Deutschland: Bundesregierung und Algerien wollen wirtschaftliche Zusammenarbeit bei Wasserstoff vertiefen +++ Deutschland: Regelmäßiger Austausch mit Namibia zum Hyphen-Wasserstoffprojekt +++ Großbritannien: Zero Avia und Marshall Aerospace prüfen Wasserstoffnutzung für militärische Zwecke +++ Deutschland: Erzeugung von solarem Wasserstoff durch Kopplung von Elektrolyse mit Vierfachsolarzellen +++ Usbekistan: Allied Biofuels und Sinopec unterzeichnen FEED-Vertrag für 6 Milliarden Dollar schweres SAF-Projekt +++ Deutschland: Förderung für heimischen grünen Wasserstoff mittels CfD möglich +++ Schweden: Stegra sammelt 1,4 Milliarden Euro ein +++ Deutschland: Eins Energie bekommt 30 Millionen Euro Fördermittel für Wasserstoffanbindung und Energiespeicher in Chemnitz

Eine Auswahl von PtX-Themen zum Wochenabschluss zusammengefasst

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Wollen gemeinsam mit Italien die Wasserstoffpipeline durch das Mittelmeer nach Europa voranbringen: Bundeskanzler Merz und der algerische Staatspräsident Tebboune im Kanzleramt. © Bundesregierung / Kugler

(Deutschland) Bei einem Treffen des algerischen Staatspräsidenten Abdelmadjid Tebboune mit Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin betonten beide ihre Absicht, die Energiepartnerschaft der Länder zu intensivieren. Algerien habe in den letzten Jahren einen „sehr wichtigen Beitrag zur Energieversorgungssicherheit Europas geleistet“ und war zweitgrößter Pipeline-Gaslieferant der Europäischen Union, sagte Merz. Man wolle auch den Export von Wasserstoff aus Algerien voranbringen und gemeinsam mit Italien den südlichen Wasserstoffkorridor weiter entwickeln. Auch Tebboune wies auf den südlichen Wasserstoffkorridor als Leuchtturmprojekt hin, welches „eine wichtige Rolle für erneuerbare Energien und deren Ausbau spielt“.

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Das Hyphen-Projekt ist auf Gebiet der Aman-Nama im heutigen Tsau-IlKhaeb-Nationalpark geplant. © Hyphen Hydrogen Energy (Pty) Ltd.

(Deutschland) In einer Kleinen Anfrage äußerte die Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag Bedenken gegen das Wasserstoffprojekt Hyphen in Namibia auf dem Gebiet der Nama. Die Abgeordneten bemängelten eine fehlende Auseinandersetzung mit der Rolle der Kolonialdeutschen in dem einst „Deutsch-Südwestafrika“ (1884 bis 1915) genannten Land (mehr dazu). In der jetzt vorliegenden Antwort schreibt die Bundesregierung, eine Einzelauflistung von Kontakten und Treffen, die es mit Vertretern der Nama seit dem Jahr 2020 zu dem Vorhaben gegeben habe, sei „in der Kürze der Zeit nicht möglich“ (DS 21/7199). Vertreter der Bundesregierung stünden „auf allen Ebenen in regelmäßigem Austausch“ sowohl mit Regierungsvertretern aus Namibia als auch mit Vertretern der Zivilgesellschaft, darunter auch den Nama. Dies umfasse sowohl Fragen im Zusammenhang mit der Wasserstoffproduktion als auch „die Aufarbeitung der deutschen Kolonialverbrechen“, heißt es in der Antwort. Hyphen Hydrogen Energy wurde im November 2021 von der namibischen Regierung als bevorzugter Bieter für ein Projekt zur Produktion von grünem Wasserstoff im Tsau-IlKhaeb-Nationalpark nahe Lüderitz ausgewählt. Dort sollen jährlich bis zu 350.000 Tonnen Wasserstoff, umgewandelt in rund zwei Millionen Tonnen Ammoniak, produziert und nach Europa exportiert werden. Das Projekt befindet sich weiter in der Vorbereitungsphase. Ursprünglich war geplant, dass im Verlauf des Jahres 2027 mit der kommerziellen Produktion von grünem Wasserstoff begonnen werden sollte.

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Christine Ourmières-Widener, Executive Chair von Zero Avia und Bob Baxter, CEO Marshall Aerospace: „Die Zusammenarbeit soll das Potenzial des wasserstoffelektrischen Antriebs nutzen und in militärische Fähigkeiten umwandeln.“ © Zero Avia

(Großbritannien) Der britisch-amerikanische Entwickler von wasserstoffelektrischen Flugzeugen Zero Avia Inc. und Marshall Aerospace wollen gemeinsam die Nutzung von Wasserstoff „für zukünftige Verteidigungsanwendungen“ erforschen. Die Zusammenarbeit ziele darauf ab, Zero Avias wasserstoffelektrische Energie- und Antriebssystemtechnologien „mit Marshalls Expertise in militärischer Flugzeugmodifikation, Integration, Zertifizierung und komplexen Kraftstoffsystemen zu verbinden“, teilten die Unternehmen mit. Sie betonten, dass es sich um „eine frühe Phase“ handelt, die sich auf Prototyping und Bewertung konzentriere. Weitere Entscheidungen über den operativen Einsatz würden folgen, sobald die Technologie und ihre Anwendungen getestet worden seien.

