Deutschland: Baubeginn im Saarland für grenzüberschreitende Wasserstoffleitung MosaHYc +++ Niederlande: PosHYdon produziert erstmals grünen Wasserstoff mit Offshore-Windkraft +++ Österreich: LEC nimmt wasserstoffbetriebenen Großmotor für Stromerzeugung in Betrieb +++ Deutschland: Bielefeld hat jetzt Elektrolyseur für Wasserstofftankstelle +++ Großbritannien: Ballard schließt Übernahme von GeoPura ab +++ Deutschland: Staatsfonds der Golfstaaten arbeiten an der Energiewende (Studie) +++ Großbritannien: Wasserstoffmarkt in Europa entwickelt sich nicht schnell genug für REPower-Ziel

Eine Auswahl von PtX-Themen zum Wochenabschluss zusammengefasst

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Spatenstich in Wallerfangen: Baubeginn für die grenzüberschreitende Wasserstoffleitung „MosaHYc“ im Saarland. © Creos Deutschland

(Deutschland) Die Creos Deutschland GmbH hat mit den Bauarbeiten für die Wasserstoffleitung von Leidingen nach Dillingen begonnen. Die Pipeline ist der deutsche Teil des grenzüberschreitenden Projekts „MosaHYc“ (moselle-saar-Hydrogen conversion). Die rund 17 Kilometer lange Pipeline soll künftig Wasserstoff aus Frankreich in Richtung Dillingen transportieren. Die Bauzeit betrage zirka eineinhalb Jahre. Das Vorhaben entsteht in Kooperation mit dem französischen Netzbetreiber NaTran France. In Frankreich werden rund 20 Kilometer bestehende Leitungen umgestellt und fünf Kilometer Leitung neu gebaut. „MosaHYc“ sei Teil des deutschen Wasserstoffkernnetzes und wird als Important Project of Common European Interest (IPCEI) von Bund und Land gefördert. Interessenten haben bereits Wasserstoff bestellt: So hat die Stahl-Holding-Saar GmbH&Co.KGaA (SHS) im September 2025 mit dem französischen Energieunternehmen Verso Energy SAS einen Vertrag über die jährliche Abnahme von mindestens 6.000 Tonnen grünem Wasserstoff geschlossen. Verso will den Energieträger im französischen Carling im Rahmen des Projekts „Carlhyng“ (Carling Hydrogen Next Generation) produzieren. Der Ertrag werde in das „MosaHYc“-Leitungsnetz eingespeist und auch zum Standort Dillingen transportiert (mehr dazu).

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PosHYdon produziert erstmals grünen Wasserstoff auf der Offshore-Windkraft-Plattform Q13a-A. © PosHYdon

(Niederlande) Das Pilotprojekt PosHYdon hat erstmals grünen Wasserstoff mit einer Offshore-Windkraftanlage produziert. Die von Eni Energy Netherlands betriebene Q13a-A-Plattform, etwa 13 Kilometer vor der Küste von Scheveningen, sei die erste vollständig elektrifizierte Produktionsplattform im niederländischen Teil der Nordsee. Dort werde Meerwasser entmineralisiert und anschließend durch Elektrolyse mittels Windstrom in Wasserstoff umgewandelt. Während der Testphase ist zunächst das Ziel, trotz schwankenden Stromertrages einen stabilen Systembetrieb zu erreichen. Darüber hinaus würden Erkenntnisse über Kosten, Wartungsanforderungen und Betriebsleistung gesammelt. Die Ergebnisse des Pilotprojekts sollen im Herbst vorgestellt werden. PosHYdon ist eine Initiative von Nexstep (National Platform for Re-use & Decommissioning) der niederländischen Öl- und Gasindustrie sowie der Forschungsorganisation TNO. Das Projekt wird von zahlreichen Organisationen und Konzernen unterstützt, darunter DEME, EBN, Eneco, Emerson, Gasunie, Hatenboerwater, Investa Expertise Centrum, Iv, Nel, Eni, NGT, Nogat und TAQA.

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Das Large Engines Competence Center will in Graz  die Stromerzeugung mittels eines wasserstoffbetriebenen Großmotors erproben. © LEC GmbH

(Österreich) Das Large Engines Competence Center (LEC) in Graz hat einen „LEC ZID“ genannten wasserstoffbetriebenen Großmotor in Betrieb genommen. Die Leistung liege den Angaben zufolge bei „rund zwei bis drei Megawatt“.  Zusätzlich könnten bis zu 1,5 Megawatt thermische Leistung über Wärmerückgewinnung genutzt werden. Die Anlage sei als Demonstrationsprojekt vollständig in das Energiesystem der TU Graz integriert, könne sehr kurzfristig Leistung bereitstellen und eigne sich damit als flexible Backup-Lösung. Während des Versuchsbetriebs werde Strom in das lokale Netz eingespeist. Gesellschafter der LEC GmbH sind Technische Universität Graz (45 Prozent), INNIO Jenbacher GmbH & Co OG, Hoerbiger Wien GmbH, Forschungsgesellschaft für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik mbH (FTV) und die Montanuniversität Leoben.

