Schweden: Stegra installiert letztes Elektrolysemodul für grünen Wasserstoff +++ Niederlande: Air Products hat Flüssigwasserstoffanlage in Rotterdam zu zwei Dritteln abgeschlossen +++ Bulgarien: Hydrogenera liefert ein 2-MW-Alkali-Elektrolysesystem für LE Power GmbH in die Ukraine +++ Kanada: Aurora Hydrogen sichert sich 3 Millionen Dollar von Oldendorff Overseas +++ Großbritannien: GeoPura und Forth Ports wollen im Hafen von Tilbury grünen Wasserstoff produzieren +++ Deutschland: Energielobby fordert Wasserstoffgesetz +++ Kanada: Plug Power bekommt von Hy2gen den FEED-Auftrag für 275-MW-Elektrolysesystem +++ Deutschland: Forscherkonsortium entwickeln recyclinggerechte Konzepte für Brennstoffzellen +++ China: Preis für Wasserstoff soll auf 1,90 Euro sinken +++ Deutschland: Fraunhofer FEP entwickelt Titan-Beschichtung für Komposit-Bipolarplatten +++ China: Shanghai Electric liefert Biomethanol in großem Maßstab an französisches Containerschiff +++ Finnland: Polen und Finnland gründen Wasserstoffcluster für den Ostseeraum

Eine Auswahl von PtX-Themen zum Wochenabschluss zusammengefasst

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Stegra hat sämtliche 37 Elektrolyseurmodule installiert und geht nun in die nächste Phase bis zur Inbetriebnahme. © Stegra AB

(Schweden) Stegra AB hat in Boden die Installation des letzten von insgesamt 37 Elektrolyseurmodulen abgeschlossen. Diese seien in mehr als 800 Containern angeliefert worden und fügten sich jetzt zu „Europas größter Produktionsanlage für grünen Wasserstoff“ zusammen. Nunmehr gehe es in die nächste Phase zur Inbetriebnahme. Stegra (bis September 2024 „H2 Green Steel“) baut derzeit in Schweden ein neues Werk, das Stahl mit grünem Wasserstoff aus erneuerbarem Strom herstellen wird. Die ersten Produktionslinien sollen 2026 mit recyceltem Stahlschrott als Rohstoff starten gehen, kurz darauf werde die Eisen- und Stahlherstellung auf DRI-Basis beginnen und 2027 die volle Produktionskapazität erreicht, hieß es in einer früheren Mitteilung. Bis 2028 strebt das Unternehmen einen stabilen Betrieb der Anlagen für grünen Wasserstoff, grünes Eisen und grünen Stahl an. Im Januar dieses Jahres hatten Stegra und Thyssenkrupp Materials Processing Europe eine erste Stahllieferung ab 2027 vereinbart. Die Gesamttonnage des Abkommens liege den Angaben zufolge „im hohen sechsstelligen Bereich“.

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Air Products meldet Baufortschritte bei seiner neuen Flüssigwasserstoffanlage im Rotterdamer Hafen. © Port of Rotterdam / martensmultimedia

(Niederlande) Der Industriegashersteller Air Products hat den Bau einer neuen Flüssigwasserstoffanlage im Rotterdamer Hafengebiet zu über 65 Prozent abgeschlossen. Die Anlage unterstütze die wachsende Nachfrage aus Sektoren wie der Elektronikfertigung, Weltraumanwendungen, der industriellen Verarbeitung, der Mobilität, maritimen Anwendungen und der Luftfahrt. Sie werde in das bestehende Wasserstoffnetz von Air Products im Rotterdamer Industriecluster integriert und beliefere Abnehmer in den Benelux-Ländern, Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Die Inbetriebnahme ist für 2027 vorgesehen.

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Hydrogenera liefert ein 2-MW-Alkali-Elektrolysesystem für LE Power GmbH in die Ukraine. © Hdrogenera

(Bulgarien) Hydrogenera liefert ein 2-MW-Alkali-Elektrolysesystem mit einer Leistung von zwei Megawatt für ein grünes Wasserstoffprojekt in die Ukraine. Hydrogeneras Generalvertretung Hydro Future GmbH hat den Angaben zufolge einen Vertrag mit der LE Power GmbH zur Umsetzung des Projekts unterzeichnet. Das Elektrolyseursystem wird in der Ukraine in Betrieb genommen und erzeugt Wasserstoff mit einer Reinheit von 99,999 Prozent für Industriekunden in Deutschland. Die Bundesregierung unterstütze das Vorhaben mit einem Zuschuss in nicht genannter Höhe. Die Inbetriebnahme ist für Juni 2027 geplant.

