(Nyeri / Kenia) – Die Nyeri Hill Farm in Kenia will künftig jährlich knapp 60 Tonnen Ammoniak produzieren. Dieser ist für den direkten Einsatz als Stickstoffdünger vorgesehen. „Wir möchten ein Beispiel für afrikanische Agrarbetriebe geben, die eine verlässliche Versorgung mit CO2-armem Dünger sichern und ihre Kosten besser kalkulieren wollen“, sagt Boniface Mwangi, Finanzmanager und Leiter des Projekts.

Der bei der Herstellung von Wasserstoff und Ammoniak als Nebenprodukt anfallende Sauerstoff soll im nahe gelegenen Krankenhaus genutzt werden. © Nyeri Hill Farm
Die aktuelle Planung sieht den Einsatz eines AEM-Elektrolyseurs mit einer Leistung von 220 Kilowatt der Enapter GmbH vor. „Dieses Projekt markiert unseren Einstieg in den kenianischen Markt“, sagt Mitgründer Jan-Justus. Das 550 Kilowatt leistende PV-System für die Wasserstoffproduktion plant, liefert und installiert die Soventix GmbH über ihre Tochter Soventix East Africa. Als Generalunternehmer für die Systemintegration soll PT MBR Global Indonesia fungieren.

PEP-Team Kenia und Mitarbeiter der Nyeri Hill Farm. © Nyeri Hill Farm
Die Nyeri Hill Farm liegt auf 1.700 bis 2.000 Metern Höhe zwischen dem Mount Kenya und der Aberdare Range, etwa drei Autostunden nördlich von Nairobi. Sie ist den Angaben zufolge eine der ältesten und mit rund 1.200 Hektar größten Kaffeeplantagen des Landes, baut außerdem Tee an, betreibt Viehzucht, Gartenbau und Forstwirtschaft. Sie wurde 1904 von Missionaren gegründet und gehört zur katholischen Erzdiözese Nyeri. Die Erträge unterstützen die soziale Arbeit der Kirche, darunter Schulen, Ausbildungsstätten und ein Krankenhaus nahe der Plantage.
Unterstützung von der GIZ
Ermöglicht wird das Vorhaben mit Hilfe des Projektentwicklungsprogramms (PEP) für Schwellen- und Entwicklungsländer der Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH. „Ohne das PEP-Team hätten wir diesen Schritt nicht gewagt“, sagt Boniface Mwangi. „Besonders bei der Finanzierung war die Unterstützung entscheidend und hat den erfolgreichen Förderantrag möglich gemacht.“ Die GIZ hatte in der Frühphase mehrere Unternehmen eingeladen, Kooperationsmöglichkeiten zu prüfen, unter anderem im Rahmen einer Geschäftsreise der AHK Kenia.
PEP stellte eigenen Angaben zufolge den Kontakt zu potenziellen Finanzierern her sowie zu GET.invest. Das europäische Programm zur Mobilisierung von Investitionen in saubere Energie in Entwicklungsländern wird kofinanziert von der Europäischen Union, Deutschland, Norwegen, den Niederlanden, Schweden und Österreich. Finanzmittel in nicht genannter Höhe stammen auch aus dem Programm „Accelerate-to-Demonstrate“ (A2D) der Organisation für industrielle Entwicklung (UNIDO) der Vereinten Nationen, ergänzt durch ein zinsgünstiges Darlehen des deutschen Investors Starkmacher Impact GmbH.
Düngemittelbedarf von 5 Millionen Tonnen
Der afrikanische Agrarsektor biete erhebliches Wachstumspotenzial: Rund 60 Prozent der Bevölkerung seien in der Landwirtschaft tätig, der jährliche Düngemittelbedarf liege bei etwa fünf Millionen Tonnen. Viele Agrarunternehmen seien stark von Importen abhängig – mit schwankender Verfügbarkeit und volatilen Preisen. Lokale Ammoniakproduktion erhöhe die Versorgungssicherheit und reduziere die Treibhausgasemissionen um rund 90 Prozent, so die GIZ.
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Die Nyeri Hill Farm ist eine der größten Kaffeeplantagen Kenias und produziert künftig aus Wasserstoff selber Ammoniak als Dünger. © Nyeri Hill Farm



