Elfenbeinküste: AfDB schreibt Finanzmittel für grüne Wasserstoffprojekte in Afrika aus +++ Niederlande: Gasunie und Fluxys entwickeln Wasserstoffverbindung zwischen den Niederlanden und Belgien +++ Belgien: Sieben neue Mitglieder beim Hydrogen Council +++ Deutschland: Bayern hat großes geologisches Potenzial zur Speicherung von Wasserstoff +++ Österreich: Villach bekommt Elektrolyseur für ÖPNV +++ Spanien: Enagás startet in Aragon öffentliche Beteiligung am Hydrogen Backbone +++ Deutschland: Freudenberg hat Brennstoffzellen-Geschäftsbereich aufgelöst +++ Österreich: Wasserstoffpartnerschaft mit Algerien +++ Deutschland: ZSW präsentiert Konzept für 500-kW-PEM-Brennstoffzellen-Stack für Schiffe

Eine Auswahl von PtX-Themen zum Wochenabschluss zusammengefasst

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Zentrale der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) in Abidjan, Elfenbeinküste. © AfDB

(Elfenbeinküste) Die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) hat eine Ausschreibung für Unternehmen veröffentlicht, die auf dem Kontinent Projekte im Bereich grüner Wasserstoff und dessen Derivate entwickeln. Geldgeber ist der AfDB-Fonds für nachhaltige Energie in Afrika (SEFA), der von gut einem Dutzend Staaten gestützt wird. Das „SEFA Africa Green Hydrogen Programme“ (AGHP) stellt Finanzierungen von bis zu 20 Millionen Dollar für drei bis fünf Projekte bereit. Die Förderung erfolgt in der Regel durch rückzahlbare Zuschüsse für Beratungsleistungen, die dazu beitragen, Fortschritte in Richtung der endgültigen Investitionsentscheidung zu erzielen, beispielsweise für Machbarkeitsstudien, technische Planung, Vorbereitung der Beschaffung sowie Bau- und Beratungsleistungen. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 11. Mai 2026. Bewerbungen können über die SEFA-Website eingereicht werden.

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Ben De Waele (Direktor von Fluxys Hydrogen) und Helmie Botter (Direktorin für Wasserstofftransport bei Gasunie). © Gasunie

(Niederlande) Die niederländische Gasunie-Tochter Hynetwork und der belgische Netzbetreiber Fluxys Hydrogen haben eine Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung einer grenzüberschreitenden Wasserstoffanbindung zwischen den Niederlanden und Belgien unterzeichnet. Diese solle „soweit möglich“ unter Nutzung von für den Wasserstofftransport umgerüsteten Erdgasleitungen gebaut werden und bis 2030 in Betrieb gehen. Der Grenzpunkt bei Zandvliet, zwischen der niederländischen Provinz Zeeland und der belgischen Provinz Antwerpen, werde als erster strategischer bidirektionaler Knotenpunkt in Betracht gezogen, der wichtige Import- und Produktionsstandorte mit Industrieclustern verbinde, darunter den Hafen von Rotterdam in den Niederlanden sowie die Häfen von Antwerpen und Gent in Belgien.

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Der internationale Wasserstoffrat hat sieben neue Mitglieder. © Hydrogen Council (Screenshot)

(Belgien) Der Hydrogen Council, eine CEO-geführte globale Allianz, verkündet einen Zuwachs von gleich sieben neuen Mitgliedern. Die Andritz AG (Österreich) bietet integrierte P2X-Lösungen für die Produktion von erneuerbarem Wasserstoff, E-Methanol und E-Ammoniak. Der Ferngasnetzbetreiber Enagás SA (Spanien) konzentriert sich derzeit mit der H2Med-Pipeline auf die Entwicklung einer Wasserstoffinfrastruktur in Spanien und Europa sowie auf das iberische Wasserstoffnetz (Hydrogen Backbone). HD Korea Shipbuilding & Offshore Engineering (Korea) betreut ein breites Portfolio mit Schiffbau, Offshore-Engineering, Schiffsmotoren und Dekarbonisierungstechnologien, darunter über die Tochter HD Hydrogen die Kommerzialisierung von Technologien wie SOFC (Solid Oxide Fuel Cell) und SOEC (Solid Oxide Electrolyse Cell). Intelligent Energy Ltd. (Großbritannien) baut Brennstoffzellenaggregate für Sektoren wie Automobil, Luft- und Raumfahrt, Energieerzeugung, Telekommunikation, Schifffahrt und Schiene. ITM Power plc (Großbritannien) spezialisiert sich auf die Entwicklung, Herstellung und Integration von Elektrolyseuren. Die Infrastructure Division der Keppel Group (Singapur) bietet und betreibt Dekarbonisierungslösungen im Bereich Wasserstoff und seiner Derivate, und entwickelt unter anderm Singapurs wasserstoffkompatibles Kraft-Wärme-Kopplungskraftwerk auf Jurong Island. Der Chemiekonzern Lotte Chemical Ltd. (Korea) baut und investiert in Infrastruktur für die Produktion, Verteilung und Nutzung von sauberem Wasserstoff. Der Wasserstoffrat hat damit rund 150 Mitglieder.