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Aurora Hydrogen sichert sich drei Millionen Dollar von Oldendorff Overseas für seine Methan-Pyrolyse-Technologie zur Erzeugung von Wasserstoff, etwa auf Schiffen. © EIC Rose Rock

(Kanada) Der Wasserstoffspezialist Aurora Hydrogen hat drei Millionen Dollar (2,6 Millionen Euro) von Oldendorff Overseas Investments (OOI) akquiriert. Die Mittel der Investitionsplattform der Hamburger familiengeführten Reederei NORD Group sollen den Einsatz von Auroras Technologie für Schiffe vorantreiben. Die Vereinbarung beinhaltet den Angaben zufolge die langfristige Verpflichtung von OOI zum Kauf von Aurora-Anlagen, um die Dekarbonisierung der Reederei zu unterstützen. Aurora erzeuge kostengünstigen Wasserstoff aus Erdgas und produziere festen Kohlenstoff als Nebenprodukt, wodurch die CO2-Abscheidung oder -Speicherung entfalle. Die skalierbaren Systeme seien für den direkten Einsatz etwa in Häfen und auf Schiffen konzipiert. Aurora, ein Portfoliounternehmen des Risikokapitalgebers EIC Rose Rock, optimiere derzeit seine Demonstrationsanlage. Die kontinuierliche Wasserstoffproduktion sei für 2027 geplant. Aurora hat bis heute 14 Millionen Dollar von Investoren wie OOI, EIC Rose Rock, Energy Innovation Capital, Williams, Chevron Technology Ventures und Shell Ventures sowie rund zehn Millionen Dollar von der kanadischen Regierung und Förderprogrammen wie Natural Resources Canada, NGIF Accelerator, Alberta Innovates und Sustainable Development Technology Canada eingeworben.

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GeoPura und Forth Ports wollen im Hafen von Tilbury grünen Wasserstoff produzieren . © Thames Freeport Ltd.

(Großbritannien) GeoPura und Forth Ports Ltd. wollen grünen Wasserstoff im wichtigsten Londoner Hafen Tilbury produzieren. Die Anlage werde die Dekarbonisierung der Logistikzentren Großbritanniens unterstützen und Tilbury zu einem der ersten großen britischen Häfen machen, die eine Wasserstoffproduktion im kommerziellen Maßstab für den schwerindustriellen Einsatz aufnehmen. Das Vorhaben wird mit zwei Millionen Pfund (2,3 Millionen Euro) von Thames Freeport gefördert. Im Rahmen einer auf vorerst zehn Jahre ausgelegten Vereinbarung entwickelt GeoPura eine erste mit Solarstrom betriebene 1-MW-Anlage. Die Entscheidung wurde getroffen, nachdem GeoPura den Auftrag zur Lieferung von 2.500 Tonnen Wasserstoff an Lower Thames Crossing, eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte Großbritanniens, erhalten hat. GeoPura entwirft und fertigt Wasserstoff-Power Units (HPUs), die emissionsfreien Strom liefern und Dieselgeneratoren etwa in Bereichen wie Bauwesen, Infrastruktur und Veranstaltungen ersetzen. Das Industriegebiet Thames Freeport erstreckt sich über 38 Kilometer entlang der Themse in East London und South Essex, wo Forth Ports die Häfen Port of Tilbury, DP World London Gateway und Ford Dagenham betreibt.

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Die Lobby der deutschen Strom- und Energiebranche fordert ein Wasserstoffgesetz. © BDEW

(Deutschland) Nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Beschleunigung der Verfügbarkeit von Wasserstoff (WasserstoffBGdurch Bundestag und Bundesrat fordert der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. „mehr Tempo“ bei Genehmigungsverfahren für Infrastrukturen und Anlagen. „An einigen Stellen“ hätte sich die Energiewirtschaft „mehr Mut vom Gesetzgeber“ gewünscht, so der Lobbyverband. „Sinnvoll wären beispielsweise eine baurechtliche Privilegierung für Produktionsanlagen sowie das überragende öffentliche Interesse für das Kernnetz gewesen.“ Als nächsten Schritt wünsche man sich „ein zentrales Wasserstoffgesetz, das Erzeugung, Transport, Speicherung, Verteilung und Nachfrage zusammendenkt, Planungssicherheit schafft und Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette absichert“. Rechtlich und regulatorisch bedingte Mehrkosten und Unsicherheiten müssten reduziert oder gänzlich vermieden und Risiken, die nicht wirtschaftlich tragbar seien, abgesichert werden. Wichtig sei überdies, die Zusammenarbeit der EU-Mitgliedstaaten beim Wasserstoffhochlauf. Deutschland solle hier eine Führungsrolle übernehmen. Ein Positionspapier des BDEW zur „Einführung eines Wasserstoffgesetzes“ gibt es online als PDF (6 Seiten).