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Labormaßstab: In Feldtests wandelte der Demonstrator des Photovoltaik- / Elektrolyse-Moduls (rechts) mit einer Linsenfläche von 64 Quadratzentimetern bis zu 31,3 Prozent der Sonnenenergie in chemische Energie um. © Fraunhofer ISE

(Deutschland) Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE haben ein kombiniertes Photovoltaik- / Elektrolyse-Modul entwickelt, das Wasserstoff direkt aus Solarenergie produziert. Dafür werde das Wassermolekül mithilfe der hohen Photospannung von Mehrfachsolarzellen gespaltet, die wiederum elektrisch und thermisch mit Elektrolysezellen verbunden seien. Ein im Freien vermessener Demonstrator des Forschungsteams wandele bis zu 31,3 Prozent der Sonnenenergie in chemische Energie (Brennwert des Wasserstoffs). „Ein Fresnel-Linsenarray bündelt direktes Sonnenlicht auf hocheffiziente III-V Solarzellen, für diesen Anwendungsfall mit einer Leerlaufspannung von über vier Volt“, sagt Projektleiter Juan Francisco Martínez Sánchez. Die Solarzellen seien für die Wasserstoff-Produktion direkt mit der Kathode und der Anode von zwei in Reihe geschalteten PEM-Elektrolysezellen verbunden worden. Der PV-Strom werde ohne Umwege und ohne Verluste direkt zur Wasserstoff-Erzeugung genutzt. Aktuell würden diese zurzeit effizientesten Solarzellen der Welt vor allem im Weltall eingesetzt, könnten aber in konzentrierenden Solarmodulen auch auf der Erde Strom wirtschaftlich und effizient produzieren. Zur Entwicklung des Konzepts zu einem wettbewerbsfähigen System suche man nun Investoren für eine geplante Ausgründung mit dem Namen „Clearsun Energy“.

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Im Mai haben Alfred Benedict, Vorstandsvorsitzender von Allied Biofuels (rechts), und die staatliche usbekische Flughafengesellschaft einen Kooperationsvertrag zur Lieferung nachhaltiger Treibstoffe abgeschlossen. © Allied Biofuels FE LLC

(Usbekistan) Der australische Projektentwickler Allied Biofuels Uzbekistan FE LLC und die chinesische Sinopec Engineering Group Co., Ltd. haben einen Vertrag zur Erstellung einer FEED-Studie (Frontend-Design) für die Entwicklung einer Fabrik für nachhaltige Flugtreibstoffe unterzeichnet. Den Angaben zufolge solle dies auch in einen Auftrag für Ingenieurdienstleistungen (EPC, Engineering Procurement Construction) münden. Allied Biofuls will in Usbekistan 6,1 Milliarden US-Dollar investieren. Die Kapazität der Fabrik umfasse 160.400 Tonnen nachhaltigen Treibstoff (Sustainable Aviation Fuel, SAF), 257.000 Tonnen grünen Treibstoff (e-SAF) und mehr als 5.000 Tonnen Biodiesel. Zur Produktion würden Erneuerbare-Energien-Anlagen mit einer Leistung von 4,45 Gigawatt und Speicher mit 1.600 Megawattstunden Kapazität installiert. Geplant sind Elektrolyseure mit 2,4 Gigawatt Leistung, von denen einer Mitteilung vom Oktober zufolge zwei Gigawatt der US-Hersteller Plug Power Inc. liefern soll (mehr dazu). Die Flugkraftstoffe dienten sowohl dem inländischen als auch dem internationalen Markt. Im Mai hatte Allied Biofuels bereits einen vorläufigen Abnahmevertrag mit der staatlichen Uzbekistan Airports JSC unterzeichnet, die im Land elf internationale Flughäfen betreibt.

