(München / Deutschland) – MAN Truck & Bus SE hat drei Brennstoffzellen-Lkw an die Konzerntochter Loadfox Transport Solutions GmbH übergeben. Die Fahrzeuge werden über einen Zeitraum von drei Monaten im regulären Logistikbetrieb eingesetzt. Die Routen führten zu den MAN-Standorten München, Dachau und Nürnberg sowie auf weitere Strecken im süddeutschen Raum.

Die Brennstoffzellen sind an der Zugmaschine hinter dem Fahrerhaus platziert. © MAN Truck & Bus SE
Zentrale Komponente sei ein Brennstoffzellensystem des Projektpartners Robert Bosch GmbH. Die elektrische Antriebsachse AxTrax2 dual von ZF übersetze die Energie in Vortrieb. Bosch hatte erst letzte Woche den Testeinsatz seines Brennstoffzellensystems FCPM 190 in Madrid verkündet, das dort in einem Stadtbus erprobt wird (mehr dazu). Loadfox übernimmt für seinen Eigentümer MAN die Rolle des Logistikpartners. Das Transportunternehmen betreibt Prototypen, autonome Fahrzeuge und erprobt digitale Dienste unter realen Bedingungen im Güterverkehr.

Die Fahrzeuge schaffen mit einer 36-Kilogramm-Tankfüllung 450 bis 500 Kilometer. © MAN Truck & Bus SE
Der Wasserstoff wird in dem MAN-Truck in 700-bar-Drucktanks mit einer Kapazität von 36 Kilogramm gespeichert. Die Fahrzeuge seien für eine Reichweite von rund 450 bis 500 Kilometern ausgelegt. Hochvoltbatterien ergänzten die Energieversorgung, um Lastspitzen abzudecken und Rekuperationsenergie zu speichern. Insgesamt verfügten die Lkw des „Bayernflotte“ genannten Versuchslaufs somit über eine Antriebsleistung von 350 Kilowatt. Im Praxiseinsatz liege der Verbrauch bei etwa sieben bis acht Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer. Mit einem Radstand von 4.000 Millimetern, einem Eigengewicht von rund 11,5 Tonnen und einer auf 42 Tonnen ausgelegten Zuggesamtmasse entsprächen die Fahrzeuge den Anforderungen im schweren Verteiler- und Fernverkehr.

Konzerntochter Loadfox übernimmt im Projekt die Rolle des operativen Logistikpartners. © MAN Truck & Bus SE
MAN-Konzernmutter Traton SE, die wiederum zu 87,5 Prozent der Volkswagen AG gehört und unter ihrem Dach unter anderem Scania und Volkswagen Truck & Bus vereint, steht indes seit Jahren Brennstoffzellen-Fahrzeugen negativ gegenüber und hatte schon 2022 ausführlich die Vorteile von batterieelektrischen Fahrzeugen erklärt – und dass Brennstoffzellen in der Mobilität keine Zukunft hätten. „Das gängige Meinungsbild wurde von Studien geprägt, die häufig im Auftrag der Wasserstoffwirtschaft erstellt wurden oder aufgrund veralteter Annahmen das Potenzial der Batterie unterschätzen“, hieß es seinerzeit.
8,2 Millionen Euro Fördermittel für Bayern-Trucks
Eine MAN-Pressemitteilung zu den Bayern-Trucks klingt denn auch alles andere als enthusiastisch und lobt sogar batterieelektrische Nutzfahrzeuge als „dominierenden Technologie im Straßengütertransport“, da sie in punkto Energieeffizienz, Betriebskosten und Reduzierungspotenzial von Treibhausgasen allen anderen Antriebstechnologien überlegen seien. Echtes Interesse klingt da nicht durch.
Technologien wie die in einer Kleinserie bereits eingeführte „MAN hTGX“ mit Wasserstoffverbrennungsmotoren oder in Zukunft mit Brennstoffzellen spielten „eine wichtige ergänzende Rolle in spezifischen Anwendungen“, etwa bei Langstrecken oder in Regionen mit unzureichender Ladeinfrastruktur, heißt es eher pflichtbewusst: Denn das „Bayernflotte“-Projekt wurde vom Bayerischen Wirtschaftsministerium mit 8,2 Millionen Euro gefördert, da muss man schließlich liefern. Die Mittel überreichten im Februar 2022 Ministerpräsident Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Nur wenige Monate später, im August 2022, verkündete Traton in einer „Faktencheck“ genannten Einschätzung sein Bekenntnis zur Batterie statt zur Brennstoffzelle.
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Drei „Bayernflotte“-Brennstoffzellen-Lkw gehen in die Straßenerprobung bei Loadfox. © MAN Truck & Bus SE



