Schweden: Volvo Trucks setzt auf Verbrennungsmotoren mit Wasserstoff und auf E-Mobilität +++ Deutschland: Cellcentric stellt neues Brennstoffzellensystem für schwere Lkw vor +++ Deutschland: Einfluss von PtX-Zertifizierung auf den Hochlauf des Wasserstoffexportmarktes im südlichen Afrika +++ Südkorea: Seoul ergänzt ÖPNV mit 400 Wasserstoffbussen +++ Deutschland: eFarm in Nordfriesland bekommt 1,6 Millionen Euro Fördermittel +++ Deutschland: Cottbus nimmt vier Wasserstoffbusse in Betrieb +++ Deutschland: Unis aus Augsburg und Iverness forschen gemeinsam an Wasserstoff

Eine Auswahl von PtX-Themen zum Wochenabschluss zusammengefasst

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Volvo Trucks setzt sowohl auf Verbrennungsmotoren mit Wasserstoff als auch auf E-Mobilität. © Volvo Truck

(Schweden) Volvo Trucks setzt sowohl auf Verbrennungsmotoren für mehrere erneuerbare Kraftstoffe einschließlich Wasserstoff als auch auf elektrische Antriebsstränge. Der Verbrennungsmotor spiele weiterhin eine wichtige Rolle bei Volvos Netto-Null-Ambitionen. Der Konzern führe eine neue 13-Liter-Motorplattform ein, die für Diesel und Benzin ausgelegt und außerdem in der Lage sei, erneuerbare Kraftstoffe wie Biodiesel und Biogas zu nutzen. Der nächste Schritt im Bereich Gaskraftstoff seien wasserstoffbetriebene Verbrennungsmotoren, die Volvo vor 2030 auf den Markt bringen will. Volvo hat überdies einen neuen schweren Elektro-Lkw mit einer Reichweite von bis zu 700 Kilometern vorgestellt. Er lädt seine Batterien in 50 Minuten von 20 auf 80 Prozent auf. Die Einführung beginne noch 2026. Der Verkaufsstart der neuen Verbrennungsmotoren erfolge im dritten Quartal 2026.

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Cellcentrics neues Brennstoffzellensystem BZA375 eignet sich nicht nur für Lkw, sondern auch für eine Reihe weiterer Anwendungen. © Cellcentric GmbH & Ko KG

(Deutschland) Die Cellcentric GmbH & Ko KG hat ein neues Brennstoffzellensystem mit der Bezeichnung „BZA375“ für Schwerlast-Lkw vorgestellt. Es liefere bis zu 375 Kilowatt (500 PS) konstante Leistung. Der Kraftstoffverbrauch liege 20 Prozent niedriger im Vergleich zum bisherigen BZA150-System, wodurch ein voll beladener 40-Tonner unter realen Fahrbedingungen mit weniger als sechs Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer auskomme. Eine Reduzierung der Komponenten und Schnittstellen führe zu einer 40 Prozent geringeren Komplexität, das Gewicht betrage 500 Kilogramm, die Lebensdauer 25.000 Stunden (etwa zehn Jahre). Dies sei vergleichbar mit konventioneller Dieseltechnologie. Erste Prototypen stünden Kunden von Cellcentric für eigene Tests zur Verfügung. Die Serienproduktion werde „für das Ende des Jahrzehnts“ vorbereitet. Konzipiert für den Langstrecken-Fernverkehr, eigne sich der Antrieb auch für weitere Anwendungen wie Reisebus, stationäre Energieerzeugung, Schienenverkehr und Bergbau. Cellcentric ist ein Joint Venture von Daimler Truck AG und Volvo Group. In Kürze dürfte auch Toyota dazustoßen.

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Das Whitepaper entstand in Zusammenarbeit von neun Fraunhofer-Instituten. © Fraunhofer IEE

(Deutschland) Entwickler von im Süden Afrikas installierten PtX‑Produktionsanlagen sollten sich frühzeitig auf einen Zielmarkt für Exporte festlegen, um Anlagen wirtschaftlich konzipieren zu können. Dies wirke sich unmittelbar auf das Systemdesign sowie auf Investitions- und Betriebskosten aus. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungskonsortium von neun Fraunhofer‑Instituten, das politische, rechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen für PtX‑Exporte aus der SADC‑Region untersucht hat. Die Southern African Development Community (SADC) ist eine aus 16 Staaten bestehende regionale Wirtschaftsgemeinschaft im südlichen Afrika mit Sitz in Gaborone (Botswana). Analysiert wurde unter anderem der Einfluss von Power‑to‑X‑Zertifizierungsanforderungen auf den Markthochlauf von Wasserstoff und synthetischen Energieträgern. Sie beeinflussten „maßgeblich, ob und unter welchen Bedingungen PtX‑Produkte Zugang zu internationalen Märkten“ erhielten. Analysiert werden vier potenzielle Importregionen – die Europäische Union, das Vereinigte Königreich, Südkorea und Japan – mit Blick auf ihre jeweiligen Zertifizierungsschemata, rechtlichen Anforderungen und Marktanreizmechanismen. Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist, dass sich die Nachhaltigkeitskriterien in den untersuchten Importregionen deutlich unterscheiden und in der EU am striktesten und detailliertesten ausgestaltet sind. Das Whitepaper „Navigating PtX Certification Challenges: Qualitative Assessment of Sustainability Requirements and Cost Dynamics for Exports from the SADC‑Region“ gibt es kostenfreie als PDF (48 Seiten).

