(London / Großbritannien) – Die britische Regierung sucht nach Ankerpunkten für eine „saubere Energieversorgung“. Großtechnische Anlagen zur Wasserstoffrückverstromung (Hydrogen to Power, H2P) müssten derzeit noch Hürden überwinden, da Infrastrukturen wie neu zu bauende Transport- und Speicheranlagen mit langen Vorlaufzeiten verbunden seien, erklärt das Energieministerium.

Im Jahr 2022 verkündete der britische Energieversorger Scottish Power Pläne, um eine neue Hochdruck-Elektrolyseurtechnologie zu testen, welche die Produktionskosten für grünen Wasserstoff senken könnte. Der Hersteller Supercritical Solutions Ltd. hatte 2023 eine Machbarkeitsstudie erstellt. © Scottish Power plc

Innovative H2P-Projekte, die keine breitere Wasserstoffinfrastruktur benötigten und deren Inbetriebnahme bis 2030 erfolgten, könnten demgegenüber der Mitteilung zufolge „eine entscheidende Rolle“ auf dem Weg zu einer sauberen Energieversorgung spielen. Man gehe davon aus, dass die Erzeugung von Strom mittels kohlenstoffarmem Wasserstoff „eine entscheidende Komponente des künftigen Elektrizitätssystems“ sei, um die Abhängigkeit der Insel von Gas zu reduzieren. Der Aktionsplan „Clean Power 2030“ prognostiziere einen Bedarf von 40 bis 50 Gigawatt an flexiblen Erzeugungskapazitäten. Mit einer Marktbefragung sollen jetzt Informationen über innovative H2P-Projekte gesammelt werden.

„Um den Aktionsplan Clean Power 2030 zu unterstützen, möchten wir den Wert innovativer Projekte verstehen, die bis 2030 mit der Stromerzeugung aus 100 Prozent kohlenstoffarmem Wasserstoff beginnen könnten, bevor eine groß angelegte Infrastruktur zur Verfügung steht“, heißt es in dem Aufruf an die Industrie, sich zu beteiligen.

Insbesondere suche man nach Projekten, die bis 2030 die Stromerzeugung aus Wasserstoff ermöglichten, um Erkenntnisse für eine spätere großtechnische H2P-Einführung zu gewinnen. „Wir gehen davon aus, dass solche Projekte nach der Inbetriebnahme und der erfolgreichen Demonstration der H2P-Technologie kommerziell eingesetzt werden sollen.“

Unternehmen sollen Regierung zuarbeiten

Die Regierung bittet um Hinweise auf konkrete Pläne für Projekte, die darauf abzielten, bis 2030 Strom aus Wasserstoff zu erzeugen, oder die beschleunigt werden könnten, um dies zu erreichen. Von besonderem Interesse seien

  • aktuelle Pläne für den Einsatz von H2P bis 2030, der voraussichtlichen Kapazität der Anlage, die Anzahl der Betriebsstunden pro Jahr, die voraussichtlichen Kosten sowie Pläne zur Wasserstoffversorgung, einschließlich aller geplanten Vorkehrungen für die Erzeugung, Speicherung und den Transport von Wasserstoff
  • Größenordnung, Konfiguration und andere Merkmale von H2P-Anlagen, die bis 2030 den Betrieb aufnehmen könnten
  • technischen und sonstigen Erkenntnisse aus dem Betrieb einer solchen Anlage, um sie für eine breite H2P-Einführung zu nutzen.

Auch sollten Lieferketten benannt werden sowie technologische Risiken nebst den Plänen zu deren Bewältigung. Gefragt sind zudem Hinweise, welche spezifischen technologischen Verbesserungen die Unternehmen während der geplanten Umsetzung einer innovativen H2P-Anlage erreichen oder testen wollen.

Zwei Technologien werden in Betracht gezogen

Dabei sei H2P eine von zwei näher in Betracht gezogenen Technologien zur Dekarbonisierung des Energiesystems, so das Ministerium. Bei der anderen handele es sich um „Power CCUS“ (auch „CCS“, „Carbon Capture, Usage and Storage“), mithin um einen mehrstufigen Prozess der Abscheidung des bei industriellen Prozessen entstehenden CO2, dessen Transport und anschließende dauerhafte Speicherung unter der Erde – wobei dieses Prinzip, anders als von Teilen der Industrie gern kolportiert, einer Studie zufolge weltweit offenbar noch nicht funktioniert (wir berichteten). Zahlreiche CCS-Projekte seien in den letzten Jahren wieder eingestellt worden oder hätten versagt, heißt es in einem im März 2024 veröffentlichten Themenreport des US-amerikanischen Institute of Energy Economic and Financial Analysis („The Good, the Bad, and the Ugly reality about CCS“).

Innovative H2P-Projekte

Ein „Hydrogen to Power Business Model“ (H2PBM) verringere demgegenüber das Investitionsrisiko. In der im Dezember veröffentlichten Aktualisierung der Wasserstoffstrategie habe man sich verpflichtet, so die britische Regierung, die Industrie zu innovativen H2P-Projekten zu konsultieren, die noch vor der Inbetriebnahme einer groß angelegten Wasserstoffinfrastruktur realisiert werden könnten.

Die online stattfindende Marktabfrage endet am 12. Mai 2025.

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Downing Street, Sitz des britischen Premierministers: Die Regierung startet eine Marktabfrage zur Stromerzeugung aus innovativen Wasserstoffprojekten. © Sergeant Tom Robinson RLC/MOD