(Öhringen / Deutschland) – „Das Verteilnetz für Erdgas in Baden-Württemberg ist grundsätzlich in der Lage, Wasserstoff zu transportieren.“ Zu diesem Ergebnis kommt die Stuttgarter Netze BW GmbH nach dem planmäßigen Abschluss ihres „Netzlabor“ genannten Tests in Öhringen. Dort hatte der Verteilnetzbetreiber Wasserstoff in das Erdgasnetz eingespeist. Gestartet wurde das Projekt im September 2020.

In der Mischanlage wurden dem Inselnetz in der Schlussphase 30 Prozent Wasserstoff zugeführt. © Netze BW GmbH

Zur Untersuchung der „Wasserstoff-Insel“ wurde ein örtlich begrenztes Gebiet vom bestehenden Erdgasnetz abgetrennt und eigenständig versorgt. Angeschlossen waren eine selbstgenutzte Liegenschaft der Netze BW und 26 angrenzende Haushalte. Im Zuge des Projekts wurde dem angebundenen rund 500 Meter langen Verteilnetz ab Ende 2021 Wasserstoff beigemischt. Dies erfolgte schrittweise von anfangs zehn Prozent bis auf einen Anteil von 30 Prozent. Beteiligt waren auch die Kommune, Endgerätehersteller, Schornsteinfeger, Verbände und Wissenschaftler.

„Mit dem Projekt haben wir gezeigt, dass die bestehende Erdgasinfrastruktur eine wesentliche Rolle bei der Transformation zur Dekarbonisierung des Wärmesektors spielen kann“, sagt Martin Konermann, Geschäftsführer Technik der Netze BW GmbH. Die 30-prozentige Beimischung von Wasserstoff habe problemlos funktioniert. Aufwändige Anpassungen der bestehenden Infrastruktur seien nicht erforderlich gewesen – weder in Bezug auf das Gasnetz noch bei den Endverbrauchern hinsichtlich ihrer Gasthermen und -herde.

Den Angaben zufolge seien die Rohre der Netze BW „zu einem überwiegenden Teil“ selbst für 100 Prozent Wasserstoff geeignet. Voraussetzung für den Einsatz sei allerdings der Anschluss des Bundeslandes an das nationale Wasserstoffkernnetz. Welche Regionen dort mit Wasserstoff erschlossen würden, hänge „maßgeblich vom Bedarf von Industriekunden ab, die Wasserstoff für ihre Produktion brauchen“.

Drei Säulen der Wärmeversorgung

Nach Unternehmenseinschätzung werde regenerativer Wasserstoff neben Wärmepumpen und Wärmenetzen künftig ein „Teil der kommunalen Wärmeplanung“. Die Netze BW gehe davon aus, dass ab 2032 die sukzessive Wasserstofftransformation in Baden-Württemberg beginne und ab 2040 in den bestehenden Gasnetzen Wasserstoff transportiert werde.

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Wasserstoff-Insel Öhringen mit Mischanlage, Elektrolyseur und Reservespeicher. © Netze BW GmbH