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Im September 2025 hatte Hy2gen Planungen für eine Anlage für grünes Ammoniak in Sauda, Norwegen, vorgestellt. Jetzt soll Plug Power eine Großproduktion in Kanada entwerfen. © Hy2gen

(Kanada) Die Plug Power Inc. hat den Auftrag für das Front-End Engineering Design (FEED) zur Lieferung seines 275 Megawatt leistenden „GenEco“ PEM-Elektrolysesystems für das „Courant“-Projekt der Hy2gen Canada Inc. erhalten. Es ist den Angaben zufolge eine der größten dekarbonisierten Ammoniumnitratanlagen Nordamerikas. Plugs Aufgabenbereich umfasse Ingenieurarbeiten und Systemdesign zur Unterstützung der Elektrolyseintegration, Anlagenkonfiguration und Leistungsoptimierung. Die Wasserstoffanlage in Baie-Comeau, Québec, solle die Produktion von kohlenstoffarmem Ammoniak unterstützen, indem Strom aus Wasserkraft über das Hydro-Québec-Netz geliefert werde. Das Ammoniak werde anschließend zu Ammoniumnitrat für den Sprengstoffbedarf der Bergbauindustrie verarbeitet.

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Projektteam Hy2Cycle an der HTWD: Mathias Jäckel, Paula Hanisch, Jannes Korneli und Uwe Kühsel. © HTWD / Peter Sebb

(Deutschland) Ein Konsortium bestehend aus der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTWD) sowie den Technischen Universitäten in Dresden, Chemnitz und Freiberg wollen recyclinggerechte Konzepte für Brennstoffzellen und Elektrolyse entlang der gesamten Wertschöpfungskette entwickeln. Die alkalische Hochdruckelektrolyse mache die energieaufwendige Herstellung von Wasserstoff „effizienter und spart damit Energie und Kosten“, sagt Mathias Jäckel Projektleiter an der HTWD. „Unser Part besteht in der Konstruktion und Fertigung eines Druck-Alkali-Elektrolyseurs, bei dem möglichst alle Komponenten recycelbar sind.“ Dabei betrachte man den gesamten Lebenszyklus der Bauteile. Geeignete Werkstoffe müssten sehr hohe Anforderungen erfüllen, sodass die Auswahl begrenzt sei. Auch die Verfügbarkeit spiele eine Rolle. Um die Abhängigkeit von knappen Ressourcen zu verringern, sollten seltene Rohstoffe soweit möglich ersetzt werden. Parallel erstelle das Team einen digitalen Zwilling, der es ermögliche, die Lösungsansätze zu simulieren und Details zu analysieren. Auch den Herstellungsprozess wolle man damit zunächst virtuell testen. Im weiteren Verlauf werde dann als Basis für weitere Forschungen ein Prototyp gebaut und erprobt. Das Verbundprojekt „Hy2Cycle“ wird im Rahmen der Sächsischen Wasserstoffunion umgesetzt.

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(China) Ende 2025 erreichte der kumulierte Absatz von Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeugen in China fast 40.000 Einheiten. Nach Angaben des chinesischen Automobil-Branchenportal Gasgoo habe das Land 574 Wasserstofftankstationen mit einer Gesamtkapazität von über 360 Tonnen pro Tag installiert. Doch gebe es noch erhebliche Hürden, etwa begrenzte Anwendungsmöglichkeiten, unzureichende Versorgung mit grünem Wasserstoff sowie Engpässe bei Lagerung und Transport. Im März 2026 habe das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) eine Mitteilung zur Pilotierung umfassender Wasserstoffanwendungen veröffentlicht. Demnach müssten Stadtcluster bis 2030 eine großflächige Wasserstoffnutzung ermöglichen, wodurch der durchschnittliche Endpreis unter 25 Yuan (3,15 Euro) pro Kilogramm sinke – in „führenden Regionen“ auf 15 Yuan (1,90 Euro). Ziel sei es, bis dahin landesweit 100.000 Brennstoffzellenfahrzeuge zu erreichen. Der Fokus liege auf mittleren und schweren Lkw sowie weiteren Nutzfahrzeuge mit hoher Reichweite.

