(Berlin / Deutschland) – Die Stromerzeugung aus Solar- und Windenergieanlagen an Land ist deutlich günstiger als die Erdgasverstromung mittels GuD-Kraftwerke. Dies gelte ebenso, wenn die Systemkosten für den Netzausbau und für Speicher einbezogen würden. Der Kostenvorteil der Erneuerbaren bliebe auch bestehen, falls „die zurzeit sehr hohen Investitionskosten für Kraftwerke mit Gasturbinen wieder auf das alte Niveau fallen“.
GuD dreimal teurer als Erneuerbare
Dies sind Ergebnisse einer Kurzstudie im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und des Wirtschaftsverbandes Windkraftwerke (WVW). Es werde deutlich, dass die Gesamtkosten von Gas deutlich höher ausfielen als die Kosten für erneuerbare Energien. Demnach ergäben sich für Solar- und Windenergieanlagen, die im Jahr 2027 neu errichtet würden, Gesamtkosten von rund 11 Cent je Kilowattstunde (ct/kWh). Für Gaskraftwerke lägen die Kosten mit bis zu 31 ct/kWh dagegen drei Mal so hoch:
- PV-Freifläche: ca. 10,9 ct/kWh
- PV-Dach (Überschuss): ca. 11,9 ct/kWh
- Wind an Land: ca. 11,2 ct/kWh
- Gaskraftwerke: ca. 28,9-31,1 ct/kWh
Damit offenbarten sich die von der Bundesregierung angesetzten vermeintlich hohen Systemkosten als „fehlgeleitet“. Kostentreiber seien vielmehr „die rasant gestiegenen Preise der Kraftwerkshersteller“ sowie Brennstoffe und Emissionszertifikate, außerdem „die erwarteten niedrigen Betriebsstunden der Gaskraftwerke“, so die DUH.

Verbände: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche solle die tatsächlichen Kostenstrukturen des Energiemarkts anerkennen und ihre „maßgeblich von den Energiekonzernen beeinflusste Politik“ beenden. © BMWE
Gebe es einen technologieoffenen Wettbewerb, würden sich Batteriespeicher „zurzeit in vielen Fällen“ durchsetzen. Außerhalb der seltenen Dunkelflauten könne ein Speicher „zu einem großen Teil mit günstigem Überschussstrom aus Sonne und Wind gefüllt werden, den er mit hohem Wirkungsgrad von rund 90 Prozent wieder zur Verfügung stellt“. Erdgaskraftwerke müssten dagegen „immer Brennstoff zu Weltmarktpreisen beschaffen“ und erreichten maximale elektrische Wirkungsgrade von gut 60 Prozent, heißt es in der Kurzstudie. Somit führten Batteriespeicher zu zeitlichen Verschiebungen von Stromerzeugung, Glättung von Lastspitzen und gegenüber von GuD-Kraftwerken zu einer sicher verfügbaren Leistung bei kalkulierbaren Kosten. Nicht betrachtet wurden externe Kosten wie die Sicherung der Transportwege und Infrastruktur für Erdgas und Flüssigerdgas. Diese erhöhten „die gesamtwirtschaftliche Vorteilhaftigkeit“ einheimischer erneuerbarer Energien nochmals.
Energiepolitik von Konzernen beeinflusst
DUH und WVW fordern Wirtschaftsministerin Katherina Reiche auf, „die tatsächlichen Kostenstrukturen des Energiemarktes anzuerkennen und ihre einseitig auf den Neubau von Gaskraftwerken ausgerichtete und maßgeblich von den Energiekonzernen beeinflusste Politik zu beenden“. Die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern würden systematisch unterschätzt. In der ersten Ausschreibungsrunde des geplanten Kapazitätsmarkts dürfe es keine Vorfestlegung auf Gaskraftwerke geben. „Ausschreibungen für Back-Up-Kapazitäten müssen technologieoffen erfolgen und dürfen keine Tricks enthalten die Batteriespeicher ungerechtfertigt benachteiligen“, so die Verbände.
Abbremsen der Erneuerbaren ist technisch nicht zu begründen
„Der ambitionierte Ausbau der erneuerbaren Energien ist wirtschaftlich vorteilhaft und sichert uns gegen Importabhängigkeiten ab“, sagt WVW-Vorstand Lothar Schulze. Dagegen würde ein Ausbau von Gaskraftwerken dafür sorgen, dass hohe Gaspreise direkt auf die Strompreise durchschlagen. Auch technisch gebe es „keine belegbaren Gründe“ für ein Abbremsen des Ausbaus. Die konsequente Umsetzung von Netzoptimierungsmaßnahmen könne die Transportkapazitäten unserer Stromnetze um 50 Prozent erhöhen. „Redispatch-Abregelungen könnten schnell auf ein Minimum zurückgeführt werden.“
„Die Zahlen zeigen klar“, so DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner, „dass der Neubau eines Gaskraftwerks im Vergleich zu neuen Windkraft- oder Solaranlagen drei Mal so teuer ist.“ Gehe es mit Reiches Plänen weiter, drohten den Stromverbrauchern unnötig hohe Kosten.
Das Hintergrundpapier „Systemkostenvergleich von neuen Erdgaskraftwerken mit neuen Solar- und Windenergieanlagen an Land“ der RBID GmbH gibt es als PDF (22 Seiten). Eine Kurzfassung ist ebenfalls abrufbar (6 Seiten).
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Studie: PV- und Windstrom mit Speicher sind günstiger als neue Erdgaskraftwerke. © Vattenfall