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Studie: CfD-Förderung heimischen grünen Wasserstoffs hat eine hohe Hebelwirkung. © Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH

(Deutschland) Die Elektrolyse-Industrie-Wirtschaftsallianz (EIWA) hat ein Programm vorgeschlagen, um den Wasserstoffhochlauf voranzubringen. Dieses sieht eine auf Differenzverträgen (Contracts for Difference, CfD) beruhende staatliche Förderung für die Wasserstofferzeugung aus den ersten zehn Gigawatt an inländischen Elektrolyseanlagen vor. Möglich sei es demnach, ab 2027 über fünf Jahre hinweg jeweils zwei Gigawatt Leistung auszuschreiben. Die Förderung soll für jede Anlage über einen Zeitraum von 20 Jahren laufen. Das Wuppertal Institut hat im Auftrag der EIWA anhand von drei Szenarien die möglichen Kosten dieses Fördermodells untersucht. Demnach sei ein maximaler Gebotspreis „ein zentrales Steuerungsinstrument mit hoher Hebelwirkung“. Gebotspreise unter sieben Euro pro Kilogramm seien ambitioniert, „erscheinen aber grundsätzlich erreichbar“. Würde der maximale Gebotspreis für Ausschreibungen auf sieben Euro pro Kilogramm Wasserstoff begrenzt, beliefen sich die gesamten Förderkosten auf 76 Milliarden Euro über 20 Jahre. Durch eine sonstige  Direktvermarktung des produzierten Wasserstoffs außerhalb der Förderung ließen sich die Kosten insgesamt auf 30 Milliarden Euro senken. Würde zusätzlich der CO2-Preis aus dem Emissionshandel bei der Berechnung des Erdgas-Referenzpreises berücksichtigt, reduziere sich der Förderbedarf um weitere rund drei Milliarden Euro. Insgesamt lägen die Förderkosten dann bei etwa 27 Milliarden Euro. Sofern die Elektrolyseure mit Windkraftanlagen gekoppelt würden, wären auch Strombezugskosten von 60 Euro pro Megawattstunde und Gebotspreise von 5,20 Euro pro Kilogramm H2 möglich – und damit eine Senkung der Förderkosten auf 14 Milliarden Euro. Hintergrund der Vorschläge ist die Einschätzung, dass das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 Elektrolyse-Kapazitäten von zehn Gigawatt aufzubauen, deutlich verfehlt werden, wenn sich der Ausbau nicht spürbar beschleunigt. Die Kurzstudie „Erforderliche Förderkosten durch ein CfD-Instrument für inländische grüne Wasserstofferzeugung“ gibt es kostenfrei als PDF (28 Seiten).

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Im April hatte Stegra sämtliche 37 Elektrolyseurmodule installiert. Der Vollbetrieb mittels zur Eisen- und Stahlherstellung auf DRI-Basis soll 2027 beginnen. © Stegra AB

(Schweden) Stegra AB hat jüngst seine im April angekündigte Finanzierungsrunde mit Zusagen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro abgeschlossen. Das von Wallenberg Investments geführte Investoren-Konsortium besteht aus den bestehenden Investoren IMAS und Temasek sowie den neuen Investoren Bolero und SEB-Stiftelsen. Darüber hinaus investiert eine große Gruppe der bestehenden Stegra-Aktionäre weiterhin in das Unternehmen. Dazu gehören Altor, Hy24 und Just Climate sowie AMF, AP2, Climate Infrastructure Fund, Kallskär, Kobe Steel, Lingotto Innovation, Scania, Schaeffler, Security Trading, Stena Metall Finans und Swedbank Robur. Außerdem unterstütze eine Gruppe von Kreditgebern unter der Leitung von AIP Management das Projekt als direkte Eigenkapitalinvestoren. Stegra wird außerdem durch Mittel des EU-Innovationsfonds und der Schwedischen Energieagentur unterstützt. Das Unternehmen baut derzeit in Schweden ein neues Werk, das Stahl mit grünem Wasserstoff aus erneuerbarem Strom herstellen wird.

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Eins Energie bekommt 30 Millionen Euro Fördermittel für Wasserstoffanbindung und Energiespeicher in Chemnitz. © Stadt Chemnitz / Janine Auerswald

(Deutschland) Der Energieversorger Eins Energie in Sachsen GmbH & Co. KG bekommt EU-Fördermittel in Höhe von über 30,3 Millionen Euro. Das Geld dient zum einen der Vorbereitung einer Anbindung der Stadt Chemnitz an das künftige Wasserstoffkernnetz. Von den Mitteln sind 20,7 Millionen Euro für die Umstellung bestehender Gasleitungen auf Wasserstoff sowie für den Bau neuer Pipelines vorgesehen. Damit solle Chemnitz bis 2030 an die östlich von Freiberg verlaufende OPAL-Leitung angebunden werden. Zum anderen erhält Eins Energie 9,6 Millionen Euro für den Bau einer PV-Freiflächenanlage mit einer Leistung von 15 MW sowie eines Großbatteriespeichers (15 MW / 30 MWh) am Energiepark Galgenberg im Chemnitzer Stadtteil Röhrsdorf. Der Batteriespeicher kann Strom aus erneuerbaren Energien zwischenspeichern, Lastspitzen ausgleichen und zusätzliche Systemdienstleistungen für das Stromnetz bereitstellen. Die Lithium-Ionen-Batteriemodule werden in 20-Fuß-Containern untergebracht. Die Inbetriebnahme der PV-Anlagen und des Batteriespeichers sind für 2028 geplant.

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iStock / © Danil Melekhin