(Berlin / Deutschland) – Der niederländische Wasserstoffmarkt zählt über 300 aktive oder geplante Projekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Offshore-Windenergieerzeugung über Elektrolyse, Transport und Speicherung bis hin zu industriellen und mobilen Anwendungen. Bis 2028 sei ein Anstieg der grünen Wasserstoffproduktion von nahezu null auf rund 540.000 Tonnen zu erwarten, bis 2030 auf 880.000 Tonnen jährlich. Ab 2032 stabilisiere sich die Kapazität voraussichtlich bei knapp 900.000 Tonnen. Dies geht aus einer Zielmarktanalyse der Exportinitiative Energie des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK) hervor.

Gasunie entwickelt das Wasserstofftransportnetz in den Niederlanden. © N.V. Nederlandse Gasunie
Mit einer geplanten Elektrolysekapazität von vier Gigawatt (GW) bis 2035 positioniere sich das Land demnach „konsequent als europäische Drehscheibe für Produktion, Import sowie Verteilung von Wasserstoff“ und profitiere dabei „von einer einzigartigen Kombination aus strategischer Hafenlage, umrüstbarer Gasinfrastruktur, leistungsfähiger Forschungslandschaft und einer ausgeprägten Kooperationskultur“, so die Autoren der Auslandshandelskammer Niederlande (AHK).
Bemerkenswert sei die strukturelle Lücke zwischen geplanter Produktionskapazität und bisher gesicherter Abnahme. Letztere verbleibe über den gesamten Zeithorizont auf sehr niedrigem Niveau, was „ein deutliches Signal für den enormen Infrastrukturbedarf ist“, der Produktion und Verbrauch erst verbindet.
Parallel dazu befinde sich der Markt in einer „deutlichen Reifungsphase“. Standen bisher 119 Projekte im Konzeptstadium und 82 betriebsbereit, kehre sich dieses Verhältnis bis 2030 vollständig um, so die Autoren: „Rund 270 von den mehr als 300 Projekten werden dann operationell sein.“
Elektrolyse und Wasserstoffproduktion
Obwohl einige niederländische Unternehmen auch eigene Elektrolyselösungen entwickeln, bestehe ein erheblicher Bedarf an spezialisierten Zulieferkomponenten, den lokale Akteure nicht vollständig abdeckten. Gefragt seien insbesondere Hersteller von Membranstacks und Elektrodenkomponenten für PEM- und alkalische Elektrolyseure, Lieferanten von Katalysatorschichten, Bipolarplatten und Dichtungsmaterialien sowie Anbieter von Leistungselektronik, Gleichrichtern und Steuerungssystemen für Großelektrolyseure.
Hinzu komme Bedarf an Gas- und Wasseraufbereitungstechnik, die eine kontinuierliche, hochreine Wasserstoffproduktion gewährleistet. Im Bereich der grünen Wasserstoffproduktion dominierten sowohl internationale Großkonzerne als auch spezialisierte niederländische Technologieunternehmen.
- Shell Nederland B.V. baut mit dem Projekt Holland Hydrogen I (200 MW) die derzeit größte Anlage für erneuerbaren Wasserstoff in Europa auf dem Gelände der Tweede Maasvlakte in Rotterdam. Die Anlage soll täglich bis zu 60 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren (mehr dazu).
- HyCC B.V. (Hydrogen Chemistry Company), Spezialist für großskalige Elektrolyseanlagen, entwickelt mehrere Projekte in Rotterdam, Delfzijl und Amsterdam mit einem Gesamtvolumen von mehreren Hundert Megawatt (mehr dazu).
- VoltH2 Operating B.V. entwickelt und betreibt Elektrolyseure, darunter eine 50-Megawatt-Anlage in Delfzijl sowie Projekte in Vlissingen, Terneuzen und Gelsenkirchen mit einer potenziellen Produktionskapazität von insgesamt fast 200 Megawatt (mehr dazu).
- Alquion B.V., ein im April 2026 gegründeter Zusammenschluss von Battolyser Systems und VDL Hydrogen Systems, hat eine Batterie-Elektrolyseur-Technologie („Flexolyser“) entwickelt, die Stromspeicherung und Wasserstoffproduktion in einem System vereint (mehr dazu).
- XINTC B.V. entwickelt wartungsarme Elektrolyseure aus Kunststoff ohne seltene Rohstoffe, die direkt an fluktuierende erneuerbare Energiequellen angeschlossen werden können.
- Air Liquide und Total Energies investieren gemeinsam in Elektrolyseprojekte in Rotterdam (200 MW) und Zeeland (250 MW) (mehr dazu).
- Eneco, RWE, Equinor und Shell installieren im Rahmen des Konsortiums NortH2 eine Anlage für grünen Wasserstoff im Gigawatt-Maßstab. Die Elektrolyse wird zunächst im Eemshaven stattfinden. Möglicherweise kann die H2-Produktion in einer späteren Phase durch Elektrolyse auf See weiter ausgebaut werden.
Speicherung vorrangig in Salzkavernen
Für die großskalige Wasserstoffspeicherung setzten die Niederlande überwiegend auf die Umnutzung von Salzkavernen.
- Der niederländische staatliche Ferngasnetzbetreiber Gasunie BV entwickelt über seine Tochter Hystock BV in Zuidwending (Provinz Groningen) vier Salzkavernen mit einer Gesamtkapazität von rund 216 GWh. Die erste Kaverne soll bis 2031 in Betrieb gehen; die Nachfrage übersteige bereits die verfügbare Kapazität. Kooperationspartner ist der Salinenbetreiber Nobian (mehr dazu).
- Koninklijke Vopak N.V. positioniert sich als Betreiber von Terminalinfrastruktur und Importlagern in den Seehäfen Rotterdam und Amsterdam. Das Unternehmen entwickelt gemeinsam mit internationalen Partnern wie Hydrogenious LOHC Technologies GmbH Speicher und Umschlagskonzepte für flüssige Wasserstoffträger wie Ammoniak und LOHC (Liquid Organic Hydrogen Carrier).
- H2Storage B.V. spezialisiert sich auf Hochdruckspeicherung in Leichtbau-Kompositzylindern (bis 700 bar) für dezentrale Anwendungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
- Proton Ventures B.V. entwickelt modulare Ammoniakproduktionsanlagen und Speicher auf Basis erneuerbarer Energien. Ammoniak dient dabei als Wasserstoffträger und ermöglicht dezentrale Langzeitspeicherung.
- Demaco Holland B.V. liefert kryogene Lösungen für Flüssigwasserstoff-Projekte (LH2). Das Portfolio umfasst Ladeinfrastrukturen, vakuumisolierte Transferleitungen und Kopplungssysteme. Seit 2024 ist Demaco Teil von OPW Clean Energy Solutions, einem internationalen Verbund für kryogene Speicher-, Verteil- und Strömungssteuerungssysteme.
Das Marktpotenzial für grünen Wasserstoff in den Niederlanden gilt als „sehr groß“ – nicht zuletzt aufgrund staatlicher Unterstützung, so die Studie.

