(Vitry-le-François / Frankreich) – Haffner Energy SAS will seinen Standort im französischen Marolles mit einer Tankstelle ergänzen. Aktuell sei man nicht dafür ausgerüstet, den dort produzierten Wasserstoff auf das für den Vertrieb erforderliche Druckniveau zu bringen und zu vermarkten.

120 Tonnen Wasserstoff pro Jahr

Dies geschehe künftig durch eine neue H14-Station der Hydrogen Refueling Solutions SA (HRS), die nach Fertigstellung 14 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde (120 Tonnen pro Jahr) abgeben könne und Fahrzeugbetankungen mit 350 und 700 bar ermögliche. Der Energieträger stehe dann auch zur Lieferung per Trailer an industrielle Abnehmer zur Verfügung.

Die Tankstelle wurde bereits 2022 im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung in Auftrag gegeben. Die Installation war indes bis zur Klärung der Verwendung des Wasserstoff zurückgestellt worden. Nunmehr soll die Station 2027 in Betrieb gehen, nachdem mehrere potenzielle Kunden ihr Interesse angekündigt hätten.

Die Haffner-Anlage stellt den Energieträger nicht per Elektrolyse her, sondern mittels eines selbst entwickelten thermochemischen Verfahrens. Dabei werden Holzreste und biologische Abfälle in ein wasserstoffreiches Synthesegas umgewandelt. Dieses wird gereinigt und ist dann geeignet für Brennstoffzellen (Mobility Grade).

Wasserstoffverkauf soll Betriebskosten decken

Durch den Verkauf des Wasserstoffs will Haffner dauerhaft Einnahmen generieren, um die Betriebskosten des Standorts Marolles mit Test- und Schulungszentrum zu decken. Zudem böte sich dem Unternehmen die Möglichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit des mit seiner Technologie erzeugten Wasserstoffs unter realen Bedingungen zu beweisen. „Wir gehen davon aus, dass dieser kommerzielle Proof of Concept dazu beiträgt, den Einsatz unserer Technologie sowohl in Frankreich als auch international zu beschleunigen“, sagt Philippe Haffner, Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender von Haffner Energy.

Die Partnerschaft zwischen Haffner Energy und HRS eröffne zudem neue Möglichkeiten im Bereich der Rechenzentren. HRS entwickelt eine modulare „Secure Power Unit“ (SPU) genannte Lösung, die Wasserstoffspeicher und Brennstoffzellen zur Stromerzeugung für Rechenzentren, kritische Infrastruktur und Industrieanlagen kombiniert.

HRS will den 2023 in Champagnie eröffneten Büro- und Produktionsstandort verkaufen. © Hydrogen Refueling Solutions SA

HRS hatte im August einen vorläufigen Vertrag mit Azur Datacenter für den Verkauf und die Rückanmietung seines Hauptsitzes in Champagnier (Isère, Frankreich) unterzeichnet (mehr dazu). Die Transaktion sei „zwischen 22 und 25 Millionen Euro“ wert und soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Laut HRS würde dies die Liquiditätsposition stärken und die Entwicklung der „beiden Wachstumstreiber beschleunigen“, die über Wasserstofftankstationen hinausgingen. Dazu gehörten neben den SPU auch industrielle Infrastruktur für die Verdichtung, Speicherung und Übergabe. 

HRS führt aktuell noch bis zum 23. Oktober eine Kapitalerhöhung durch. Die ursprüngliche Frist bis 7. Oktober wurde am vergangenen Freitag verlängert, um noch einen Großinvestor zu berücksichtigen, der sein Interesse bekundet hatte. Dabei handelt es sich dem Vernehmen nach um Arago Technologies, die Muttergesellschaft von Azur Datacenter.

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Haffner Energy produziert in Marolles Wasserstoff aus Biomasse. © Haffner Energy