(Shanghai / China) – Das Technologieunternehmen Envision Energy beteiligt sich am AEA-Ammoniak-Zertifizierungssystem. Das von der in den USA beheimateten Ammonia Energy Association (AEA) gemeinsam mit dem auf Methan-Zertifizierung spezialisierte US-Institut MiQ entwickelte Vorhaben startete im Oktober 2025 und beginnt nunmehr die Pilotphase. AEA hat mittlerweile mehr als 270 Mitglieder – ein „Who is Who“ der globalen Wasserstoff-, Ammoniak- und Energiewirtschaft.

Lotte Fine Chemical hat das Dual-Fuel-Schiff „Antwerpen“ von Exmar in Ulsan mit Ammoniak betankt. © Lotte Fine Chemical

Bei der Zertifizierung handelt es sich um ein freiwilliges System, das es Produzenten, Händlern und Verbrauchern ermöglicht, anhand unabhängig überprüfter Daten Umweltmerkmale wie den CO2-Fußabdruck und die Herkunft des Energieträgers nachzuweisen. Ein Ammoniakregister soll Transparenz und Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Lieferkette von der Zertifikatserstellung über den Handel bis hin zur Stilllegung gewährleisten. Envision nutzt das „Book-&-Claim“-Modell: Es ermöglicht ohne physischen Transport und entkoppelt von der physischen Lieferkette den Handel mit Umweltattributen; vergleichbar mit Modellen im Bereich der erneuerbaren Energien und bei SAF (Sustainable Aviation Fuel). „Dies ermöglicht es unseren Kunden, ihre Betriebsabläufe unabhängig von der geografischen Nähe zu unseren Produktionszentren zu dekarbonisieren, was die Einführung von grünem Ammoniak als bankfähigen, klimaneutralen Rohstoff beschleunigt“, sagt Frank Yu, Senior Vice President von Envision Energy.

Taufe der beiden von Hyundai Heavy Industries gebauten Dual-Fuel-Schwesterschiffe auf die Namen der belgischen Städte „Antwerpen“ und „Arlon“ in Südkorea im Beisein von Prominenz aus Politik und Wirtschaft, darunter Joo Won-ho, (Präsident und Head of HHI’s Naval & Special Ship Business Unit; erste Reihe ganz links); Nicolas Saverys (Exmar-Vorstand, 7.v.l.) und dem belgischen Botschafter in Südkorea H. E. Bruno Jansseventh (3.v.r.). © Exmar / Tom Dieleman

Im März 2026 schloss Envision die erste durchgängige kommerzielle Lieferung von grünem Ammoniak von seinem „Net Zero Industrial Park“ in Chifeng (China) zum Hafen von Ulsan (Südkorea) ab und validierte die gesamte Wertschöpfungskette bis hin zur internationalen Seelogistik. In Betrieb genommen hatte das Unternehmen diese weltweit größte Produktionsanlage für grünen Wasserstoff und Ammoniak mit einer Jahreskapazität von 320.000 Tonnen im Juli 2025 (mehr dazu).

In Ulsan wiederum nutzte dann Anfang April 2026 der südkoreanische Chemiekonzern Lotte Fine Chemical Co. Ltd. das Ammoniak aus China zur Befüllung des neuen mittelgroßen Dual-Fuel-Gastankers „Antwerpen“. Die 600 Tonnen Treibstoff werden für die Probefahrten vor der südkoreanischen Küste genutzt, wobei das Schiff bereits erste Fahrten mit konventionellem Diesel absolviert hat. Entwickelt von einem Konsortium von HHI-EMD, Wärtsilä Gas Solutions, WinGD und Lloyd’s Register, gebaut von HD Hyundai Heavy Industries, wurde es erst kurz zuvor in Dienst gestellt. Ende Mai wird es offiziell an den belgischen Gastransportspezialisten Exmar Group übergeben und kommerziell in Betrieb genommen. 

Im Juli 2025 hatte Envision die weltweit größte Produktionsanlage für grünen Wasserstoff und Ammoniak mit einer Jahreskapazität von 320.000 Tonnen in Betrieb genommen. Geplant ist der Ausbau auf eine Kapazität von 1,5 Millionen Tonnen – damit werde Preisparität zu grauem Ammoniak erreicht, so das Unternehmen. © Envision Energy

Unter Nutzung seines bestehenden (und Asiens größten) Ammoniak-Terminals in der Nähe des Hafens von Ulsan wurde Lotte Fine Chemical im Jahr 2025 zum ersten registrierten Lieferanten von Ammoniak als Schiffskraftstoff in Südkorea. Im Mai 2025 wurde die Stadt Ulsan zur „Ammonia Bunkering Regulatory Free Zone“ (Regulierungsfreie Zone für Ammoniak-Lagerung) erklärt, was die Regulatorien bei der Entwicklung und Demonstration des Ammoniak-Bunkerns im und um den Hafen verringerte. Unterstützung gab es vom koreanischen Ministerium für Ozeane und Fischerei, von der Hafenbehörde und vom Korean Register. So halfen die Institutionen etwa bei der Registrierung von Ammoniak-Kraftstofflieferanten, der Erstellung von Richtlinien für das Sicherheitsmanagement sowie bei der Entwicklung von Sicherheitsstandards.

Foto oben
Im März 2026 schloss Envision die erste durchgängige kommerzielle Lieferung von grünem Ammoniak von seinem „Net Zero Industrial Park“ in Chifeng, China, zum Hafen von Ulsan, Südkorea, ab. © Envision Energy