(Oshivela / Namibia) – Das internationale Konsortium „Sustainable Steel from Australia and Germany“ (SuSteelAG) hat in einem Praxistest in Namibia in einem elektrisch betriebenen Wasserstoff-Drehrohrofen 80 Tonnen australisches Eisenerz zu direkt reduziertem Eisen verarbeitet. Damit ebne man den Weg für eine nachhaltige Wertschöpfungskette zwischen Australien, Namibia und Deutschland – von der Erzeugung über die Veredelung des Eisens bis zum grünen Stahl, so die federführende Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM).

Stahlproduktion aus Erzen niedriger Qualität

Die BAM hatte 2025 das Projekt initiiert: Sie entwickelte ein Direktreduktionsverfahren auf Wasserstoffbasis, das auch niedrigere Erzqualitäten nutzbar machen und so eine breitere Rohstoffbasis für die grüne Stahlproduktion erschließen soll. Bisher ist die klimaneutrale Stahlproduktion nur mit Premiumerzen möglich, die einen hohen Eisenanteil von rund 70 Prozent besitzen. Diese Erze aber sind weltweit knapp und teuer. Zudem müsse dabei ein Schachtofen zum Einsatz kommen, der wiederum eine kosten- und energieintensive Vorbehandlung des Erzes zu Pellets erforderlich mache.

Nun hat im namibischen Oshivela der Projektpartner HyIron Green Technologies mittels Wasserstoff erstmals unvorbehandeltes australisches Eisenerz mit einem vergleichsweise geringen Eisenanteil von etwa 56 Prozent im industriellen Maßstab zur Produktion von direkt reduziertem Eisen genutzt. Geliefert wurde das Erz von dem australischen Bergbaumulti Fortescue. 

Das deutsch-australische SuSteelAG-Konsortium will unter Leitung der BAM die Technologie zur Nutzung auch minderwertiger Eisenerze zur Stahlherstellung mittels Wasserstoff voranbringen. © BAM

Wie berichtet, hatte die BAM bereits demonstriert, dass das Verfahren im Labormaßstab grundsätzlich praktikabel sei. Auf dieser Basis gelang es, in der Anlage in Oshivela mit einem Durchsatz von rund fünf Tonnen pro Stunde das australische Eisenerz zu Eisen zu veredeln. „Wir haben damit erstmals eine Größenordnung erreicht, die für die industrielle Produktion interessant ist, und bewiesen, dass die wasserstoffbasierte Direktreduktion von Erzen niedriger Qualität wirtschaftlich betrieben werden kann“, sagt Christian Adam, der das internationale Konsortium seitens der BAM koordiniert. „Somit drohe auch kein Engpass bei der klimaneutralen Stahlproduktion aufgrund der knappen Verfügbarkeit von Premiumerzen.“

Integration in industrielle Prozesse

Im nächsten Schritt werde das veredelte Eisen von Namibia nach Deutschland verschifft. Die Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH wird untersuchen, wie sich das Metall am besten in bestehende industrielle Prozesse integrieren lässt, um damit perspektivisch klimafreundlichen Stahl für Autos und andere Produkte herzustellen.

Zum SuSteelAG-Konsortium gehören neben der BAM (Leitung) die Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH, die TS Group Elino GmbH, die HyIron GmbH, das Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik (IST), das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS), die RWTH Aachen, die Heidelberg Manufacturing Deutschland GmbH, Hansaport und die Fortescue Metal Group (FMG). Gefördert wird das Projekt bis Ende 2027 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 4,5 Millionen Euro.

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Im Wasserstoff-Drehrohrofen im namibischen Oshivela gelang es, australische Eisenerz minderer Qualität mit einem Durchsatz von rund fünf Tonnen pro Stunde zu Eisen zu veredeln. © HyIron