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Die TU München untersucht das bayerische Potenzial zur Speicherung von Wasserstoff. © TU München

(Deutschland) In Bayern könnte das Potenzial zur geologischen Speicherung von Wasserstoff bei 12,6 bis 25,2 Terawattstunden (TWh) liegen. Dies geht aus einem Zwischenbericht der TU München zur Studie „SpeicherCHeck“ hervor. Besonders geeignet seien demnach bestehende Erdgas-Porenspeicher im Alpenvorland, also unterirdische Speicher in natürlichen porösen Gesteinsschichten, die bislang genutzt wurden, um überschüssiges Erdgas zwischenzulagern und bei Bedarf wieder ins Netz einzuspeisen. Somit ließe sich das in norddeutschen Salzkavernen vorhandene Speicherpotenzial von etwa 33 TWh ergänzen. Die vom bayerischen Wirtschaftsministerium beauftragte Studie der Technischen Universität München (TUM) in Kooperation mit der Montanuniversität Leoben (MUL) soll herausfinden, ob es in Bayern potenzielle geologische Formationen gibt, die für eine sichere Lagerung geeignet sind. Im Fokus stehen dabei ehemalige Öl- und Gaslagerstätten sowie aktive Erdgas-Porenspeicher. Das Projekt läuft bis 2027. Den „SpeicherCHeck“-Zwischenbericht gibt es kostenfrei als PDF (24 Seiten). 

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Eröffnung der Kelag-Wasserstoffanlage (rechts im Hintergrund) mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft am Standort der Kärntner Restmüllverwertungs GmbH (KRV). © Kelag AG

(Österreich) Der Energieversorger Kelag AG hat in Arnoldstein eine Elektrolyseanlage zur Produktion von grünem Wasserstoff eröffnet. Der Spatenstich erfolgte vor knapp einem Jahr. Die Anlage kann 140 Tonnen Wasserstoff täglich erzeugen, damit könnten die 36 Busse mit einer täglichen Reichweite von bis zu 500 Kilometern im Regionalverkehr von Villach versorgt werden. Geplant ist ein Ausbau auf 400 Tonnen. Mit einer Leistung von bis zu drei Megawatt erzeugt die Anlage ab Mai 2026 emissionsfreien Wasserstoff. Von dieser insgesamt verfügbaren Leistung werde ein Megawatt direkt für die Versorgung der neuen Postbus-Flotte eingesetzt, während die verbleibenden zwei Megawatt zur Versorgungssicherheit sowie für zukünftige weitere Anwendungen im Mobilitäts- und Industriesektor bereitstehen. Für den Aufbau der Anlage und der dazugehörigen Infrastruktur hat die Kelag rund 16 Millionen Euro investiert. „Zwei parallele Erzeugungslinien sichern die kontinuierliche Produktion und gewährleisten eine zuverlässige Lieferung“, sagt Kelag‑Vorstand Reinhard Draxler.

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Enagás-CEO Arturo Gonzalo und Energy Transition Manager Natalia Latorre haben der Regierung der Autonomen Gemeinschaft Aragon die Pläne für das Beteiligungsverfahren für den Hydrogen Backbone vorgestellt. © Enagás SA

(Spanien) Der Ferngasnetzbetreiber Enagás hat in der nordspanischen Autonomen Region Aragon die öffentlichen Konsultationen (PCPP, Conceptual Public Participation Plan) für das spanische Wasserstoffnetz „Hydrogen Backbone“ gestartet. Die Infrastruktur erstrecke sich als Teil der Ebrotal-Achse über 191 Kilometer in 28 Gemeinden in Zaragoza und Teruel. Der Großteil des Netzes verlaufe parallel zum Erdgasnetz und werde „maßgeblich zur Förderung der Entwicklung der Gebiete innerhalb der Wasserstoffwirtschaft beitragen“. Die Öffentlichkeit, Verwaltungen, Organisationen und Verbände können bis zum 14. Mai Stellung nehmen. Insgesamt sind bis zum 29. April vor Ort acht Workshops geplant (Details auf der Enagás-Website). Innerhalb von 18 Monate werde dann ein Abschlussbericht mit den Ergebnisse des Prozesses erstellt. Im Februar war ein vergleichbares Verfahren bereits in Rioja für eine Pipeline mit 117 Kilometern Länge gestartet. Insgesamt umfassen die ersten Achsen des geplanten spanischen Wasserstoffnetzes den Ausbau von rund 2.600 Kilometern Wasserstoffinfrastruktur.

