(Berlin / Deutschland) – Die Bundesregierung hat sich auf die Kraftwerksstrategie geeinigt. Im „Vorgriff auf einen umfassenden Kapazitätsmechanismus“ würden insgesamt 12,5 Gigawatt (GW) an Kraftwerkskapazität und 500 Megawatt an Langzeitspeichern ausgeschrieben, heißt es im Bundeswirtschaftsministerium.

2-Säulen-Strategie

Die Umsetzung ist den Angaben zufolge im Rahmen eines 2-Säulen-Systems geplant:

  • Als erste Säule würden demnach „zeitnah“ fünf Gigawatt an neuen H2-ready-Gaskraftwerken und zwei Gigawatt an H2-ready-Modernisierungen ausgeschrieben. Diese müssten ab dem achten Jahr ihrer Inbetriebnahme oder Modernisierung auf den Brennstoff grünen oder blauen Wasserstoff umgestellt werden. Hinzu kommen 500 Megawatt als „Wasserstoffsprinter“ bezeichnete Kraftwerke, die sofort mit Wasserstoff laufen, außerdem Langzeitspeicher mit einer Kapazität von 500 Megawatt. Gefördert würden Investitionskosten (Capital Expenditures, Capex) und ab dem Umstieg auf Wasserstoff für 800 Vollbenutzungsstunden im Jahr die Differenzkosten zwischen Wasserstoff und Erdgas (Operational Expenditures, Opex).
  • In einer zweiten Säule würden fünf Gigawatt neue Gaskraftwerke ausgeschrieben, die insbesondere in Dunkelflauten, also in Zeiten, in denen weder Wind- noch Sonnenenergie nennenswerte Mengen Strom ins Netz einspeisen, einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisteten. Diese gelten gleichsam als „Brücke in einen umfassenden technologieoffenen Kapazitätsmechanismus“, der ab 2028 operativ sein soll, so das Ministerium.

Über die Rahmenbedingungen zur Förderung von H2-Kraftwerksprojekten hatten das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und die Europäische Kommission bereits im August 2023 Gespräche geführt (wir berichteten). Mit dem Kraftwerkssicherheitsgesetz werde die Dekarbonisierung im Kraftwerkspark beschleunigt, „weil wir für einen Teil der Kraftwerke einen konkreten Wasserstoffumstiegspfad vereinbart haben“, sagt Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Zudem werde die Entwicklung neuer H2-Technologien gefördert, und überdies der Kohleausstieg durch den Zubau neuer Kraftwerke abgesichert.

6-wöchige Verbändekonsultation

Nunmehr seien im Verlauf der nächsten sechs Wochen Konsultationen geplant. Anschließend erfolge „eine finale beihilferechtliche Genehmigung“ des Vorhabens. Die erste Ausschreibung ist für Ende 2024 / Anfang 2025 vorgesehen. Parallel werde das BMWK ein Papier mit den Optionen für die Ausgestaltung des Kapazitätsmechanismus mit zentralen Vor- und Nachteilen vorlegen.

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Im Sommer letzten Jahres hatte die RWE Generation SE Pläne angekündigt, wonach der Konzern am Standort Weisweiler in Nordrhein-Westfalen ein wasserstofffähiges Gas-und Dampfkraftwerk bauen will, wenn ein „wirtschaftlicher Betrieb durch passende Rahmenbedingungen“ ermöglicht werde. Das bisherige Braunkohlekraftwerk geht 2029 vom Netz. © RWE