ für Kalifornien seine Testfahrten (mehr dazu).

Weltpremiere: Nach der Ankunft des Fahrzeugs in Hemishofen konzentriert man sich zunächst auf die Erprobung des Wasserstoffantriebs. © Stadler Rail AG
„Da es außerhalb Italiens keine Schmalspurnetze mit der für Süditalien typischen Spurweite gibt, konnten Fahrzeuge bisher erst auf ihren späteren Einsatzstrecken getestet werden“, sagt Ansgar Brockmeyer, Divisionsleiter Marketing & Sales und Stellvertretender Group CEO Stadler. „Dank des Testgleises können wir die Züge bereits in der Schweiz erproben und aufgrund der Nähe zu unserem Werk in Bussnang schnell und effizient optimieren.“ Dies beschleunige die darauffolgende Inbetriebsetzung vor Ort in Italien deutlich.

Am Testgleis (v.l.): Alessio Salvatore (Stadler Projektleiter), Francesco Matzuzzi (Director Rail Operator ARST), Ansgar Brockmeyer (Divisionsleiter Marketing & Sales und Stellvertretender Group CEO Stadler). © Stadler Rail AG
Nach der Ankunft des Fahrzeugs am Bahnhof Hemishofen konzentriere man sich auf die Erprobung des Wasserstoffantriebs. „Dabei wird das Fahrzeug mit unterschiedlichem Tankfüllstand und bei verschiedenen Geschwindigkeiten geprüft“, sagt Projektleiter Alessio Salvatore. Im Anschluss folgten weitere Tests, unter anderem zum Beschleunigungs- und Bremsverhalten. „Jeder erfolgreich absolvierte Test bringt uns einen Schritt näher zum Einsatz des Fahrzeugs auf der Strecke vor Ort in Italien.“
21 Bestellungen aus Italien
Die Teststrecke werde in den kommenden drei Jahren „eine zentrale Rolle für die Inbetriebsetzung der Wasserstoffflotte spielen“, die Stadler am Hauptsitz in Bussnang in der Ostschweiz für die italienischen Regionen Sardinien, Kalabrien und Sizilien fertigt. Bislang seien 21 Fahrzeuge bestellt: An ARST gehen zehn neue Züge, neun bekommt Ferrovie della Calabria (FdC) sowie zwei die sizilianische Ferrovia Circumetnea (FCE). Jeder Zug sei gezielt auf die Anforderungen der jeweiligen Strecke ausgelegt, etwa für die Küsten Sardiniens, die bergigen Tunnel Kalabriens oder die anspruchsvollen Steigungen des Ätna-Naturparks auf Sizilien.
Die Schmalspur-Wasserstoffzüge basieren auf einer identischen Plattform. Die Brennstoffzellen im Mittelwagen laden eine Batterie, womit die Züge einen kontinuierlichen Betrieb auf nicht-elektrifizierten Strecken gewährleisten. Alle drei Verkehrsunternehmen setzen auf Sonnenenergie, um den benötigten Wasserstoff zu erzeugen.
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Die Stadler Rail AG konzipiert jeden Schmalspur-Zug gezielt auf die Anforderungen der jeweiligen Strecke, etwa für die Küsten Sardiniens, die bergigen Tunnel Kalabriens oder die Steigungen des Ätna-Naturparks auf Sizilien. © Stadler Rail AG / Georg Trüb



