(Dünkirchen / Frankreich) – Ein Konsortium aus Technip Energies, Airbus, Safran und Tereos will im Hafen von Dünkirchen, Frankreich, eine großtechnische Anlage zur Herstellung von nachhaltigem Flugzeugtreibstoff (Sustainable Aviation Fuel, eSAF) entwickeln. Das „Rebound“ genannten Joint Venture hat den Angaben zufolge eine Jahreskapazität von 160.000 Tonnen.
Unter den verfügbaren Produktionswegen entwickele sich „Alcohol-to-Jet“ zu einer skalierbaren und kostengünstigen Option, die Ethanol, das aus landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Rückständen hergestellt werde, in Drop-in-Flugkraftstoff umwandele, der mit herkömmlichem Kerosin gemischt und in bestehenden Motoren und Flugzeugen verwendet werden könne.

Grafische Darstellung des Vorhabens von Rebound im Hafen von Dünkirchen. © Technip Energies
Laut Vereinbarung verpflichten sich die Unternehmen zur Finanzierung der Entwicklungsphase und technischer Studien, die für eine endgültige Investitionsentscheidung (FID) erforderlich sind. In der Projektentwicklungsphase fungiere Technip Energies als leitender Entwickler und Ingenieurdienstleister. Das Unternehmen habe im Hafen von Dünkirchen bereits ein logistisch für Rohstofftransport und Produktion geeignetes Industriegelände für Rebound gesichert. Der Entwicklungsprozess umfasse die Auswahl des Technologie-Lizenznehmers, Genehmigungen, den Start von Pre-FEED (Front-End Engineering Design) und FEED-Aktivitäten, die Rohstoffversorgung und SAF-Emissionsvereinbarungen sowie die Sicherung der Finanzierung für den Bau
Start in der zweiten Jahreshälfte
Airbus und Safran schließen sich als Industriepartner und Abnehmer an. Tereos, eine französische landwirtschaftliche Genossenschaft, werde das Ethanol beschaffen und liefern. Die vier Partner deckten die gesamte Wertschöpfungskette von der Rohstoffversorgung bis zur Endnutzung in der Luftfahrt ab. Die Gründung des Joint Ventures solle in der zweiten Jahreshälfte unter Dach und Fach sein.
E-SAF gilt weithin als der wichtigste Hebel zur Dekarbonisierung der Luftfahrt. Nach einer EU-Verordnung muss dessen Anteil am Flugtreibstoff bis 2050 auf 70 Prozent steigen. Aktuell gilt eine Quote von zwei Prozent, 2030 sind es sechs Prozent. Nach Berechnungen von CENA, dem Luftverkehr-Kompetenzzentrum für Klima- und Lärmschutz der Hessen Trade & Invest GmbH, sind für das Jahr 2030 in der EU bisher weniger als 0,5 Millionen Tonnen SAF durch Abnahmevereinbarungen gesichert – deutlich zu wenig, um die für 2030 vorgeschriebene SAF-Quote von 3,1 Millionen Tonnen zu erfüllen, so die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des hessischen Wirtschaftsministeriums.

Der CENA SAF-Outlook bis 2030. © CENA / Hessen Trade & Invest GmbH
Der Großteil der vereinbarten SAF-Abnahmemengen beziehe sich auf Bio-SAF, während verbindliche Verträge für eSAF bislang kaum existierten. Dies sei auch auf die hohen Herstellungskosten zurückzuführen: Eine Tonne zu produzieren koste rund 7.695 Euro – fast zehnmal so viel wie der Preis einer Tonne fossilen Kerosins, so die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA). Zu den größten Abnehmern von SAF in Europa gehörten demnach Air France-KLM, die DHL Group und die International Airlines Group (IAG). Sie tankten im Jahr 2023 jeweils zwischen 50.000 und 90.000 Tonnen. Der Anteil von SAF am gesamten Treibstoffverbrauch der Airlines habe bei 3,27 Prozent bei der DHL Group, 1,12 Prozent bei Air France-KLM und 0,65 Prozent bei IAG gelegen.
Den „CENA SAF-Outlook 2025-2030 – Mengen, Methoden und Märkte für nachhaltige Flugtreibstoffe“ gibt es kostenfrei als PDF (32 Seiten).
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E-SAF gilt als der wichtigste Hebel zur Dekarbonisierung der Luftfahrt. Nach einer EU-Verordnung muss dessen Anteil am Flugtreibstoff bis 2050 auf 70 Prozent steigen. © Fraport AG Frankfurt Airport Services



