(Toulouse / Frankreich) – Der französische Flugzeughersteller Beyond Aero hat die Preliminary Design Review (PDR) seines geplanten wasserstoffelektrischen Geschäftsjets abgeschlossen. Damit sei die Machbarkeit der Integration von Wasserstoffspeicherung, elektrischem Antrieb, Wärmemanagement, Brennstoffzellensystem und Sicherheitssystemen in eine zertifizierte Flugzeugarchitektur bestätigt. Im nächsten Schritt gehe es in die detaillierte Planung des Designs.

Draufsicht: Der gasförmige Wasserstoff wird in Tanks über der Flügelstruktur gespeichert. © Beyond Aero
Bei der Maschine mit zwei Propellern werde der gasförmige Wasserstoff mit 700 bar in Tanks über der Flügelstruktur gespeichert. Damit vermeide man die „zusätzliche Komplexität der kryogenen Flüssigkeitslagerung“. Die Konfiguration ermögliche eine natürliche Belüftung und die Kompatibilität mit bestehenden und aufkommenden Flughafenbetankungsinfrastrukturen. Die vorläufige Designstudie bestätige, dass die Hauptsysteme – Antrieb, Wasserstoffspeicherung, Aerodynamik und Avionik – den erforderlichen Reifegrad für eine Zertifizierung erreicht haben.

Rendering Betankung: Beyond Aero entwickelt parallel zum Fugzeugdesign eine Wasserstoffversorgungsinfrastruktur am Boden. © Beyond Aero
„Unser Ziel ist ein neues Geschäftsflugzeug, das auf den wasserstoffelektrischen Antrieb zugeschnitten ist und dabei die Leistungs-, Sicherheits- und Betriebsstandards erfüllt, die in der Luftfahrt erwartet werden“, sagt Luiz Oliveira, Chefingenieur bei Beyond Aero. Das Programm sieht den Bau eines Jets für sechs Passagiere und mit einer Reichweite von 800 nautischen Meilen (1.500 Kilometer) vor. Das Flugzeug ist für den Betrieb sowohl mit stationären 700-Bar-Systemen als auch für mobile Betankung mit 350 bar konstruiert. Parallel entwickelt das im Dezember 2020 gegründete Unternehmen die Infrastruktur zur Wasserstoffversorgung. Man habe mehr als zehn Absichtserklärungen mit Flughafenbetreibern und über 16 mit Wasserstoffproduktions- und Vertriebspartnern unterzeichnet.

Universal Hydrogen hatte 2023 in Moses Lake erste Testflüge mit einer brennstoffzellenbetriebenen Dash-8 absolviert. Bald darauf ging das Geld aus. Beyond Aero hatte 2025 Komponenten und Patente aus der Insolvenzmasse herausgekauft. © Universal Hydrogen Co.
Beyond Aero hatte 2024 Frankreichs ersten bemannten, vollständig wasserstoffelektrischen Flug mit einem 85 Kilowatt leistenden umgebauten Ultraleichtflugzeug (G1 SPYL-XL) absolviert und nach dem Luftfahrtpionier Louis Blériot benannt, der 1909 mit einem Flieger erstmals den Ärmelkanal von Frankreich nach England überquerte. Im Herbst vergangenen Jahres kaufte Beyond Aero von Universal Hydrogen Co. sämtliche Patente und Daten sowie einige Komponenten. Das US-Unternehmen wollte in großem Stil Maschinen aus bestehenden Flotten auf Wasserstoffantrieb umrüsten. Erste Testflüge hatte man bereits absolviert (wir berichteten mehrfach). Doch dann ging das Geld aus und die Firma meldete Insolvenz an.
Beyond Aero beschäftigt in Toulouse, Paris und Los Angeles mehr als 80 Luft- und Raumfahrtingenieure. Unterstützung kommt von Industriepartnern wie EKPO, FEV, AVL, Aeronnova, TAT Technologies, Airbus Protect und Bureau Veritas. Zu den Investoren gehören Giant Ventures, Bpifrance, Initialized Capital, Female Founders Fund und 7 Percent Ventures.
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Beyond Aero hat die Vorstudien für einen wasserstoffelektrischen Geschäftsjets abgeschlossen und geht nun in die erweiterte Design-Planung. © Beyond Aero