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Die Stadtwerke Bielefeld haben jetzt einen PEM-Elektrolyseur (v.r.): Projektleiterin Emma Davies, Stadtwerke-Geschäftsführer Rainer Müller und Martin Uekmann, Aufsichtsratsvorsitzende Wiebke Esdar. © Stadtwerke Bielefeld GmbH / Sarah Jonek

(Deutschland) Die Stadtwerke Bielefeld GmbH hat auf dem Gelände der Müllverbrennungsanlage (MVA) Bielefeld-Herford einen PEM-Elektrolyseur mit einer Leistung von einem Megawatt montiert. Die schlüsselfertige Containeranlage („IMI Vivo“) des italienischen Hersteller IMI Remosa geht jetzt in den Probetrieb. Der dafür notwendige Strom stamme aus der Müllverbrennung. Da der verwertete Abfall zu mindestens 50 Prozent biogenen Ursprungs sei, könne ein entsprechender Anteil des erzeugten Stroms als Strom aus regenerativen Energien eingestuft werden. Der Wasserstoff werde für die Wasserstofftankstelle im benachbarten Innovationspark Sektorenkopplung genutzt. „Die Energie, die bei der thermischen Abfallverwertung entsteht, erhält mit der Wasserstoffproduktion eine weitere konkrete Anwendung. Entscheidend ist dabei die räumliche Nähe der Anlagen: Sie vereinfacht die Abläufe und reduziert zusätzliche Transportwege“, sagt Projektleiterin Emma Davies von der MVA Bielefeld-Herford. Im ersten Betriebsjahr sei eine Produktion von rund 41.000 Kilogramm Wasserstoff vorgesehen; möglich seien künftig 144.000 Kilogramm pro Jahr. Das Gesamtprojekt hat ein Volumen von rund 5,3 Millionen Euro und wird mit rund zwei Millionen Euro durch das Bundesministerium für Verkehr gefördert. Dies hatte zunächst eine Bürokraten-Posse zur Folge: Die vier Brennstoffzellenbusse der Stadt sowie 25 Busse, bei denen eine Brennstoffzelle die Reichweite des elektrischen Antriebs erweitert, durften an der geförderten Station tanken – nicht aber die sieben Bielefelder Müllwagen, weil die Fördermittel eben nur für ÖPNV genutzt werden durften. Doch die nächst gelegene öffentliche Tankstelle wurde vom Betreiber geschlossen. Daher wurden die Abfallsammler zeitweise wieder durch Dieselfahrzeuge ersetzt.

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GeoPuras „Hydrogen Power Units“ (HPU) mit einer Leistung von 500 Kilowatt. © GeoPura Ltd

(Großbritannien) Die Ballard Power Systems Inc. hat die im Juni angekündigte Übernahme der britischen GeoPura Ltd. abgeschlossen (mehr dazu). Das 2019 gegründete Unternehmen entwickelt und betreibt mobile „Hydrogen Power Units“ (HPU), die mittels grünem Wasserstoff sauberen Strom produzieren. Mit dem Kauf schaffe Ballard eigenen Angaben zufolge eine schlüsselfertige „Energy-as-a-Service“ (EaaS)-Lösung, um Kunden als Komplettanbieter für emissionsfreie Energielösungen zu bedienen. Dies eröffne neue Geschäftsmöglichkeiten in Nordamerika und festige „den langfristigen Kurs des Unternehmens in Richtung nachhaltiger Rentabilität und beschleunigten Wachstums“. Der Kaufpreis betrage 275 Millionen Pfund (319 Millionen Euro), bestehend aus eine Kombination von Barmitteln und Aktien. Geopura-CEO Andrew Cunningham wird Präsident von Ballard.