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Polymer-Compound-Folie als Ausgangsmaterial zur Fertigung kostengünstiger und leistungsfähiger Bipolarplatten für die Wasserstofferzeugung. © Fraunhofer UMSICHT

(Deutschland) Forscher am Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP haben einen etablierten Vakuumbeschichtungsprozess so weiterentwickelt, dass kompakte Titan-Dünnschichten auf Komposit-Bipolarplatten abgeschieden werden können. Bipolarplatten aus Titan seien korrosionsbeständig, aber teuer. Komposit-Bipolarplatten auf Polymer-Graphit-Basis seien deutlich kostengünstiger und leichter, benötigen jedoch eine geeignete Schutz- und Funktionsschicht, um in der aggressiven sauren Umgebung dauerhaft stabil und elektrisch leitfähig zu bleiben. Die Wissenschaftler entwickelten eigenen Angaben zufolge einen Beschichtungsansatz, der den Materialvorteil der Verbundwerkstoffe mit den funktionalen Eigenschaften einer Titanschicht kombiniert. Die Beschichtung erfolge mittels plasmaaktivierter Elektronenstrahlverdampfung in einer Vakuumanlage. Damit stehe ein prinzipiell skalierbarer Ansatz zur Verfügung, um kostengünstige Komposit-Bipolarplatten für den Einsatz in Brennstoffzellen und Elektrolyseuren funktionsfähig zu machen. Die Ergebnisse wurden in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT erzielt und könnten perspektivisch in kontinuierliche Produktionskonzepte wie Rolle-zu-Rolle- oder Sheet-to-Sheet-Linien überführt werden.

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Shanghai Electric bunkert im Hafen von Yangshan in Shanghai erstmals große Mengen Biomethanol in der „Osmium“ des französischen Schifffahrts- und Logistikunternehmens CMA CGM. © Shanghai Electric Group

(China) Im Yangshan-Hafen von Shanghai wurde erstmals in großem Maßstab Biomethanol der staatlichen Shanghai Electric Group in einem Methanol-Duel-Fuel-Containerschiff der französischen Reederei CMA CGM gebunkert. Mit der Betankung der „Osmium“ habe Shanghai Electric sein vollständig integrierte Lieferkettenmodell von der Produktion über die Land-See-Logistik bis zur Bunkerung im Hafen validiert. Das Taonan-Projekt von Shanghai Electric ist Chinas erste großtechnische kommerzielle Biomethanolanlage und nutze am Standort im Westen der Provinz Jilin die reichlich vorhandenen Wind-, Solar- und Biomasse-Ressourcen der Region. Nach Optimierungen sei die Anlage nun im Dauerbetrieb und produziere Biomethanol, das internationale Standards erfülle. Die Jahresproduktion liege anfangs bei 50.000 Tonnen. Im Vergleich zu herkömmlichem auf Kohle basierendem Methanol sorge Biomethanol für eine erhebliche Reduzierung der CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus und bietet damit konkrete Fortschritte bei der Erreichung der Dekarbonisierungsziele in der Schifffahrt.

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Die finnisch-polnische Zusammenarbeit wurde von Marko Janhunen (Hydrogen Cluster Finland) und Szymon Plonksi (Lower Silesian Hydrogen Valley Association) besiegelt. © Hydrogen Cluster Finland

(Finnland) Das Hydrogen Cluster Finland und die polnische Lower Silesian Hydrogen Valley Association (LSHVA) wollen die Schaffung eines integrierten Wasserstoffmarktes im Ostseeraum beschleunigen. Die Parteien vereinbarten ihre Zusammenarbeit bei der Förderung einer grünen und kohlenstoffarmen Wasserstoffwirtschaft durch Wissensaustausch, Aufbau von Ökosystemen und gegenseitiger Förderung von Innovation und Industrieentwicklung. Die LSHVA diene zudem als Koordinationsplattform der finnisch-polnischen Interessen. Sowohl Polen als auch Finnland spielten eine entscheidende Rolle beim Aufbau einer starken Wasserstoffwirtschaft in der EU. Während Finnland einer der wettbewerbsfähigsten Produktionsstandorte für Wasserstoff und eFuels sei, verfüge Polen über ein erhebliches Nachfragepotenzial, habe ein breites Spektrum an technologischem Know-how und ein beträchtliches geologisches Speicherpotenzial. Die Partnerschaft baue auf der Zusammenarbeit im grenzüberschreitenden „Hydrogen Valley BalticSeaH2“ auf, in dem Finnland, Polen und andere Ostseeanrainer daran arbeiten, Europas ersten groß angelegten integrierten Wasserstoffmarkt zu schaffen.

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iStock / © Danil Melekhin