(Trøndheim / Norwegen) – Forscher des norwegischen Instituts SINTEF haben eine Drohne gebaut, die mit Wasserstoff betrieben wird. Diese sei leichter als eine batteriebetriebene und habe eine größer Reichweite, was sie für Notfälle prädestiniere.

Die Brennstoffzellen-Drohne im Testflug außerhalb von Trondheim. © SINTEF
„Wenn man in einem unwegsamen Gebiet prüfen will, ob etwa ein Baum auf eine Stromleitung gefallen ist, sollte dies so schnell wie möglich geschehen“, sagt Federico Zenith, leitender Forschungswissenschaftler bei SINTEF. „Im Moment muss man dafür oft einen Hubschrauber benutzen“ – was insbesondere bei schlechten Wetterbedingungen riskant sei. Auch könnten heutige Drohnen mit Batterieantrieb Stromleitungen deshalb nicht inspizieren, weil ihre Reichweite zu gering sei. Eine Wasserstoffdrohne hingegen könne sofort eingesetzt werden und schnell helfen, die Versorgung wieder herzustellen.
Rettungsmissionen und Kartografie
Auch Such- und Rettungsmissionen kämen für einen Einsatz infrage. Überdies könnten sie genutzt werden, um große Gebiete zu kartieren, Naturgefahren wie Erdrutsche und Lawinen zu überwachen oder bei großflächiger Schneebedeckung Prognosen für etwaige Überschwemmungen bei Tauwetter zu erstellen.
Die Wasserstoff- und Drohnenforscher von SINTEF wollen indes eigenen Angaben zufolge nicht grundsätzlich sämtliche batteriebetriebenen Drohnen ersetzen. „Sie sind für viele Dinge praktisch“, sagt Zenith. „Unser Ziel ist es, die Aufgaben zu lösen, die heutige Drohnen nicht bewältigen können.“

SINTEF sucht jetzt Partner, um die Drohne wetter- und winterfest zu machen. © SINTEF
Allerdings gebe es einige Hürden. So sei beispielsweise eine separate behördliche Genehmigung erforderlich, um batteriebetriebene Drohnen auf Brennstoffzellenantrieb umzurüsten. Daher hätten die Forscher den Ablauf verkürzt und selber eine Drohne konzipiert und gebaut. „Die einzige Wasserstoffdrohne, die heute in Norwegen fliegt, ist unsere“, sagt Zenith: „Soweit wir wissen, ist es auch die einzige in Skandinavien.“
Der SINTEF-Forscher weist darauf hin, dass Wasserstoff sicherer sei, wenn es darum gehe, die Drohne zu betanken. Benzinbetriebene Drohnen benötigten demgegenüber viel Wartung und hätten keine lange Lebensdauer. Die Motoren müssten häufig ausgetauscht werden. „Eine Brennstoffzelle läuft mindestens Tausend Stunden.“
Financiers für weitere Forschungen gesucht
Als eine der „wichtigsten verbleibenden Aufgaben“ nennt Zenith die „Wetter- und Winterfestmachung“ des Fluggeräts. Für das Vorhaben suche man jetzt nach Finanzierung und Projektpartnern. „Die Brennstoffzelle, die wir haben, sollte prinzipiell nur bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt verwendet werden und wenn es nicht regnet. Das bedeutet, dass sie hier im Landkreis Trøndelag nicht an allzu vielen Tagen genutzt werden kann.“
Auch das US-Unternehmen Heven AeroTech forscht und arbeitet an mit Wasserstoff betriebenen Drohnen. Die Argumente sind ähnlich: größere Reichweiten und logistische Unabhängigkeit. Interessent und potenzieller Kunde ist die US-Army.
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Federico Zenith mit der im SINTEF-Labor gebauten Drohne. © SINTEF



