(Canberra/Australien) – Die australische Agentur für erneuerbare Energien ARENA (Australian Renewable Energy Agency) fördert drei neue Wasserstoffprojekte mit insgesamt 103,3 Millionen australischen Dollar (66 Millionen Euro). So erhält Engie Renewables Australia Pty Ltd, australische Tochter des französischen Energiekonzerns Engie SA, 42,5 Millionen Dollar für einen zehn Megawatt leistenden Elektrolyseur, um am westaustralischen Standort Karratha des Düngemittelherstellers Yara Pilbara Fertilisers erneuerbaren Wasserstoff und Ammoniak zu produzieren. Der dafür nötige Strom wird mittels Photovoltaik gewonnen und netzunabhängig mittels Batteriespeicher genutzt.

In der ersten Phase des Projekts werden ab 2023 bis zu 625 Tonnen erneuerbarer Wasserstoff und 3.700 Tonnen erneuerbares Ammoniak pro Jahr produziert. Dies wäre der Schlüssel zu einem „Pilbara Hydrogen Hub“, so das Unternehmen. Yara beschäftigt weltweit rund 17.000 Mitarbeiter in mehr als 60 Ländern.

Pilbara ist eine dünn besiedelte und sehr trockene Region zwischen dem Indischen Ozean im Norden und der Great Sandy-Wüste im Süden. Vor gut einem halben Jahr hatte die Zentralregierung unter dem liberalen Premierminister Scott Morrison bereits einem anderen Wasserstoffvorhaben in Pilbara den Status eines Großprojekts („Major Status“) verliehen. Die Initiatoren wollen dort für 36 Milliarden australische Dollar (25,6 Milliarden Euro) eines der weltweit größten Wind- und Solarprojekte mit einer installierten Leistung von zunächst 15 Gigawatt aufbauen, um einen Gutteil des Stroms für die Produktion grünen Wasserstoffs für den Inlands- und Exportmarkt zu verwenden.

Gasnetzbetreiber will Wassertoff in Erdgasleitungen einspeisen

Ein weiterer Empfänger von Fördermitteln ist die Australian Gas Networks Limited (AGN). ARENA unterstützt den Betreiber von Erdgasfernleitungen und Verteilnetzen mit 32,1 Millionen Dollar. AGN will einen zehn Megawatt leistenden Elektrolyseur in seinem „Hydrogen Park Murray Valley“ installieren. Die Anlage soll 2023 in Betrieb gehen und dann aus erneuerbaren Energien erzeugten Wasserstoff dem bestehenden Erdgasnetz beimischen. Diese Förderung kommt auch Engie zugute. Der Konzern arbeitet an diesem Projekt gemeinsam mit der AGN-Muttergesellschaft Australian Gas Infrastructure Group (AGIG), die wiederum zu dem in Hongkong ansässigen Konglomerat CK Infrastructure Holdings gehört.

Auch die ATCO Australia Pty Ltd bekommt Fördermittel. 28,7 Millionen Dollar wurden für den Bau eines ebenfalls zehn Megawatt leistenden Elektrolyseur in seinem „Clean Energy Innovation Park“ (CEIP) bewilligt. ATCO arbeitet bei diesem Projekt wiederum mit AGIG zusammen. Der Erdgasverteilnetzbetreiber will dort täglich bis zu 4,6 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren und dafür Strom des 180-Megawatt-Windparks bei Warradarge, Western Australia, nutzen, der im Oktober 2020 in Betrieb genommen wurde. Der Wasserstoff wird per Lkw zu Einspeisepunkten im Gasnetz transportiert. Überdies sollen drei Wasserstofftankstellen gebaut werden. Eine Machbarkeitsstudie wurde im vergangenen Jahr erstellt. Die ARENA-Finanzierung wird weitere Planungsarbeiten ermöglichen, wobei eine endgültige Investitionsentscheidung voraussichtlich im Dezember 2021 getroffen werde, so das Unternehmen.

Die ATCO Group unterhält überdies Geschäftsbeziehungen mit dem australischen Bergbaumulti Fortescue Metals Group. Gemeinsam wolle man das Potenzial für den Aufbau einer Infrastruktur zur Betankung von Wasserstofffahrzeugen untersuchen. Fortescue-Gründer Andrew Forrest hatte im November 2020 Pläne verkündet, wonach er weltweit Kraftwerke zur Nutzung erneuerbarer Energien mit einer Leistung von 235 Gigawatt aufbauen will, um mit dem Strom grünen Wasserstoff und Ammoniak zu produzieren.

Förderrahmen aufgestockt

Engie, ATCO und AGIG müssen nun eine Reihe weiterer Vorleistungen erbringen und unter anderem die Finanzierung ihrer Projekt sichern, bevor die Fördermittel freigegeben werden. Um all diese Vorhaben zu unterstützen, hatte ARENA den Förderrahmen von ursprünglich 70 Millionen Dollar um 33,3 Millionen Dollar erhöht. Insgesamt haben diese drei Projekte einen Wert von kumuliert 161 Millionen Dollar.

ARENA hatte im vergangenen Jahr im Rahmen einer Finanzierungsrunde („Renewable Hydrogen Deployment Funding Round“) dazu aufgerufen, Pläne für Wasserstoffprojekte im kommerziellen Maßstab zu entwickeln. Die Energieagentur erhielt daraufhin 36 Interessensbekundungen aus ganz Australien, zog sieben Projekte in die engere Wahl ein und forderte die Unternehmen auf, ihre Anträge einzureichen. Nach einem umfangreichen Bewertungsprozess wurden besagte drei Projekte für eine Förderung ausgewählt.

„Unsere Wasserstoffindustrie in Australien steckt noch in den Kinderschuhen, daher sind die Erkenntnisse aus diesen drei Projekten – und der gesamten Finanzierungsrunde – wichtig, um unsere zukünftige Wasserstoffwirtschaft voranzutreiben“, sagte der Geschäftsführer der Agentur, Darren Miller. „Mit mehr als 100 Millionen Dollar an Fördermitteln hoffen wir, einige der größten Wasserstoff-Elektrolyseure der Welt zu bauen, mit dem Ziel, die Kosten für grünen Wasserstoff zu senken.“ ARENA ist seit 2016 in diesem Segment aktiv und hat bereits mehr als 57 Millionen Dollar dafür bereitgestellt, darunter 22,1 Millionen Dollar für 16 Forschungsvorhaben sowie Machbarkeitsstudien für Großprojekte und kleinere Demonstrationen, die sich mit erneuerbarer Wasserstoffproduktion, Power-to-Gas und Wasserstoffmobilität befassen.

Deep Link
https://arena.gov.au/news/over-100-million-to-build-australias-first-large-scale-hydrogen-plants/
https://www.agig.com.au/media-release—new-hydrogen-blending-project
https://engie.com.au/news/australian-government-confirms-funding-for-engies-hydrogen-projects-in-victoria-and-western-australia/
https://www.atco.com/en-au/about-us/stories/atco-arena-funding-green-funding.html

Foto oben
Engie will mit Yara Pilbara Fertilisers grünen Ammoniak produzieren / © Engie
Grafik
Darstellung von ATCOs Plänen für den Aufbau des „Clean Energy Innovation Park“ (CEIP) / © ATCO