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Kurzstudie: Golf-Staaten rüsten sich für das Wasserstoffzeitalter. © Konrad-Adenauer-Stiftung

(Deutschland) Die Staaten des Golf-Kooperationsrates (GCC) positionieren sich als zentrale Akteure einer entstehenden „postfossilen Energiewirtschaft“. Dabei stellten Staatsfonds wie der Sovereign Wealth Funds (SWF) nicht nur essenzielles Kapital bereit, sondern prägten auch aktiv die strategischen Ansätze ihrer Länder zur Energiewende. Sie lenkten öffentliches Vermögen in strategische Sektoren und zögen internationale Ko-Investitionen an. Zu diesem Ergebnis kommt eine Kurzstudie der Konrad-Adenauer-Stiftung. Während sich in den westlichen Ländern der Waserstoff-Hype verlangsamt, verdoppelten andere Länder ihre Wasserstoffambitionen. So hätten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Oman und – in geringerem Maße – Katar Wasserstoffprojekte im Wert von mehreren Milliarden Dollar angekündigt, um die dort reichlich vorhandenen erneuerbaren Energiequellen und die bestehende Infrastruktur mit ihren finanziellen Ressourcen zu nutzen. Namentlich der Public Investment Fund (PIF) in Saudi-Arabien, die Mubadala Investment Company in den VAE, die Investment Authority im Oman (OIA) und die Qatar Investment Authority (QIA) setzten Kapital ein, um ihre Länder als zentrale Akteure in der aufkommenden Wasserstoffwirtschaft zu etablieren. Dazu gehörten taktische Beteiligungen an Elektrolyse-Herstellern, Partnerschaften mit internationalen Energieunternehmen, aber auch etwa der Bau groß angelegter Produktionsanlagen. Unternehmen wie ACWA Power (Saudi-Arabien), Masdar und TAQA (beide VAE) dienten „als operative Waffen für groß angelegte Projekte im Bereich erneuerbare Energien und Wasserstoff“. Der Autor der Studie Tobias Zumbraegel analysiert die unterschiedlichen Wege der Golfstaaten, nennt Risiken, Chancen und Bedingungen einer sich entwickelnden Wasserstoffwirtschaft. Die Kurzstudie „Strategic Hydrogen. Gulf Sovereign Wealth Funds and the Reordering of Global Energy Power“ gibt es kostenfrei als PDF (15 Seiten) auf der Website der Konrad-Adenauer-Stiftung.

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EIC-Report „Europe Hydrogen“: Wasserstoffmarkt entwickelt sich in Europa zu langsam. © Energy Industries Council

(Großbritannien) Ziel der EU ist es, bis 2030 eine Elektrolyseurleistung von 40 Gigawatt und eine Wasserstoffverfügbarkeit von 20 Millionen Tonnen aufzubauen (zehn Millionen Tonnen Produktion, zehn Millionen Tonnen Import). Allerdings entwickele sich der Wasserstoffmarkt „nicht schnell genug, um das REPower EU-Ziel zu erreichen“. Zu dieser Einschätzung kommt ein „Insight Report“ des britischen Branchenverbandes Energy Industries Council (EIC). Demnach gebe es europaweit 8,46 Gigawatt installierter Elektrolyseleistung.  Zwar seien seit 2020 624 Wasserstoffprojekte angekündigt worden, darunter Produktion, Pipelines, Speicher und andere Infrastruktur. Doch seien rund die Hälfte weiterhin in der Machbarkeitsprüfung, weitere 15 Prozent lägen auf Eis. Es gebe 59 Projekte, die laufen, allerdings 74, die eingestellt wurden. Von der Planung bis zum Betriebsbeginn – oder zumindest bis zur endgültigen Investitionsentscheidung – gebe es zentrale Hürden wie schwache Nachfrage, verzögerte regulatorische Klarheit, unzureichende Verfügbarkeit erneuerbaren Stroms sowie schleppende Entwicklung von Infrastruktur wie Transport und Lagerung von Wasserstoff. Deutschland steche in Europa derzeit als führender Wasserstoffmarkt hervor. Es gebe eine große industrielle Nachfrage, ein Elektrolyseurziel von zehn Gigawatt Leistung, bedeutende finanzielle Unterstützung und ein sich im Bau befindendes 9.000 Kilometer umfassendes Wasserstoffkernnetz. Allerdings sei Deutschland stark auf grenzüberschreitende Infrastruktur und Importe angewiesen. Spanien habe aufgrund der erneuerbaren Energien großes Potenzial. 54 Projekte seien aktuell noch geplant, aber 60 Prozent befänden sich noch in der Machbarkeitsphase. Skandinavien habe 76 Projekte, davon befänden sich 18 Prozent im Bau oder warteten auf den Baubeginn, 17 Prozent lägen auf Eis. Großbritannien verfüge über Europas größte nationale Pipeline mit 130 geplanten Projekten, aber nur acht Prozent befänden sich im Bau, 21 Prozent lägen auf Eis. Dänemark und Finnland entwickelten sich zu einer Produktions- und Exportregion, während sich Norwegen und Schweden stärker auf die inländische Dekarbonisierung und industrielle Nutzung konzentrierten. Insight Report „Europe Hydrogen“, Bezug über die EIC-Website (kostenfrei für Mitglieder).

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iStock / © Danil Melekhin