(Oulu / Finnland) – Die Stadt Oulu und Abo Energy Suomi Oy haben eine Kooperationsvereinbarung für das Wasserstoffprojekt in Pyyryväinen unterzeichnet. Dies schaffe den Angaben zufolge „einen Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen den beiden Parteien in Projektentwicklung, Flächennutzungsplanung und Genehmigungen“. Im Endausbau könnte in mehreren Stufen eine Elektrolyseleistung von 600 Megawatt installiert werden.

Planungskarte von Standorten für Wasserstoffprojekte in Oulu (Stand 2025). © Stadtverwaltung Oulu

Neben der Wasserstoffproduktion bewertet das finnische Tochterunternehmen der Wiesbadener ABO Energy GmbH die Möglichkeiten zur Herstellung von synthetischem Methanol und nachhaltigem Flugkraftstoff (eSAF) in der Küstenstadt am Bottnischen Meerbusen. Die durch den Produktionsprozess erzeugte Abwärme solle im lokalen Fernwärmenetz genutzt werden. Die jetzt getroffene Vereinbarung fußt auf Absprachen aus dem Jahr 2025. Seinerzeit hieß es, die erste Phase der Wasserstoffproduktion könne etwa 2034 bis 2036 in Betrieb genommen werden.

Das von Gasgrid vorgesehene Pipeline-Netz soll entlang der Westküste des Landes entstehen. Die Karte zeigt ein Update, das Ende November 2024 veröffentlicht wurde. © Gasgrid Finland Oy

Die endgültige Investitionsentscheidung (FID) ist damit indes noch nicht gefallen. „Die Entwicklung grüner Wasserstoffprojekte erfordert eine starke Kombination aus Infrastruktur, Zugang zu erneuerbaren Energien und enger Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren. Wir freuen uns, das Potenzial dieses Projekts mit unseren Partnern weiter zu erkunden“, sagt unverbindlich Amanda Cardwell, Leiterin Projektentwicklung bei ABO Energy Suomi. 

Oulu beherberge derzeit die größte Pipeline geplanter Projekte zur Herstellung von sauberem Wasserstoff in der Ostseeregion und arbeite gleichsam an einem „Masterplan“ für das Gebiet Pyyryväinen. „Unser Ziel ist es, die gesamte Wasserstoffwertschöpfungskette zu etablieren, von der Produktion über die Downstream-Verarbeitung bis hin zu Endanwendungen“, sagt Ari Alatossava, Bürgermeister von Oulu. Die langfristige Zusammenarbeit mit Abo Energy sei ein „wichtiger nächster Schritt nach vorn“.

Aufbau wasserstoffbezogener Industrien

Die Region sei das größte Gebiet für die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen. Die Stadt baue „systematisch eine Infrastruktur aus, um das Wachstum wasserstoffbezogener Industrien zu unterstützen“. Oulu verfügt über einen Tiefwasserhafen, der zum internationalen Transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN-T) gehört, sowie über ein umfangreiches Eisenbahn- und Straßennetz. Auch die Universität von Oulu sei in den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft involviert.

Oulu hat in letzter Zeit (wie berichtet) bereits mit mehreren Firmen Kooperationsvereinbarungen für das Planungsgebiet Pyyryväinen getroffen. Würden sämtliche Plane umgesetzt, könnte dies Investitionen in Milliardenhöhe bedeuten. Zur Unterstützung der H2-Projekte arbeitet der staatliche finnische Gasnetzbetreiber Gasgrid Finland Oy am Aufbau einer Wasserstofftransportinfrastruktur, um die Produktionsstätten in Oulu mit dem übrigen Finnland und anderen europäischen Ländern, einschließlich Deutschland, zu verbinden. Auch die Anlage von Abo Energy würde nach Unternehmensangaben an das geplante nationale Wasserstoffnetz von Gasgrid angeschlossen, hieß es schon 2025 (mehr dazu).

Abo Energy Deutschland in Restrukturierung

Die Abo Energy GmbH beendete in Deutschland erstmals ein Geschäftsjahr mit Verlust und arbeitet an einer Restrukturierung. 2025 fiel ein Minus von 170 Millionen Euro an. Jüngst hatte Abo Energy einen Elektrolyseur nebst Wasserstofftankstelle in Hünfeld an Tyczka Hydrogen verkauft. Überdies gehen die ungarischen und polnischen Landesgesellschaften an den griechischen Energiekonzern PPC. Dazu gehört nach Unternehmensangaben eine Pipeline aus Projekten in der Entwicklung mit einer Gesamtleistung von rund zwei Gigawatt, fünf bereits in Betrieb befindliche Solarparks und ein weiterer Solarpark kurz vor Inbetriebnahme. 

Allerdings habe dies laut Abo Energy keinen Einfluss auf die Entwicklung eines Sanierungs- und Finanzierungskonzepts. „Nach den Verkäufen unserer griechischen Tochtergesellschaft und eines Großteils der finnischen Windkraftpipeline ist der Verkauf der ungarischen und polnischen Tochtergesellschaften ein weiterer Schritt auf dem Weg, uns auf die Länder zu konzentrieren, in denen wir wirtschaftlich langfristig erfolgreich sein können“, sagte Geschäftsführer Karsten Schlageter Anfang August. Mit Kapitalgebern wurde im Juli eine Stillhaltevereinbarung bis 30. November 2026 verlängert.

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Pyyryväinen ist derzeit ein nahezu unerschlossenes etwa 1.400 Hektar großes Gebiet neben dem Industriegebiet Välikylä und nahe der Autobahn 20. Die Gemeinde Oulu will die weniger als zehn Kilometer nordöstlich des Zentrums gelegene Region zu einem industriellen Cluster mit „grüner Transformation“ entwickeln. © Stadtverwaltung Oulu