(Flensburg / Deutschland) – Das Forschungsschiff „Modularis“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) schwimmt. Der Rohbau der „Technologieplattform“ – wie das DLR das Gefährt nennt – wurde auf der Werft der FSG Shipyard GmbH in Flensburg erstmals zu Wasser gelassen. Mit der Modularis würden „die Möglichkeiten erweitert, neue maritime Technologien unter realen Bedingungen zu erproben und schneller in die Anwendung zu bringen“, sagt Stéphane Beemelmans, stellvertretender Vorsitzender des DLR-Vorstands.

Letzte Vorbereitungen: Ein Mitarbeiter der Werft löst eine Fixierung, damit die Modularis ins Wasser rutschen kann. © DLR (CC BY-NC-ND 3.0)

„Für unser Team ist der heutige Stapellauf ein ganz besonderer Moment“, sagt Sören Ehlers, Direktor des DLR-Instituts für Maritime Technologien und Antriebssysteme. „Hinter uns liegen intensive Monate, in denen aus Planungen und einzelnen Komponenten Schritt für Schritt die Forschungsplattform Gestalt angenommen hat.“ In den nächsten Wochen wird sie mit mehreren Schleppern über den Nord-Ostsee-Kanal nach Bremerhaven verholt.

Die Modularis dreht ihre erste Runde in der Flensburger Förde. Der Rohbau wird für den weiteren Ausbau von Flensburg nach Bremerhaven geschleppt. © DLR (CC BY-NC-ND 3.0)

Auf der dortigen Lloyd Werft folgen der Innenausbau, und die weitere technische Ausrüstung wird vervollständigt. Ein Großteil der Türen, Fenster und Treppen sei bereits montiert. Im Fokus des 48 Meter langen und 11,5 Meter breiten Versuchsschiffes stehen unter anderem alternative Antriebe, Brennstoffzellen, Sensorik, Automatisierung und autonome Funktionen. Die Systeme könnten dabei einzeln und im Zusammenspiel erprobt werden. Aufgrund redundanter Sicherheits- und Steuerungssysteme ließen sich auch neuartige, noch nicht zertifizierte Energie-, Navigations- und Kommunikationssysteme testen. Das beschleunige Entwicklungs- und Zertifizierungsprozesse.

Im Mai feierte das DLR mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft die Kiellegung des ersten Moduls der seegängigen Technologieplattform. © DLR (CC BY-NC-ND 3.0

Seit der Kiellegung im Mai wurden bereits wichtige Komponenten eingebaut. Dazu gehörten die Hauptmotoren, die den Schiffsantrieb auch beim Ausfall von Testkomponenten sicherstellten, sowie eine Wärmepumpe und die Klimaanlage. Ein digitaler Zwilling – also ein virtuelles Modell des Schiffs – ermögliche zudem umfassende Simulationen und Analysen als Vorbereitung und Ergänzung der praktischen Entwicklungsarbeiten.

Künftiger Heimathafen in Kiel: Dort eröffnete das DLR-Institut für Maritime Technologien und Antriebssysteme auf dem ehemaligen MaK-Werksgelände Büros und Hallen. Die Modularis bekommt dort einen eigenen Anleger mit einem rund 200 Meter langen Kai. © DLR (CC BY-NC-ND 3.0)

Das Schiff bietet 20 Personen Platz für Einsätze von sieben Tagen. Geplant sind Erprobungsfahrten vor allem in Nord- und Ostsee sowie im Mittelmeer. Neben  Brennstoffzellen und Antriebe testen die DLF-Forscher auch den Einsatz unterschiedlicher Treibstoffe wie Methanol, Ammoniak oder Wasserstoff. Dazu wird das Schiff über einen experimentellen Maschinenraum verfügen. Zusätzlich ermöglicht die Technologieplattform den Einsatz unbemannter Systeme wie Drohnen. Der Bund finanziert das Projekt mit 36 Millionen Euro.

Versuchsaufbauten des DLR am Kieler Standort: Das Projekt MERE (Methanol Release) befasst sich mit Sicherheitsfragen beim Einsatz von Methanol als Schiffskraftstoff. © DLR / Frank Peter

Nach der Fertigstellung 2027 hat das Schiff seinen Heimathafen in Kiel. Dort eröffnete das DLR-Institut für Maritime Technologien und Antriebssysteme auf dem ehemaligen Werksgelände des Unternehmens Maschinenbau Kiel (MaK) Gebäude für Büros und Hallen mit mehr als 4.200 Quadratmetern. Hinzu kommen rund 1.200 Quadratmeter Außenfläche. Die Modularis hat dort einen eigenen 200 Meter langen Anleger. So ließen sich die Forschung an Land und Erprobung auf See eng miteinander verbinden. 

Visualisierung: Die Plattform soll klimaverträgliche Antriebssysteme, das autonome Fahren sowie neue Technologien erproben. © DLR (CC BY-NC-ND 3.0)

In Kiel gibt es bereits zwei Versuchsaufbauten: MERE (Methanol Release) befasst sich mit Sicherheitsfragen beim Einsatz von Methanol als Schiffskraftstoff. NAUTILUS (Nautical Integrated Hybrid Energy System for Long-haul Cruise Ships) verbindet Hochtemperatur-Brennstoffzellen und Batterien zu einem hybriden System für die Strom- und Wärmeversorgung großer Schiffe. In den kommenden Jahren würden die Labor- und Versuchsflächen schrittweise erweitert. Geplant seien vier Testhallen für Energiewandler und Energiespeicher, ein Raum für die Batterieforschung sowie Labore für Materialuntersuchungen, Stromnetze, Elektrotechnik und maritime Messtechnik. Damit werde das Industrieareal in Kiel-Friedrichsort mit seiner mehr als 100-jährigen Geschichte zu einem Industrie- und Forschungscampus für Wasserstoff und nachhaltige Anwendungen weiterentwickelt, so das DLR.

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Die Modularis schwimmt: Stapellauf der DLR-Forschungsplattform in Flensburg. © DLR (CC BY-NC-ND 3.0)