(Brüssel / Belgien) – Europäische Hersteller von Elektrolyseanlagen wollen Europas globale Führungsrolle im Bereich sauberer Wasserstofftechnologien sichern. Zu den Gründungsmitgliedern der Initiative „Electrolysers for Europe“ (E4E) gehören Nel ASA (Norwegen), ITM Power (England), John Cockerill Hydrogen SAS (Belgien), Sunfire SE (Deutschland), Thyssenkrupp Nucera AG (Deutschland) und Topsoe A/S (Dänemark). 

Das Funktionierende nicht immer wieder neu erfinden: Führende Hersteller von Wasserstoffequipment fordern Mechanismen, die Projekte in großem Umfang freischalten. © E4E

Zentrale Ziele der neuen Kooperation sind die Beschleunigung der Produktionserweiterung und damit einhergehend die Projektrealisierung in der EU. In den vergangenen vier Jahren habe Europas Elektrolyseurindustrie ihre jährliche Produktionskapazität von etwa einem Gigawatt auf mehr als zehn Gigawatt ausgebaut, was etwa 30 Prozent der weltweiten Kapazität ausmache. Die Führungskräfte betonten, dass „die industrielle Einsatzbereitschaft nicht mehr infrage“ stehe. Heute sei Europa weltweit führend bei Elektrolyseuren. Doch der globale Wettbewerb sei „intensiv“. 

EU muss seine Lieferketten schützen

„Es ist an der Zeit, den Gang zu wechseln und die industrielle Nachfrage mit klaren politischen Signalen und Planungssicherheit zu beschleunigen“, sagt Dennis Schulz, CEO von ITM Power. „Europa muss Energie im Hinblick auf Souveränität und Resilienz neu denken und seine eigene Industrie und Lieferketten für kritische saubere Energieanlagen aufbauen und schützen.“ Trotz rascher Produktionsausweitung seien derzeit weniger als ein Gigawatt Elektrolysekapazität in der EU installiert, während die Gesetzgebung mindestens 25 Gigawatt bis 2030 vorsehe. Die Branchenführer betonten, dass der Engpass nicht in der Technologie liege, „sondern in der Marktschaffung und -sicherheit“.

Fortschritt beschleunigen

„Europa verfügt über die Expertise – nun muss es die Voraussetzungen für Maßnahmen schaffen, indem es bestehende Richtlinien durchsetzt und Flexibilität schafft, wo Einschränkungen den Fortschritt verlangsamen“, sagt Nicolas de Coignac, CEO von John Cockerill Hydrogen. Europa solle auf der bereits bestehenden regulatorischen Grundlage aufbauen, vermeiden, das Funktionierende neu zu erfinden, und klare Meilensteine setzen, um sowohl Markt als auch Nachfrage zu fördern.

Wertschöpfung in Europa sichern

„Europa muss die technologische Führungsrolle bei Elektrolyseuren behalten und aus den Lehren der Vergangenheit lernen“, sagt Håkon Volldal, CEO von Nel Hydrogen. Dies erfordere eine robuste europäische Industriepolitik, die die Entwicklung einer widerstandsfähigen Wertschöpfungskette unterstützt, die äußeren Schocks standhalten kann, und sicherstellt, dass europäisch finanzierte Projekte die Wertschöpfung in Europa unterstützen.“

Klare Signale sind unerlässlich

„Stabile regulatorische Rahmenbedingungen und klare Nachfragesignale sind unerlässlich, wenn Europa seine Führungsrolle behalten und langfristige Investitionen anziehen will“, sagt auch Lydia Sandhowe, Senior Director Strategy and M&A bei Thyssenkrupp Nucera. Europa habe zwar eine starke industrielle Basis in der Elektrolyse geschaffen. Doch der globale Wettbewerb nehme zu.

Manifest fordert „Made-in-Europe“-Kriterien

In einem von den Geschäftsführern und leitenden Führungskräften in Brüssel vorgestellten Manifest fordert E4E „eine kohärente und zeitnahe Umsetzung der EU-Gesetzgebung, praktikable Wasserstoffdefinitionen, optimierte und effektive Finanzierungsinstrumente sowie nachfrageorientierte Mechanismen, die Projekte in großem Umfang freischalten“. Es unterstreicht auch die Bedeutung klarer „Made-in-Europe“-Kriterien, die den europäischen industriellen Wert belohnen und widerstandsfähige Lieferketten stärken.

Laut Branchenschätzungen könnte der großflächige Einsatz von Elektrolyseuren bis zu 200 Milliarden Euro an Exportwert erschließen und rund eine Million direkte Arbeitsplätze in der Wasserstoffwertschöpfungskette unterstützen.

Das „Manifesto. Made in Europe for the world – Built for resilience“ der neuen Hersteller-Allianz Electrolysers for Europe gibt es kostenfrei als PDF (13 Seiten).

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Führungskräfte der europäischen Elektrolyseurindustrie mit EU-Entscheidungsträgern beim Start der Koalition in Brüssel. © E4E