(Rüdersdorf) – Der Oldenburger Energieversorger EWE AG hat erstmals Wasserstoff in seiner unterirdischen Test-Kaverne im brandenburgischen Rüdersdorf eingelagert. Der dort ausgebaute Salzstock fasst sechs Tonnen des Energieträgers. Diese Menge reiche aus, um 1.000 Wasserstoff-PKW vollzutanken, so das Unternehmen.

Skizze der unterirdischen Kaverne: In den nächsten Monaten testet EWE das Wechselspiel zwischen der Ein- und Ausspeicherung von Wasserstoff © EWE / Litho Niemann, M. Steggemann

Im November vergangenen Jahres hatte EWE mit der Aussolung begonnen. Der Hohlraum liegt rund 1.000 Meter unter der Erde. Der jetzt dort eingelagerte Wasserstoff wurde, wie es heißt, „von gängigen Industriegaslieferanten“ per Tankfahrzeuge angeliefert. Mit der Einlagerung werde die Sole – ein Gemisch aus Salz und Wasser, das sich vom Bau des Hohlraums noch in der Kaverne befindet –, gleichmäßig verdrängt und an die Erdoberfläche gebracht. Insgesamt 500 Kubikmeter der wässrigen Lösung transportiert EWE früheren Angaben zufolge über eine vorhandene Soletransportleitung zur Soleversenkstation nach Heckelberg. Dort seien die Gesteinsschichten für die Versenkung von Sole geeignet.

Test von Ein- und Ausspeicherung

Nach der Befüllung starten Testbetrieb und Forschungen im Rahmen des „HyCAVmobil“ genannten Vorhabens. Dabei werde „vor allem das Wechselspiel zwischen Ein- und Ausspeicherung von Wasserstoff“ getestet.

Ziel sei es, neben dem Betrieb der Anlage auch die Qualität des Wasserstoffs nach dem Ausspeichern zu testen und für den Einsatz aufzubereiten. Wichtig sei insbesondere der Nachweis, wie viel Feuchtigkeit der Wasserstoff untertage aufnehme und wie die Trocknungsanlage eingestellt werden müsse. „Eine Reinheit von nahezu 100 Prozent ist wichtig für zukünftige Anwendungen, vor allem im Mobilitätsbereich“, erläutert Projektleiter Hayo Seeba. Zudem wolle EWE die technischen Verfahren optimieren, mit denen die Einbindung von Wasserstoff in das deutsche Energiesystem gelingen könne. Durch eine digitale Anbindung seien auch kontinuierliche Messungen in der Kaverne möglich.

Prüfung der Gasreinheit

Die Qualität der Gasproben untersucht das Institut für Vernetzte Energiesysteme des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) in seinem Labor in Oldenburg. Geprüft werden die Gasreinheit sowie die Sole, um Rückschlüsse über den möglichen mikrobiellen Einfluss auf die Wasserstoffqualität zu ziehen.

„Die Ergebnisse fließen in die Bewertung ein, ob der gespeicherte Wasserstoff direkt für den Einsatz in Brennstoffzellenfahrzeugen geeignet oder ob für diese oder andere Anwendungen eine Reinigung nach der Ausspeicherung erforderlich ist“, erklärt das Unternehmen.

Übertragbar auf größere Kavernen

Die Dauer der Tests sind auf ein Jahr veranschlagt. Die Erkenntnisse wolle EWE dann in großtechnischen Speicherprojekten im niedersächsischen Huntorf einbringen. Dies ist Teil des Großprojektes „Clean Hydrogen Coastline“, welches die Erzeugung, Speicherung, Transport und Nutzung von grünem Wasserstoff in Industrie und im Schwerlastverkehr zusammenbringe.

EWE verfügt eigenen Angaben zufolge mit 37 Salzkavernen in Huntorf, Nüttermoor, Jemgum und Rüdersdorf über 15 Prozent aller deutschen Kavernenspeicher, die perspektivisch zur Speicherung von Wasserstoff geeignet wären. Damit sei aus erneuerbaren Energien erzeugter Wasserstoff in großen Mengen speicherfähig und bedarfsgerecht nutzbar.

Das Investitionsvolumen für „HyCAVmobil“ beläuft sich auf rund zehn Millionen Euro. Davon stammen sechs Millionen aus dem Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur.

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Blick auf den Kavernenplatz: Von der H2-Kaverne ist nur die Obertagetechnik sichtbar. © Jörg Schattling