(London / Großbritannien) – Viele afrikanische Länder beginnen, sich als zukünftige Lieferanten von grünem Wasserstoff und dessen Derivaten wie Ammoniak zu positionieren. Die Regierungen des Kontinents untermauerten dies mit nationalen Strategien, Energieabkommen, großen Projektankündigungen und werfen sogar ein Auge auf das Potenzial für grünen Stahl. In Afrika gibt es derzeit 78 Vorhaben für grünen Wasserstoff, angeführt von Ägypten, Marokko und Südafrika. Dies geht aus dem jüngsten „Africa Hydrogen Report“ des britischen Energy Industries Council (EIC) hervor, einer Industrievereinigung von rund 950 Unternehmen aus dem Bereich der Energieversorgung.

Africa Hydrogen Report: Ägypten, Marokko und Südafrika sind führend bei den Wasserstoffambitionen des Kontinents. © EIC
Demnach umfasse die Leistung planbarer oder geplanter Elektrolyseure kumuliert etwa 38 Gigawatt, die geplanten Investition beliefen sich auf etwa 194 Milliarden Dollar. In Europa hingegen sei zwar mehr Leistung geplant, aber bei insgesamt niedrigeren Investitionskosten (166 Milliarden Dollar). Dies liege daran, dass die afrikanischen Projekte nicht allein die Produktion, sondern auch notwendige Begleitmaßnahmen erforderlich machten, wie Infrastruktur, Pipelines, Stromerzeugung und Wasserentsalzung. Der Bericht zeigt jedoch, dass der afrikanische Markt „noch einen langen Weg vor sich“ habe. So fehlten bei vielen Vorhaben die festen Abnahmevereinbarungen, um die finale Investitionsentscheidung (FID) zu treffen. Tatsächlich gebe es daher bislang nur zwei grüne Wasserstoffprojekte mit einer kumulierten Leistung von 17 Megawatt, beide in Namibia.
Ägypten an der Spitze
Ägypten, Marokko und Südafrika machten etwa 80 Prozent der vorgeschlagenen Investitionen für Wasserstoff in Afrika aus. An der Spitze stehe Ägypten mit fast 88,5 Milliarden Dollar, unterstützt durch eine nationale Wasserstoffstrategie. Hier gebe es zudem die Vorgaben, den Anteil ausländischer Arbeitskräfte an Projekten zu begrenzen und eine 20-prozentige lokale Wertschöpfung zu sichern. Die größten Ambitionen seien in Nordafrika erkennbar und sichtlich auf den Export nach Europa ausgerichtet, mit Deutschland als Schlüsselmarkt, während sich die Projekte Subsahara-Afrikas auf Ammoniak und asiatische Märkte wie Japan und Südkorea konzentrieren.
Abnahme kaum gesichert
Der Report empfiehlt, vorerst keine neuen Projekte im Megawatt-Maßstab zu starten. Denn Afrikas Wasserstoffoffensive stütze sich zu stark auf Vorhaben im Multi-Gigawatt-Bereich, denen es an gesicherten Abnehmern und wichtiger Infrastruktur mangele. Ein weiterer Schwachpunkt sei die Lieferkette. Der Bericht stellt fest, dass es derzeit keine Elektrolyseurhersteller in Afrika gebe, womit Investoren auf importierte Ausrüstung angewiesen seien. „Fehlende Abnahmevereinbarungen sind ein entscheidender Faktor für den Projektübergang von der Investitionsentscheidung zum Bau“, so die Autoren, Jack Boggis und Chris Shirley. „Ohne Umsatzsicherheit haben selbst gut gelegene Projekte zumindest Verzögerungen.“
Afrika brauche „eine klarere politische Ausrichtung, um Wasserstoffprojekte in die endgültige Investitionsentscheidung zu bringen“, sagt Rebecca Groundwater, globale Leiterin für Außenbeziehungen bei EIC. Die Regierungen sollten Grundlagen schaffen, die Investoren benötigen: „Klare Regeln festlegen, die Politik stabil halten, Genehmigungen beschleunigen, die Grundlagen für Netz und Wasser schaffen, Finanzinstrumente einsetzen, die Risiken teilen – und bei Bedarf Entwicklungskreditgeber hinzuziehen, solange die Kosten noch hoch sind.“ Zudem müssten die Länder den Projektzeitplan an die Möglichkeiten der Abnehmer im Export anpassen. „Ohne all das wird vieles davon nicht über das Konzeptstadium hinauskommen.“
Den „Africa Hydrogen Report“ gibt es als PDF (Englisch 19 Seiten) beim EIC (Preis auf Anfrage, für Mitglieder kostenfrei).
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Im Sommer 2024 hatte der arabische Düngemittelhersteller Fertiglobe über sein Joint Venture Egypt Green Hydrogen in einer Auktion der Europäischen Wasserstoffbank den Zuschlag bekommen, in Ägypten grünes Ammoniak zu fabrizieren und nach Europa zu liefern. Einer Vereinbarung zufolge liefert das Unternehmen von 2027 bis 2033 für 423 Millionen Dollar Ammoniak nach Deutschland, was etwa zehn Prozent des Bedarfs deckt. Egypt Green Hydrogen gehört neben Fertiglobe auch Scatec ASA, Orascom Construction, The Sovereign Fund of Egypt und der Egyptian Electricity Transmission Company. © Fertiglobe




