(Salzgitter / Deutschland) – Die EWE AG und die Salzgitter Flachstahl GmbH, eine Tochter der Salzgitter AG, haben eine langfristige Vereinbarung über die Abnahme von grünem Wasserstoff geschlossen. Demnach liefert der Emdener Energiedienstleister ab 2030 über das Wasserstoffkernnetz jährlich 10.000 Tonnen des Energieträgers zur umweltschonenden Stahlherstellung im Rahmen des Programms „Salcos“ (Salzgitter Low CO2 Steelmaking).

Die Salcos-Baustelle auf dem Betriebsgelände der Salzgitter Flachstahl GmbH. Hier entsteht eine Direktreduktionsanlage zur Herstellung grünen Stahls mittels grünem Wasserstoff. © Salzgitter AG

Die Vertragslaufzeit beträgt vorerst sieben Jahre. Damit werde rund 6,5 Prozent des Salcos-Wasserstoffbedarfs gedeckt. Insgesamt würden in der Direktreduktionsanlage 150.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr eingesetzt. Rund 9.000 Tonnen davon werden in einer 100-MW-Elektrolyseanlage auf dem eigenen Hüttengelände hergestellt. Es ist der erste Großabnahmevertrag für Wasserstoff aus der 320-Megawatt-Erzeugungsanlage, die EWE derzeit in Emden errichtet, und auch der erste Vertrag dieser Größenordnung der Salzgitter AG mit einem Wasserstofflieferanten. „Weitere Liefermengen von EWE stehen damit grundsätzlich auch für zusätzliche industrielle Partnerschaften zur Verfügung“, so das Unternehmen.

Frontrunner in der Stahlindustrie

Die Vertragsunterzeichnung (v.l.): Gitta Connemann (Parlamentarische Staatssekretärin im BMWE), Stefan Dohler (CEO EWE AG), Gunnar Groebler (CEO Salzgitter AG) und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies. © EWE / Gerd Markert Fotografie

„Wir haben ein Henne-Ei-Dilemma aufgelöst und eine unternehmerisch bedeutende Entscheidung getroffen“, sagt Gunnar Groebler, CEO der Salzgitter AG. Ohne erste Lieferverträge werde sich keine deutsche Wasserstoffwirtschaft entwickeln. Allerdings stehe der Wasserstoffhochlauf „weiterhin vor hohen Hürden“. Es bedürfe nach wie vor umfassender politischer Maßnahmen, um die Kostenlücke zu schließen und unternehmerische Risiken zu minimieren. „Ansonsten bleibt dieser Vertrag eine Ausnahme“, so Groebler.

Baustelle von EWE in Emden: Hier entsteht die 320-Megawatt-Anlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff für die klimafreundliche Stahlproduktion der Salzgitter AG. © EWE / Ludwig Freytag

EWE bündele eigenen Angaben zufolge wesentliche Teile der Wasserstoff-Wertschöpfungskette – von der Erzeugung über Transport und Speicherung bis zur Lieferung. Im Rahmen des IPCEI-Großvorhabens „Clean Hydrogen Coastline“ entstünden dafür in Nordwestdeutschland Elektrolyse-, Speicher- und Pipelineinfrastrukturen. Eine funktionierende Wasserstoffwirtschaft stärke „die industrielle Resilienz Europas, macht uns unabhängiger von fossilen Energieimporten und hilft dabei, Energie langfristig wettbewerbsfähig zu halten“, sagt EWE-CEO Stefan Dohle: Dieser Vertrag zeige, dass Angebot und Nachfrage für grünen Wasserstoff zusammenfinden können. Er sei ein Meilenstein, aber noch nicht das Ziel. „Jetzt müssen wir dieses Momentum nutzen, weitere industrielle Partnerschaften auf den Weg bringen und den Markt Schritt für Schritt aufbauen.“ 

Der Bund und das Land Niedersachsen fördern die Transformation der Stahlproduktion in Salzgitter mit mehr als einer Milliarden Euro.

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EWE liefert jährlich 10.000 Tonnen Wasserstoff an die Salzgitter AG zur Herstellung grünen Stahls. © Salzgitter AG