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Freudenberg steigt aus Brennstoffzellen-Geschäft aus. © Freudenberg SE

(Deutschland) Die Freudenberg SE aus Weinheim hat den Bereich e-Power Systems aufgelöst. Das Geschäft mit Batteriezellen, -modulen und -systemen sowie das Brennstoffzellensystemgeschäft würden nicht fortgeführt. Der Geschäftsbereich „Wasserstoffkomponenten“ bleibe dagegen bestehen und wurde an Freudenberg Sealing Technologies angebunden. Betroffen von der Maßnahme waren rund 600 Mitarbeiter, schwerpunktmäßig in den USA. Der Markt für Batterien und Brennstoffzellen in den USA habe sich „deutlich langsamer“ entwickelt als erwartet. „Gründe dafür sind eine schwache Nachfrage in zentralen Anwendungen, fehlende Infrastruktur – insbesondere im Wasserstoffbereich –, hohe Kosten sowie politische und regulatorische Unsicherheiten.“ Dies teilte das Unternehmen anlässlich der Präsentation seines Jahresberichts mit. Im Jahr 2025 beschäftigte die Freudenberg-Gruppe demnach rund 51.000 Mitarbeiter in rund 60 Ländern und erwirtschaftete einen Umsatz von mehr als 11,7 Milliarden Euro (minus 1,8 Prozent). Das Betriebsergebnis betrug 1,09 Milliarden Euro (minus 3,5 Prozent). Freudenberg ist unter anderem in den Bereichen Dichtungen, schwingungstechnischen Komponenten, technischen Textilien, Filter, Reinigungslösungen, Spezialchemie und medizintechnischer Produkte tätig.

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Bei der UNIDO-Konferenz in Wien sprachen Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer und der Generalsekretär des algerischen Ministeriums für Energie und erneuerbare Energien, Nabil Kafi, über Kooperationsmöglichkeiten beim Aufbau des Wasserstoff-Südkorridors. © Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus

(Österreich) Auf der jüngst in Wien absolvierten Wasserstoffkonferenz der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO) standen der Aufbau internationaler Wasserstoffkorridore, Investitionsmodelle für Produktionsregionen, Infrastruktur für Transport und Speicherung sowie der Einsatz von grünem Wasserstoff in energieintensiven Industrien im Mittelpunkt. Zudem seien Partnerschaften zwischen Europa, Afrika und dem Nahen Osten zur Sicherung langfristiger Lieferketten und zur Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit erörtert worden. Am Rande der Konferenz hätten Österreichs Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer und der Generalsekretär des algerischen Ministeriums für Energie und erneuerbare Energien, Nabil Kafi, in einem bilateralen Gespräch Kooperationsmöglichkeiten zwischen Österreich und Algerien beim Aufbau des Wasserstoff-Südkorridors eruiert. Dieser soll zukünftig Nordafrika über Italien mit Österreich und Deutschland verbinden und grünen Wasserstoff in industriellem Maßstab nach Mitteleuropa transportieren. Österreich übernehme dabei eine Schlüsselrolle als Transit- und Verteilknoten im europäischen Wasserstoffsystem und wolle sich „als Drehscheibe für grünen Wasserstoff positionieren“, sagt Hattmannsdorfer. Algerien gelte aufgrund seines hohen Potenzials für erneuerbare Energien und bestehender Energieinfrastruktur als zentraler Partner für zukünftige Wasserstoffimporte nach Europa. Der Minister könnte „im Herbst“ nach Algerien reisen, um mögliche Kooperationsprojekte auszuloten, heißt es.

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Das ZSW entwickelt ein neues Design für PEM-Brennstoffzellen-Stapel mit einer 1.300 Quadratzentimetern großen grafitischen Bipolarplatte. © ZSW / Elvira Eberhardt

(Deutschland) Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) hat eigenen Angaben zufolge einen großformatigen PEM-Brennstoffzellen-Stack entwickelt, der speziell für die Schifffahrt sowie für stationäre Anwendungen konzipiert ist. Die Bipolarplatten hätten eine aktive Fläche von über 1.300 Quadratzentimetern. Damit könnten bis 500 Kilowatt Gesamtleistung pro Stack erreicht werden. Aktuelle Stack-Designs für Pkw und Lkw lägen typischerweise bei Leistungen unter 200 Kilowatt. Für einen Schiffsantrieb mit mehreren Megawatt müssten zahlreiche Stacks kombiniert und aufwändig verschaltet werden. Das vom ZSW entwickelte Hochleistungsdesign spare Platz, Kosten und erleichtere „deutlich die Integration und zukünftige Wartung derartiger Brennstoffzellenantriebssysteme in Schiffen“, so das ZSW. „Die Tests bestätigen die Leistungsfähigkeit unseres Stacks, der Maßstäbe für die gesamte Brennstoffzellenindustrie setzt“, sagt Markus Hölzle, ZSW-Vorstandsmitglied und Leiter des Geschäftsbereichs Elektrochemische Energietechnologien in Ulm.

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iStock / © Danil Melekhin