Deutschland: Lanxess ersetzt für chemischen Prozess Erdgas durch Wasserstoff +++ Australien: Sparc Hydrogen und Sun Hydrogen testen Herstellung von Wasserstoff aus Sonnenlicht +++ Deutschland: Baufortschritt beim 100-MW-Projekt von BP in Lingen +++ USA: University of Illinois und GenH2 treiben die Forschung bei flüssigem Wasserstoff für Luftfahrt voran +++ Kolumbien: Zertifizierung von grünem Wasserstoff +++ Niederlande: EU genehmigt 780 Millionen Euro zur Erzeugung von erneuerbarem Wasserstoff +++ Deutschland: PTJ koordiniert weiterhin die H2-Projektförderungen der Bundesregierung

Eine Auswahl von PtX-Themen zum Wochenabschluss zusammengefasst

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Gelbpigment-Produktion von Lanxess in Krefeld. © Lanxess Deutschland GmbH

(Deutschland) Der Spezialchemie-Konzern Lanxess Deutschland GmbH nutzt am Standort Krefeld-Uerdingen künftig Wasserstoff anstelle von Erdgas für die Trocknung von Eisenoxidpigmenten. Der Sprühtrockner sei „eine der ersten großtechnischen Industrieanlagen in Deutschland“, die Wasserstoff im Dauerbetrieb als Brennstoff einsetze, so das Unternehmen, das damit seinen CO2-Fußabdruck um rund 6.000 Tonnen pro Jahr reduziere. Der Wasserstoff sei ein Nebenprodukt der Chlorelektrolyse im benachbarten Betrieb des Werkstoffherstellers Covestro AG, hervorgegangen aus der ehemaligen Kunststoffsparte der Bayer AG, und gelange über eine Pipeline direkt zu Lanxess. Lanxess hatte den Wasserstoffbrenner Ende 2025 installiert und seitdem schrittweise in Betrieb genommen. Die Anlage sei so ausgelegt, dass sie vollständig mit Wasserstoff betrieben werden könne. Die technische Anbindung umfasse angepasste Brenner- und Messregeltechnik sowie zusätzliche Sicherheits- und Steuerungssysteme. Lanxess gehört mit seinem Geschäftsbereich Inorganic Pigments zu den weltweit führenden Herstellern anorganischer Farbpigmente, etwa für die Bauindustrie, für Farben und Lacke, für Kunststoffe sowie für verschiedene Spezialanwendungen.

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SHARP-Pilotanlage von Sparc Hydrogen in Roseworthy, South Australia. © Sparc Hydrogen Pty. Ltd.

(Australien) Sparc Hydrogen Pty Ltd. und der US-amerikanische Entwickler solarbetriebener Systeme zur Produktion von grünem Wasserstoff Sun Hydrogen Inc. wollen in einer Pilotanlage die Herstellung von Wasserstoff erproben. Ziel ist es, die technische und wirtschaftliche Machbarkeit der Integration der photoelektrochemischen (PEC) und integrierten PV-Elektrolyse-Module (IPV-E) von Sun Hydrogen in die unter konzentriertem Sonnenlicht betriebenen Reaktoren von Sparc Hydrogen zu bewerten. Die Zusammenarbeit über einen Zeitraum von 24 Monaten umfasse zunächst Labortests, anschließend erfolgten Tests unter realen Bedingungen in Roseworthy (South Australia). Vorbehaltlich des erfolgreichen Abschlusses erhalte Sparc Hydrogen eine befristete Option, entweder einen langfristigen kommerziellen Liefervertrag oder eine Herstellungslizenz für die Module von Sun Hydrogen zur Integration in seine Reaktoren auszuhandeln. Der Unterzeichnung gingen Tests voraus, bei denen Sparc Hydrogen mittels aus Sonnenlicht produzierter Wasserstoff Wirkungsgrade von mehr als zehn Prozent erzielt hatte. Sparc Hydrogen ist ein Joint Venture von Sparc Technologies, Fortescue Ltd und der Adelaide University.

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Anlieferung der Rohrbrückenmodule in Lingen. © BP Europa SE

(Deutschland) Am BP-Standort in Lingen sind die vormontierten Rohrbrückenmodule per Schiff aus Spanien angekommen. Sie werden künftig im Projekt „Lingen Green Hydrogen“ verschiedene Bereiche und Anlagenteile des 100-Megawatt-Elektrolyseurs miteinander verbinden. Sie sind rund 30 Meter lang und wiegen 100 Tonnen pro Modul. Mit der Anlieferung beginne „eine besonders sichtbare Phase der Bauarbeiten“ so der Konzern. In den kommenden Monaten würden weitere Großkomponenten angeliefert, montiert und mithilfe von Schwerlastkränen installiert. Aktuell werden auf dem 34.000 Quadratmeter großen Baufeld Gebäude und Infrastrukturen errichtet. In der zweiten Hälfte des kommenden Jahres wolle man erstmals grünen Wasserstoff in Lingen produzieren. Die Kapazität liege bei 11.000 Tonnen pro Jahr.