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Die Unternehmensspitzen von fünf Konzernen vereinbarten den Einsatz von vorerst 400 Wasserstoffbussen im Seouler Linienbetrieb. © Hyundai Motor Company

(Südkorea) Die Hyundai Motor Company, Dowon Transportation, Samhwan Transportation, Sewoon Industry und Hyundai Motor Securities wollen gemeinsam die Versorgung mit wasserstoffbetriebenen Stadtbussen in der Metropolregion Seoul beschleunigen. Der Vereinbarung zufolge sollen die Wasserstoffladeinfrastrukturen ausgeweitet, innerhalb von fünf Jahren 400 Wasserstoffbusse im städtischen Linienverkehr eingesetzt und vorhandene CNG-Ladestationen für Wasserstoff umgerüstet werden. Die Busse mit einem 180-Kilowatt Brennstoffzellensystem werde Hyundai Motor liefern. Sie würden von Lithium-Ionen-Batterien mit einer Kapazität von 78,4 Kilowattstunden unterstützt. Die Reichweite betrage 751 Kilometer.

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Der Elektrolyseur in Bosbüll wird mit Fördermitteln auf zwei Megawatt erweitert (v.l.):Staatssekretär Joschka Knuth übergibt den Förderbescheid des Landes an André Steinau, Geschäftsführer der eFarming GmbH & Co. KG. © GP Joule

(Deutschland) Die Betreibergesellschaft des von GP Joule initiierten Wasserstoffökosystems eFarm Nordfriesland erhält für den Ausbau der Elektrolyse in Bosbüll Fördermittel in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro. Bei der eFarm wird regional erzeugter Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen genutzt, um daraus vor Ort grünen Wasserstoff zu gewinnen, zu speichern und an zwei Tankstellen in Husum und Niebüll zu liefern. Gefördert wird die Erweiterung des eFarm-Produktionsstandorts auf zwei Megawatt. Der Elektrolyseur stammt vom spanischen Hersteller H2B2. Die Abwärme wird für das Wärmenetz der Gemeinde genutzt. Ab Sommer 2026 könnte über eine Tonne grüner Wasserstoff pro Tag erzeugt werden, ausreichend für mehr als 30 Busbetankungen. Damit steige auch die Zahl der bisher im Nahverkehr von Schleswig-Holstein genutzten Busse von zwei auf zwölf. Betreiber sind die DB-Tochter Autokraft GmbH sowie der Transdev-Tochter Rohde Verkehrsbetriebe GmbH. An der eFarming GmbH & Co. KG sind 18 Firmen und Gesellschafter beteiligt.

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Cottbus nimmt vier Wasserstoffbusse in den Linienbetrieb. © Cottbusverkehr GmbH

(Deutschland) Die Cottbusverkehr GmbH hat vier Wasserstoffbusse in den regulären Linienverkehr geschickt. Ziel ist es, Erkenntnisse über das Verhalten der Fahrzeuge im Linienalltag sowie über betriebliche Abläufe zu gewinnen. Im Fokus stehen dabei insbesondere Reichweite, Betankungsprozesse, Einsatzplanung sowie das Zusammenspiel von Fahrzeug, Infrastruktur und Fahrpersonal. Voraussetzung für den Start des Testbetriebs war die Inbetriebnahme einer mobilen Wasserstofftankstelle Anfang April auf dem Betriebsgelände von Cottbusverkehr. Diese Übergangslösung stelle die Versorgung der Fahrzeuge sicher, bis die derzeit im Bau befindliche stationäre Wasserstofftankstelle gegen Ende dieses Jahres in Betrieb genommen werden könne, so das Unternehmen. Bereits im Vorfeld seien umfassende Einweisungs- und Schulungsfahrten mit den Fahrern durchgeführt worden.

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Von links: Sabine Doering-Manteuffel (Präsidentin Universität Augsburg), Christopher O’Neil (Präsident University of the Highlands and the Islands), Richard Weihrich (MRM, Universität Augsburg) © Universität Augsburg

(Deutschland) Die Technische Hochschule Augsburg, die Universität Augsburg und die University of the Highlands and Islands aus Inverness in Schottland (UHI) wollen gemeinsam daran arbeiten, aus überschüssiger Energie und Wasserstoff resiliente, europäische Energiesysteme aufzubauen. Der Fokus liegt auf erneuerbaren Energien, Wasserstofftechnologien, nachhaltigen Materialsystemen und Lebenszyklusanalysen.„Inverness und Augsburg passen bei diesem Thema hervorragend zusammen“, sagt Richard Weihrich, Sprecher des Arbeitskreises Wasserstoff. „In Schottland gibt es grüne Energie im Überschuss und folgerichtig wird Wind- und Gezeitenenergie dort stark ausgebaut. Wir wiederum haben Technologie und Know-how zur Gewinnung, Speicherung, Nutzung und Systemintegration von Wasserstoff.“

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iStock / © Danil Melekhin