(Duisburg / Deutschland) – Drei Stahlkonzerne fordern eine „pragmatische Reform“ des EU-Emissionshandelssystems (ETS), um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Stahlindustrie zu sichern und die Dekarbonisierung voranzutreiben. Unterstützt wird der Aufruf von der Luxemburger Arcelor Mittal Europe SA, europäischer Zweig des indischen und weltweit zweitgrößten Stahlproduzenten Arcelor Mittal, von der Thyssenkrupp Steel Europe AG und der österreichischen Voestalpine AG. Zusammen machen die drei Unternehmen eigenen Angaben zufolge rund 60 Prozent der integrierten Stahlproduktion in Europa aus.
Derzeitiger Kurs könnte Industrie zerstören
Die Unternehmen warnen davor, dass „der derzeitige politische Kurs ohne Anpassungen die industrielle Basis Europas zerstören könnte“. Die Dekarbonisierung der Betriebe und Umstellungen im Stahlherstellungsprozess müsse ermöglicht und nicht behindert werden. Das bisherige ETS habe im Energiesektor zwischen 2005 und 2023 zwar zu Emissionsminderungen um etwa 49 Prozent geführt, zeige jedoch „keinen tragfähigen Weg für energieintensive Industrien wie die Stahlindustrie“.
Wichtige Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Dekarbonisierung seien „nach wie vor unzureichend entwickelt oder in großem Maßstab nicht verfügbar“, darunter wettbewerbsfähige Strompreise, erschwinglicher grüner Wasserstoff, CO2-Differenzkontrakte, CO2-Abscheidung und -Speicherung sowie Leitmärkte für kohlenstoffarmen Stahl.
Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen des Emissionshandelssystems würden die Kosten für die Stahlproduktion in der EU bis Anfang der 2030er Jahre voraussichtlich um rund 50 Prozent steigen. Ohne Reformen sei mit einem Rückgang der stahlintensiven Fertigungstätigkeit um 30 bis 40 Prozent zu rechnen, wodurch bis zu fünf Millionen Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette gefährdet wären.
Foto oben
Stranggießanlage des 2025 umfassend modernisierten Warmbandwerk 4 in Duisburg mit zwei neuen Hubbalkenöfen und einer vollautomatisierte Brammenlogistik bei Tyssenkrupp Steel. © Tyssenkrupp Steel AG



