(Brüssel / Belgien) – Die Fahrzeugbauer Toyota und Scania wollen Brennstoffzellen großflächig bei schweren Lkw testen. Im Rahmen des Pilotprogramms würden die Systeme der dritten Generation der Japaner mit 300 Kilowatt Leistung in einem kompakten Design in 40 Scania-Fahrzeuge integriert. Die ersten damit ausgerüsteten Lkw gingen Anfang 2027 in Betrieb. Ziel sei es, aufgrund realer Daten das Potenzial der Technologie zu bewerten.

Toyotas Brennstoffzellenmotor der dritten Generation mit 300 Kilowatt Leistung, hier auf der IAA Hannover 2026. © Toyota Motor Corp.
Da „die Anwendungen emissionsfreier schwerer Brennstoffzellen weiter wachsen“, erwarte man, „dass diese Initiative die technische Leistung, die Betriebseffizienz und die Gesamtkosten bestätigt“. Wasserstoff sei „die richtige Lösung für anspruchsvolle Schwerlastanwendungen, bei denen große Reichweite, hohe Auslastung und operative Effizienz unerlässlich sind“, sagt Hiroki Nakajima, Executive Vice President, Toyota Motor Corporation. Mit der Integration der Brennstoffzellensysteme in die Logistikabläufe der Scania-Kunden „machen wir gemeinsam einen wichtigen Schritt, um wasserstoffbetriebener Mobilität eine größere Rolle in der europäischen Transportindustrie zu ermöglichen.“ Schwerlastverkehr sei „der Schlüssel zum Aufbau der Wasserstoffnachfrage und -infrastruktur“.
Zusammenarbeit auch mit Iveco
Überdies verkündete der japanische Hersteller eine Zusammenarbeit mit der italienischen Industrial Vehicles Corporation SpA (Iveco). Auch hier werde Toyota das 300-kW-Brennstoffzellensystem für eine neue Lkw-Generation bereitstellen. Die Reichweite der „Iveco S-eWay Fuel Cell“ betrage 900 Kilometer, ausgelegt sei der Antrieb für mehr als 25.000 Betriebsstunden. Die Validierung beginne im vierten Quartal 2026, Straßentests seien für die erste Hälfte des Jahres 2027 geplant, gab Toyota am Montag auf der jetzt beginnenden Messe IAA in Hannover bekannt.
Hilux mit Brennstoffzellen auf der Rallye Dakar
Darüber hinaus teste Toyota weiterhin Wasserstofftechnologien „in anspruchsvollen Umgebungen“. So werde der Konzern mit seiner Motorsportabteilung Gazoo Racing den Pick Up „Hilux“ mit Brennstoffzellen ausstatten und bei der Dakar-Rallye in der Kategorie für emissionsfreie Prototypen „Future Mission 1000“ einsetzen.

Im Jahr 2028 will Toyota den Pick Up „Hilux Fuel Cell“ auf den Markt bringen. Zuvor testet die Motorsportabteilung Gazoo Racing das Fahrzeug als Prototyp in der Dakar Rallye. © Toyota Motor Corp.
2028 soll der Hilux Fuel Cell mit einer angestrebten Reichweite von mehr als 400 Kilometern und einer Anhängelast von 2,5 Tonnen auf den Markt kommen. Doch würden Fahrzeuge allein nicht ausreichen, um die Wasserstoffmobilität zu skalieren, so die Unternehmenseinschätzung. Infrastruktur, Wasserstoffangebot, Kundennachfrage und politische Rahmenbedingungen müssten sich gemeinsam entwickeln, um lokale Wasserstoffökosysteme zu schaffen, die sich schrittweise in breitere Netzwerke anbinden könnten.

Im Juni 2024 hat Cellcentric in Esslingen die Pilotproduktion seiner Brennstoffzellensysteme für Lkw aufgenommen. Toyota tritt dem Joint Venture von Volvo und Daimler jetzt bei. © Cellcentric GmbH & Co KG
Im Juli hatte Toyota seine Beteiligung an der Kirchheimer Cellcentric GmbH festgeklopft, ein von der Volvo Group und der Daimler Truck AG gegründetes Joint Venture zur Produktion von Brennstoffzellen. Die Anteile waren bislang hälftig aufgeteilt. Toyota wird gleichberechtigter Partner und Anteilseigner. Künftig werde jeder Gesellschafter ein Drittel der Anteile halten. Der geplante Einstieg war im März bekannt gegeben worden. Der Abschluss der Transaktion wird gegen Ende des Jahres 2026 oder Anfang 2027 erwartet. (mehr dazu).
Foto oben
In einem Pilotprojekt erhalten 40 schwere Lkw von Scania Brennstoffzellen von Toyota, um Betriebsdaten unter realen Bedingungen zu sammeln. © Scania Group



