(Kassel / Deutschland) – Chile bietet im internationalen Vergleich „hervorragende Voraussetzungen für eine kosteneffiziente, klimaneutrale Erzeugung mit hohem Potenzial für die lokale Nutzung und den Export“ von grünem Methanol. Zu diesem Ergebnis kommt das jetzt abgeschlossene deutsch-chilenische Forschungsprojekt „Power-to-MEDME-FuE“. Ein Konsortium unter Leitung des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE hatte dabei über einen Zeitraum von zwei Jahren „zentrale technologische, wirtschaftliche und systemische Grundlagen für die nachhaltige Produktion von grünem Wasserstoff sowie der Derivate Methanol und Dimethylether“ (DME) untersucht.

Projektleiterin Ramona Schröer bei der Abschlussveranstaltung zum Forschungsprojekt „Power-to-MEDME“ im Oktober in Santiago de Chile. © AHK Chile
Ziel war die Analyse der gesamten Wertschöpfungskette grünen Wasserstoffs aus erneuerbaren Energien und die technische, ökonomische, ökologische sowie soziale Bewertung. Demnach könne grünes Methanol und DME aus Chile „nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sondern auch mittelfristig wettbewerbsfähig“ sein, sagt Projektleiterin Ramona Schröer. „Unsere Analysen belegen, dass Chile aufgrund seiner hervorragenden Potenziale aus Photovoltaik und Windenergie besonders günstige Voraussetzungen für die kosteneffiziente Produktion dieser Energieträger bietet.“ Auf Basis aktueller Preise und Preistrends sei grünes Methanol bereits „mittelfristig mit grauem Methanol konkurrenzfähig“. Auf dieser Grundlage ließen sich „belastbare Perspektiven für Märkte, Industrie und den Export ableiten“.
Niedrige Produktionskosten mit Sonne und Wind
Chiles ideale Voraussetzungen für die Wasserstoffproduktion mittels PV und Windkraftanlagen „ermöglichen im internationalen Vergleich äußerst geringe Produktionskosten“, so die Untersuchung. Grünes DME habe überdies in Chile selbst „ein großes Potenzial“ als Ersatz für Diesel, Flüssiggas (LPG) und Erdgas, sowohl als Beimischung als auch als vollständiger Ersatz etwa in den Sektoren Heizung, Transport und Bergbau.
Perspektivisch biete sich der Export von grünem DME an, um fossiles LPG schrittweise zu ersetzen. Dabei lasse sich die bestehende Flüssiggasinfrastruktur weitgehend nutzen. Auch grünes Methanol eigne sich für den Export und könne unter anderem in der Schifffahrt, der chemischen Industrie sowie zur Herstellung weiterer Derivate wie nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF) eingesetzt werden.
DME-Pilotanlage und PEM-Elektrolyseure
Im Rahmen des Projekts wurde zudem eine 7,5 Meter hohe Pilotanlage zur DME-Reaktivdestillation als Demonstrator in Betrieb genommen. Derzeit werde die Skalierung und Kommerzialisierung der Technologie untersucht. Auch könnten in Chile kostengünstige Katalysatoren für PEM-Elektrolyseure entwickelt werden.
Überdies flossen spezifische Einsatzprofile und Fahrzeuganforderungen mehrerer Bergbauunternehmen direkt in die Analysen ein. So konnten praxisnahe Konzepte für die Nachrüstung bestehender Schwerlast- und Offroad-Fahrzeugflotten mit grünem DME entwickelt werden. „Die lokale Herstellung grüner Kraftstoffe eröffnet die Möglichkeit, die gesamte Wertschöpfungskette im Bergbau schrittweise zu dekarbonisieren“, so das Fraunhofer IEE. „Wir konnten konkrete Perspektiven für Industrie und Märkte schaffen und damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende in Chile, zur Stärkung der lokalen Wirtschaft und darauf aufbauend zur langfristigen Versorgung Deutschlands mit klimaneutralen Energieträgern leisten“, sagt Ramona Schröer.
Zehn Konsortialpartner
Am Projekt waren unter Federführung des Fraunhofer IEE auch das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE beteiligt, das Fraunhofer-Institut für Mikrotechnik und Mikrosysteme IMM, das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC, das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP, das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS, die RWTH Aachen und das Research Institute on Lifelong Learning (RILLL), Fraunhofer Chile Research sowie die Deutsch-Chilenische Industrie- und Handelskammer (AHK Chile).
Foto oben
Chile hat aufgrund guter Bedingungen für PV und Windenergie ein großes Potenzial zur Herstellung von grünem Wasserstoff nebst Derivaten. Foto: Im April 2025 nahm der spanische Mineralölkonzern Repsol S.A. den ersten Bauabschnitt eines Windparks mit einer installierten Leistung von 364 Megawatt in der Region Taltal, Antofagasta, in Betrieb. © Repsol S.A.




