(London / Großbritannien) – Die britische Hydrogen Energy Association (HEA) hat die Regierung des Landes zu sofortigem Handeln aufgerufen, um „weitere schädliche Verzögerungen“ bei den Auktionen für Wasserstoffprojekte und „der lang erwarteten“ Überarbeitung der Wasserstoffstrategie (Hydrogen Strategy Refresh) zu verhindern. Das derzeitige Nichtstun gefährde 17.000 Arbeitsplätze und „Milliarden an privaten Investitionen“, warnt die Organisation in einem Schreiben, das an den Energieminister Michael Shanks sowie den Industrieminister Chris McDonald und die Finanzministerin Rachel Reeves adressiert ist. Die „anhaltende Unsicherheit“ untergrabe bereits das Vertrauen in Investitionsentscheidungen.

Emma Guthrie, Geschäftsführerin der Hydrogen Energy Association (links) mit Energieminister Michael Shanks bei der Vorstellung des Reports „Hydrogen Strategie“. © HEA
Die HEA fordert die sofortige Veröffentlichung der Projektergebnisse der jüngsten staatlichen Auktion für grünen Wasserstoff „HAR2“ (Hydrogen Allocation Round) sowie die Fortführung des Förderprogramms mit „HAR-3“. Anderenfalls könne die britische Wasserstoffwirtschaft hinter die internationale Konkurrenz zurückfallen.
Im April 2025 hatte die britische Regierung nach der HAR2-Ausschreibung 27 Bewerber auf die Shortlist gesetzt, die mit dem Energieträger Herstellungs- und Industrieverfahren dekarbonisieren wollen (wir berichteten). Im Rahmen der ersten Wasserstoffzuteilungsrunde (HAR1) wurden zuletzt im Dezember 2023 elf Projekte mit einer Produktionskapazität von insgesamt 124 Megawatt ausgewählt. Im Juni vergangenen Jahres hatte die britische Regierung überdies Mittel in Höhe von 500 Millionen Pfund (587 Millionen Euro) für regionale Wasserstofftransport- und Speichernetzwerke angekündigt.

Die größten Hindernisse für weiteres Wachstum der britischen H2-Wirtschaft: Unsicherheit in Politik und Regulierung (63 Prozent), Unsicherheiten auf Seiten der Kunden (56 Prozent), hohe Investitionskosten sowie Finanzierungsprobleme (48 Prozent), gefolgt von hohen Energiekosten, Lücken bei der Infrastruktur und Verzögerungen bei Genehmigungen. © „State of the Hydrogen Nation Report“, HEA
Die Organisation mit mehr als 100 Mitgliedern entlang der gesamten H2-Wertschöpfungskette vom Erzeuger bis zum Verbraucher hat der Regierung außerdem ein Paket von Fallstudien vorgelegt, das das Ausmaß der Gefährdung von Investitionen in der Branche sowie von Arbeitsplätzen insbesondere in den Bereichen Bau- und Ingenieurwesen, Fertigung, Infrastruktur, Betrieb und Service zeige. Gemäß des jüngst veröffentlichten HEA-Reports „State of the Hydrogen Nation“ würden 84 Prozent der Befragten Unternehmen innerhalb der nächsten zwölf Monate ihre Wasserstoffinvestitionen verstärken. 51 Prozent erwarten demnach sogar eine steigende Nachfrage bei H2-Produkten und Dienstleistungen. Die Befragten gaben an, dass der Sektor bis 2030 eine Vervierfachung der Beschäftigung verkraften könnte, wodurch rund 17.000 Arbeitsplätze im Vereinigten Königreich entstünden – aber nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmten.
Es fehlen Tempo und Koordination
„Der Wasserstoffsektor ist bereit zu investieren, aufzubauen und zu liefern – aber er kann dies nicht in einem politischen Vakuum tun“, sagt HEA-Geschäftsführerin Emma Guthrie. Jeder Tag der Verzögerung berge das hohe Risiko, dass Projekte, Kapital und qualifizierte Arbeitsplätze ins Ausland abwanderten. Allerdings fehlten „Tempo und Koordination.“ Die Regierung müsse sich entscheiden, eine Führungsrolle zu übernehmen. „Die Branche braucht jetzt Klarheit.“
Den „State of the Hydrogen Nation Report“ gibt es kostenfrei als PDF (32 Seiten).
Foto oben
N-Gen Energy Solutions plant gemeinsam mit Hygen Energy den Bau einer Wasserstoffproduktions- und Betankungsanlage. Das Projekt entsteht auf dem Birkshall-Gelände eines vormaligen Gasspeichers, soll Anfang 2028 in Betrieb gehen und 12,5 Tonnen Wasserstoff pro Tag herstellen, was ausreicht, um 800 Busse zu betreiben. Bradford Low Carbon Hydrogen ist das größte von elf Vorhaben in der ersten Wasserstoffallokationsrunde der britischen Regierung. Der Fördervertrag garantiert staatliche Subventionen, damit der Wasserstoff 15 Jahre lang zu einem vergleichbaren Preis wie Diesel verkauft werden kann. © N-Gen Energy Solutions