SWOT-Analyse für deutsche Unternehmen auf dem niederländischen Wasserstoffmarkt. © AHK Niederlande
Der Markt befinde sich im Übergang von der Planungs- zur Umsetzungsphase. Die Beschaffungsentscheidungen für Technologien, Komponenten und Dienstleistungen in den meisten laufenden Projekten fielen zwischen 2025 und 2028. Die AHK empfiehlt einen rechtzeitiger Eintritt über Referenzprojekte, Testinfrastrukturen oder als Zulieferer in bestehenden Konsortien, da Beschaffungsentscheidungen in Großprojekten erfahrungsgemäß früh und auf Basis etablierter Partnerschaften getroffen würden. Die niederländische Regierung bereite eine gesetzliche Verpflichtung vor, womit die Nachfrage nach grünem Wasserstoff verbindlich abgesichert und Industrieunternehmen schrittweise zur Abnahme und Nutzung grünen Wasserstoffs verpflichtet würden.

Der niederländische Markt für Wasserstoffprojekte befindet sich in einer „deutlichen Reifungsphase“ und bietet auch für deutsche Unternehmen noch Platz für Geschäftsmodelle. © AHK Niederlande
Das Kabinett stelle für das Jahr 2026 Fördermittel für der nachhaltige Energieerzeugung in Höhe von rund acht Milliarden Euro zur Verfügung. Parallel dazu werde der Aufbau eines landesweiten Wasserstoff-Backbones vorangetrieben, um Industriecluster, Häfen und Importterminals miteinander zu verbinden. Die deutsch-niederländische Kooperation konzentriert sich insbesondere auf den Import von grünem Wasserstoff, den Ausbau grenzüberschreitender Infrastruktur sowie die industrielle Nutzung in energieintensiven Industrien. Im Mai 2025 kündigten Deutschland und die Niederlande gemeinsame Investitionen von jeweils 300 Millionen Euro im Rahmen der H2Global-Stiftung an, um den Import von grünem Wasserstoff nach Nordwesteuropa wirtschaftlich attraktiver zu gestalten.
Die Zielmarktanalyse „Niederlande: Grüner Wasserstoff – Infrastruktur, Speicherung, und Distribution. Zielmarktanalyse 2026“ gibt es kostenfrei als PDF (40 Seiten).
GES bietet eine Wasserstoffgeschäftsreise vom 22.09-24.09.2026: Grüner Wasserstoff: Infrastruktur, Speicherung und Distribution in den Niederlanden.
Eine Übersicht aller laufenden und geplanten Projekte bietet die interaktive Wasserstoffkarte.
Wir stellen die Länderanalysen für Wasserstoffmärkte der Exportinitiative Energie des BMWE in lockerer Folge vor. Bisher erschienen:
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Der Hafen von Rotterdam positioniert sich mit der Maasvlakte seit geraumer Zeit als Drehscheibe für grünen Wasserstoff und Kraftstoffe. © Port of Rotterdam Authority / Danny Cornelissen