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Grafische Darstellung einer GenH2-Wasserstoffverflüssigungsanlage. © GenH2 Corp.

(USA) Die University of Illinois Urbana-Champaign und die GenH2 Corp. wollen die Forschung im Bereich flüssiger Wasserstoff für die Luftfahrt vorantreiben. Dazu werde GenH2 einen Wasserstoffverflüssiger bereitstellen, um Speicher-, Transport- und Antriebstechnologien für emissionsfreie Flugzeuge zu testen. Die Weiterentwicklung kryogener Kraftstoffsystemtechnologien zur Dekarbonisierung der Luftfahrt ist ein Schwerpunkt des „Center for Sustainable Aviation“ an der Universität. Doch hätten die Wissenschaftler – ebenso wie viele andere Universitäten – nur begrenzt Zugang zu flüssigem Wasserstoff und den Möglichkeiten, diesen zu lagern, was den Forschungsfortschritt behindere. Die Münchener Path2 Hydrogen AG hatte den US-Anbieter von Wasserstoff-Infrastrukturlösungen GenH2 Anfang 2025 gekauft. Die University of Illinois Urbana-Champaign ist der Hauptcampus der staatlichen Universität des Bundesstaates. Der Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik ist international führend in den Bereichen Luft- und Raumfahrtwissenschaften und -technik. 

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(Deutschland) Die Bundesregierung unterstützt über die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) die Entwicklung von Grundlagen für die Zertifizierung von grünem Wasserstoff in Kolumbien. Zu den Partnern gehören insbesondere das kolumbianische Ministerium für Bergbau und Energie, das Umweltministerium sowie der Netzbetreiber XM, heißt es in der Antwort (21/7218) auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion. Darüber hinaus würden weitere öffentliche und private Akteure des Wasserstoffsektors einbezogen. Die GIZ unterstütze die Entwicklung von Zertifizierungsansätzen insbesondere durch technische Beratung, Studien und Schulungen. Dabei würden neben Umweltaspekten auch soziale Standards berücksichtigt. Dazu zählten Anforderungen in den Bereichen Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen, Beteiligung und Information betroffener Interessengruppen, Schutz indigener Gemeinschaften, Umgang mit Umsiedlungen sowie soziale Folgenabschätzungen.

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EU genehmigt niederländische Beihilferegelung von 780 Millionen Euro für Wasserstoffvorhaben. © EU-Kommission

(Niederlande) Die Europäische Kommission hat Mittel in Höhe von 780 Millionen Euro der niederländischen Regierung zur Förderung der Erzeugung von erneuerbarem Wasserstoff genehmigt. Die Beihilfe wird im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens gewährt, das bis zum ersten Quartal 2027 abgeschlossen sein soll. Sie sieht einen Investitionszuschuss von bis zu 80 Prozent der Investitionskosten vor, kombiniert mit einer variablen Prämie über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren. Die Niederlande gehen davon aus, dass im Rahmen der Regelung rund 400 Megawatt Elektrolyseleistung gebaut werden und Anreize für die Produktion von bis zu 40 Kilotonnen erneuerbarem Wasserstoff pro Jahr schaffen. Bereits im Juli 2023 und Juli 2024 hatte die EU Regelungen genehmigt, die darauf abzielten, den Ausbau der Elektrolysekapazität in den Niederlanden zu unterstützen.

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Der Campus des Forschungszentrums in Jülich umfasst 1,7 Quadratkilometer. © Forschungszentrum Jülich GmbH

(Deutschland) Die Forschungszentrum Jülich GmbH („Projektträger Jülich“, PTJ) wird für das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) weiterhin die Projektförderungen der Sparte Energie- und Wasserstoffforschung betreuen. Der Auftrag wurde nach Unternehmensangaben seitens der Bundesregierung jüngst erneuert. Dies umfasse auch die Agenda der Nationalen Wasserstoffstrategie. Der PTJ begleitet den gesamten Förderprozess von der Ausgestaltung von Förderbekanntmachungen über die Beratung von Förderinteressierten sowie die Betreuung der Vorhaben bis hin zur Erfolgskontrolle. Darüber hinaus unterstütze man das BMFTR mit wissenschaftlichem Monitoring, strategischer Beratung und Wissenschaftskommunikation.

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iStock / © Danil Melekhin