(Köln) – Aus grünem Strom hergestellte synthetische Kraftstoffe ließen sich als flüssige Energieträger klimaneutral in Verbrennungsmotoren einsetzen. Gemäß eines Gutachtens des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) könnten eine jährliche Wertschöpfung von 80 Milliarden Euro und 1,2 Millionen neue Arbeitsplätze in Europa durch die Produktion und den Export von Anlagen zur Erzeugung strombasierter synthetischer Energieträger (Power-to-X) geschaffen werden. Vertreter der Energiewirtschaft fordern die nationalen und den europäischen Gesetzgeber auf, geeignete Rahmenbedingungen für den Hochlauf der PtX-Technologie zu schaffen.

Versorgung des vorhandenen Fahrzeugbestandes

Ein wesentlicher Vorteil synthetischer Kraftstoffe liege darin, dass sie über bestehende Liefer- und Transportinfrastrukturen den aktuell vorhandenen Fahrzeugbestand versorgen könnten, so die Auftraggeber der Studie. Für die Produktion synthetischer Kraftstoffe seien umfangreiche Investitionen in Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarem Strom und dessen Umwandlung in flüssige Energieträger notwendig. Dies seien beispielsweise Elektrolyseure zur Herstellung von Wasserstoff, Syntheseanlagen zur Herstellung von synthetischen Flüssigkraftstoffen oder Methan, sowie Anlagen zur Gewinnung von CO2. Sowohl europäische Anlagenhersteller als auch Wirtschaftsregionen an wind- und sonnenreichen Standorten würden davon profitieren. „Wenn die politischen Rahmenbedingungen offen für die verschiedenen Optionen klimaneutraler Technologien gestaltet werden, erscheint bis 2050 ein Endverbraucherpreis zwischen 1,38 Euro und 2,17 Euro für einen Liter synthetischen Dieselkraftstoff möglich“, so die Autoren.

Durch die Investitionen in Elektrolyseure und Umwandlungsanlagen zur Erzeugung von synthetischen Energieträgern aus erneuerbarem Strom könnten sowohl europäische Anlagenhersteller als auch die Wirtschaftsstandorte vor Ort profitieren. Denn obwohl sich der Weltmarkt für Elektrolyseure zur Erzeugung von Wasserstoff in den letzten 20 Jahren schon verdoppelt habe, finde das Wachstum bislang größtenteils außerhalb Europas statt. Daher müssten „die entsprechenden Investitionen so bald wie möglich getätigt werden“, heißt es in der IW-Studie.

Verbände wollen „geeignete politische Rahmenbedingungen“

Um Investitionen in den Hochlauf der PtX-Technologie anzureizen, fordern Verbände der Energie- und Mineralölwirtschaft insbesondere „die Schaffung geeigneter politischer Rahmenbedingungen“. Dazu gehörten unter anderem die Anrechenbarkeit klimaneutraler Kraftstoffe bei den CO2-Flottengrenzwerten der EU sowie die Neugestaltung der Energiebesteuerung im Verkehrssektor. Auftraggeber des Gutachtens sind das IWO Institut für Wärme und Mobilität e.V., der MEW Mittelständische Energiewirtschaft Deutschland e.V. und UNITI Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen e.V.

„Synthetische Kraftstoffe: Potenziale für Europa – Klimaschutz- und Wertschöpfungseffekte eines Hochlaufs der Herstellung klimafreundlicher flüssiger Energieträger“ (Manuel Fritsch, Thomas Puls, Thilo Schaefer), kostenfrei zum Download als PDF (47 Seiten).

Link zum IW-Gutachten
https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/2021/Gutachten-Synthetische_Kraftstoffe_Europa.pdf

Deep Link
https://www.iwkoeln.de/studien/gutachten/beitrag/manuel-fritsch-thomas-puls-thilo-schaefer-klimaschutz-und-wertschoepfungseffekte-eines-hochlaufs-der-herstellung-klimafreundlicher-fluessiger-energietraeger.html
Foto
Energie- und Mineralölwirtschaft fordern, auch synthetische Kraftstoffe zu fördern. / © European Union