(Baruth / Deutschland) – Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat auf ihrem Testgelände bei Baruth/Mark (Brandenburg) ein „Reallabor für Wasserstoffnetze“ eröffnet. Die „ModuH2Pipe“ genannte Plattform ermögliche es, Pipelines, Werkstoffe, Komponenten und Betriebsprozesse künftiger Wasserstoffnetze unter realitätsnahen und zugleich „extremen Betriebsbedingungen systematisch zu untersuchen“, so die Behörde.

„Innovationsmotor für die Wasserstoffwirtschaft werden“ (v.l.): Kai Hilgenberg, Katharina Löwe und Kai Holtappels von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung bei der „ModuH2Pipe“-Eröffnung. © BAM
Damit ließen sich starke Druckschwankungen oder hohe Durchflussmengen simulieren, etwa indem Rohrleitungen wiederholt Drücken zwischen 10 und 85 bar ausgesetzt werden, um ein Hoch- und Runterfahren der Anlage nachzustellen. Auch Verunreinigungen ließen sich gezielt beimischen, um mögliche Alterungs- und Schädigungsprozesse von Werkstoffen sowie die Funktionsfähigkeit von Komponenten zu untersuchen.
Im Fokus stünden indes nicht nur die Werkstoffe – auch Fertigungs-, Schweiß- und Reparaturverfahren sollen erprobt und validiert werden. Zur Überwachung der Pipelines und Komponenten würden zerstörungsfreie Prüfverfahren getestet und weiterentwickelt. Die gewonnenen Erkenntnisse flössen in die Entwicklung digitaler Diagnose- und Entscheidungswerkzeuge, etwa zur Berechnung der Restlebensdauer oder zur Optimierung von Wartungszyklen.
Zudem könnten etwa Rohrleitungen oder Armaturen weit über die normalen Betriebsgrenzen hinaus unter extrem hohen Drücken bis 900 bar geprüft werden. Im Falle eines Versagens ließen sich die Auswirkungen genau analysieren und Sicherheitskonzepte gezielt verbessern, um Schäden zu vermeiden oder zu reduzieren.

Unternehmen, Netzbetreiber und Forschungseinrichtungen können neue Materialien, Bauteile, Überwachungsverfahren sowie Wartungs- und Reparaturkonzepte unter praxisnahen Bedingungen erproben. © BAM
Hintergrund des Testzentrums sind unter anderem die Pläne, bis 2040 das europäische Wasserstoffnetz „European Hydrogen Backbone“ mit rund 50.000 Kilometern Pipelinelänge aufzubauen. Allein in Deutschland entstehen bis 2032 mit dem genehmigten Wasserstoffkernnetz gut 9.000 Kilometer Leitungen, ein Großteil davon durch die Umstellung bestehender Erdgasleitungen. Für den sicheren Betrieb müssten noch zahlreiche technische und sicherheitsrelevante Fragen beantwortet werden. Die Testplattform schaffe eine wichtige Voraussetzung „für den sicheren und wirtschaftlichen Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland und Europa“, sagt Kai Holtappels, Sprecher des Wasserstoff-Kompetenzzentrums „H2Safety“ der BAM, zur Eröffnung.
Die Testplattform wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) mit 3,8 Millionen Euro gefördert.
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Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung kann künftig in Brandenburg Pipelines, Komponenten und Werkstoffe für Wasserstoffnetze testen. © BAM



