(Leipzig / Deutschland) – Vor rund sechs Jahren hatte sich die Stadt Leipzig zur Anschaffung von mit Brennstoffzellen betriebenen Müllfahrzeuge entschlossen. Seit 2024 leisteten die Lkw im kommunalen Entsorgungsbetrieb zwar „einen Beitrag zur Erprobung alternativer Antriebstechnologien“. Nach zwei Jahren im Einsatz zeige die bisherige Praxis allerdings, „dass die Fahrzeuge die für den Regelbetrieb erforderliche Verfügbarkeit noch nicht in ausreichendem Umfang erreichen“. Dies geht aus der Antwort des Rates der Stadt auf eine Ratsanfrage hervor.

Der Schwerpunkt zur Nutzung liegt aktuell auf der Stabilisierung des Fahrzeugbetriebs und der Erhöhung der Verfügbarkeit. © Stadtreinigung Leipzig GmbH

Insbesondere diese im Vergleich zu konventionellen Fahrzeugen geringere Verfügbarkeit wirke sich auf Einsatzplanung, Ersatzfahrzeugbedarf und Wirtschaftlichkeit aus. Der Schwerpunkt liege aktuell „auf der Stabilisierung des Fahrzeugbetriebs, der Erhöhung der Einsatzverfügbarkeit sowie dem weiteren Aufbau eigener technischer Kompetenzen“ bei dem Eigenbetrieb der Stadt Leipzig. Die Anschaffungskosten für die 16 Lkw lagen bei kumuliert 17,6 Millionen Euro. Für vergleichbare konventionelle Diesel-Lkw wären 5,6 Millionen anzusetzen. Die Mehrkosten betrugen mithin rund 12 Millionen Euro – durchschnittlich 75.000 Euro je Fahrzeug –, welche durch Fördermittel des Bundes in Höhe von 10,8 Millionen weitgehend kompensiert worden seien. 

Einsatzquote unter 50 Prozent

Für konventionelle Abfallsammelfahrzeuge werde eine Einsatzquote von 80 Prozent angenommen. Die wasserstoffbetriebenen erreichten durchschnittlich 45,6 Prozent. Ursächlich hierfür waren insbesondere technische Störungen, Wartungs- und Reparaturbedarf sowie Einschränkungen im Zusammenhang mit der neuen Antriebstechnologie. 

„Die Fahrzeuge liegen damit weiterhin deutlich unter dem Vergleichswert konventioneller Fahrzeuge“, so der Rat in seiner Antwort. Dies sei „für den Regelbetrieb noch nicht ausreichend“. Bei Nichtverfügbarkeit würden durch den Hersteller konventionelle Ersatzfahrzeuge bereitgestellt. Dadurch könne die Entsorgungssicherheit im Tagesgeschäft aufrechterhalten werden.

Zentralwerkstatt baut Technikwissen auf

Bei Wartungen sei ein direkter Vergleich mit konventionellen Abfallsammelfahrzeugen nur eingeschränkt möglich, da die Fahrzeuge als neue Antriebstechnologie im laufenden Betrieb besondere technische Anforderungen aufwiesen. Bei den H2-Lkw bestehe ein erhöhter Abstimmungs-, Diagnose- und Instandsetzungsaufwand. Die Wartungen würden derzeit noch durch einen örtlichen Dienstleister durchgeführt. Parallel baue die Zentralwerkstatt der Stadtreinigung eigene Kompetenzen auf, um die technische Betreuung der Fahrzeuge schrittweise zu stärken. Eine abschließende Bewertung des Wartungsaufwandes sei erst nach einer längeren Vergleichsphase möglich.

Keine Daten für Betriebskostenvergleich

Auch ein belastbarer Vergleich der Einsatz- und Betriebskosten pro Fahrzeug oder Betriebsstunde sei derzeit nur eingeschränkt möglich. Die hierfür erforderlichen Daten, insbesondere zu Energieverbrauch, Wartung, Reparatur, Ersatzfahrzeugen, Infrastruktur und tatsächlichen Betriebsstunden lägen noch nicht in einer abschließend ausgewerteten Form vor. Jedoch sei davon auszugehen, dass die rechnerischen Kosten je Einsatztag derzeit über denen konventioneller Fahrzeuge liegen. Indes sei zu berücksichtigen, dass sich die wasserstoffbetriebenen Abfallsammler „weiterhin in einer Phase der technischen Stabilisierung und betrieblichen Optimierung“ befänden.

Zum Zeitpunkt der Kaufentscheidung in den Jahren 2020/2021 hätten sich alternative Antriebstechnologien für schwere Abfallsammelfahrzeuge „in einer dynamischen Entwicklungs- und frühen Marktphase“ befunden. Weder mit rein batterieelektrischer noch mit Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologie habe man über eine langjährige breite Betriebserfahrung wie mit konventionellen Dieselfahrzeugen verfügt.

„Lkw mit reinem Elektro-Antrieb sind deutlich schwerer als unsere neuen Wasserstofffahrzeuge“, sagte im März 2024 Betriebsleiter Thomas Kretzschmar. „Hätten wir uns für reine E-Fahrzeuge entschieden, dann hätten wir weniger Abfall transportieren können und wären gezwungen gewesen, alle unsere Routen umzuplanen.“

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Die mit Wasserstoff betriebenen Müll-Lkw in Leipzig zeigen Schwächen, befinden sich aber noch in der „betrieblichen Optimierung“. © Stadtreinigung Leipzig GmbH