(Stuttgart / Deutschland) – Baden-Württemberg soll bis 2040 treibhausgasneutral werden. So will es das Klimagesetz des Bundeslandes. Um dieses Ziel zu erreichen, sei „ein tiefgreifender Umbau unseres Energiesystems und eine weitreichende Umstellung auf innovative und emissionsfreie Technologien in allen Sektoren notwendig“, heißt es in einer Mitteilung des Umweltministeriums. Dabei spiele „der Auf- und Ausbau einer erneuerbaren Wasserstoffwirtschaft eine entscheidende Rolle“.

Das Umweltministerium hat Strategien und Konzepte für ein Wasserstoff-Versorgungskonzept veröffentlicht. © Umweltministerium Baden-Württemberg
Im Dezember 2020 hatte das Kabinett die Wasserstoff-Roadmap als Grundlage für die Aktivitäten der Landesregierung im Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft Baden-Württembergs beschlossen. Mit dem ersten Fortschrittsbericht 2023 wurde die Roadmap weiterentwickelt. Das Umweltministerium hat nun Strategien und Konzepte für ein Wasserstoff-Versorgungskonzept veröffentlicht. Die darin zusammengefassten Optionen und Wege betreffen Parameter entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Erzeugung bis zur Anwendung. Sie zeigen den Stand des Wasserstoffmarkthochlaufs, die voraussichtlichen Wasserstoffbedarfe, Aufbau eines Wasserstoffnetzes, die lokale Erzeugung sowie internationale Potenziale und Wasserstofftransportoptionen.
- Nachfrage: Die Preise auf der Nachfrageseite und die Investitionskosten in Erzeugungsanlagen müssten sich stufenweise annähern. Ermittelte Bedarfe seien Indikatoren für die weitere Entwicklung. Die Landesregierung will die Prognosen durch Studien und Erhebungen begleiten, um eine höhere Planungssicherheit zu gewährleisten. Auf Bundesebene sollten die Bedarfe regelmäßig im Netzentwicklungsplan (NEP) Gas- und Wasserstoff überprüft werden.
- Infrastruktur: Ein wesentlicher Faktor sei die Einrichtung eines Transportsystems (Kernnetz, Verteilnetz) einschließlich Speicher für große Mengen an Wasserstoff. Der Aufbau der Pipelineinfrastruktur sei nur bei unterstützenden Rahmenbedingungen möglich. Der Bund solle die Finanzierungsbedingungen für Investitionen der Fernleitungsnetzbetreiber in das Kernnetz verbessern und weitere Verbindungen im Süden Baden-Württembergs berücksichtigen, insbesondere die Verlängerung des Kernnetzes entlang der Rheinschiene. Der Auf- und Ausbau eines Verteilnetzes solle in den Netzentwicklungsplan aufgenommen werden. Die Landesregierung prüfe überdies die Wasserstoffspeicherkapazitäten.
- Lokale Erzeugung: Um die Nachfrage zu decken, die zeitlich vor der Inbetriebnahme oder räumlich außerhalb des Einzugsbereichs von Wasserstoffnetzen entsteht, sei der Aufbau regionaler und lokaler Erzeugungskapazitäten wichtig. Diese müssten mittel- bis langfristig wirtschaftlich betrieben werden können und regionale Wertschöpfungsketten unterstützen. Dies hänge vor allem von den Kapitalkosten, dazugehörigen Infrastrukturen, den Bezugskosten für den erneuerbaren Strom sowie den Betriebsstunden des Elektrolyseurs ab.
- Importe: Wichtige Ziele seien stabile Lieferbeziehungen und eine Diversifizierung der Importe. Die Landesregierung unterstütze den Aufbau eines globalen Wasserstoffmarktes sowie die Intensivierung von Wasserstoffpartnerschaften. Auktionsmodelle wie H2Global gelte es weiterzuentwickeln, sodass auch kleine und mittlere Unternehmen diese nutzen können.
Die Umsetzung und Weiterentwicklung der Konzepte und Strategien wird durch die Plattform H2BW unterstützt, die bei der Landesagentur für neue Mobilitätslösungen und Automotive Baden-Württemberg e-mobil BW GmbH eingerichtet wurde.
Das „Wasserstoff-Versorgungskonzept für Baden-Württemberg“ des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft gibt es kostenfrei als PDF (47 Seiten).
Teil des Versorgungskonzepts ist eine „Fakten und Parameteranalyse“ (78 Seiten) der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH (LBST) und des Fraunhofer ISE.
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Baden-Württemberg erarbeitet einen Fahrplan für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. © Staatskanzlei Baden-Württemberg



