(Riad / Saudi-Arabien) – ACWA Power, saudischer Entwickler und Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen, will einen Korridor für grünes Ammoniak aus dem Nahen Osten bis nach Europa schaffen. Dies bekräftigte der Konzern jetzt durch eine Vereinbarung mit dem Energieversorger EnBW Energie Baden-Württemberg AG, dem Leipziger Gasimporteur VNG AG und dem Hafenbetreiber Rostock Port GmbH.

Zentrale von Acwa Power in Riad: Der saudi-arabische Energiekonzern will mit Ammoniak auf dem europäischen Markt Fuß fassen. © Acwa Power

Ausgangspunkt ist der „Green Hydrogen Hub“ in der saudischen Hafenstadt Yanbu. Dort entwickelt Acwa derzeit mit Unterstützung von EnBW eine Fabrik für grünen Wasserstoff, die den Energieträger für den Transport in Ammoniak bindet. Bei dem Infrastrukturprojekt, das 2030 in Betrieb gehen soll, handelt es sich um einen Komplex mit eigener Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen, Entsalzungsanlage, Elektrolyse, Ammoniakanlage sowie mit einem Exportterminal. Nach Angaben von Acwa liege die anvisierte Kapazität bei 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Eine Studie zum Front-End Engineering Design (FEED) für die Prozessanlagen werde Mitte 2026 abgeschlossen. 

Diese Vereinbarung mit EnBW, Rostock Port und VNG sei „ein entscheidender Schritt zur Schaffung eines zuverlässigen Exportkorridors nach Deutschland“, sagt Acwa-Geschäftsführer Marco Arcelli. EnBW fungiere überdies als Abnehmer des grünen Ammoniaks und organisiere dessen kommerzielle sowie logistische Lieferung nach Rostock, so Georg Stamatelopoulos, Geschäftsführer von EnBW. Dort werde die Chemikalie dann mit einem Ammoniak-Cracker von VNG  in Wasserstoff rückgewandelt, der in das deutsche Wasserstoffkernnetz eingespeist werden soll.

Kooperation der Länder bei Wasserstoff

Die Vereinbarung wurde anlässlich des Treffens von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und des saudi-arabischen Energieministers Abdulaziz Bin Salman Bin Abdulaziz unterzeichnet. Beide Länder wollten künftig im Energiesektor stärker kooperieren, was in einem Memorandum of Understanding (MoU) festgehalten wurde. Dies ergänze eine im Jahr 2021 geschlossene Absichtserklärung zu Wasserstoff. Das Abkommen umfasse alle Energiesektoren sowie den Chemiekalienbereich. Saudi-Arabien verfolge „ambitionierte Investitionsprogramme“, wird Reiche von der „Frankfurter Allgemeinen“ zitiert. 

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (4.v.l.) auf Dienstreise: Saudi-Arabien will 190 Milliarden Dollar für erneuerbare Energien und 36 Milliarden Dollar für nachhaltigen Wasserstoff investieren. © BMWE / Thomas Imo / photothek.de

Allein bis 2030 seien 190 Milliarden Dollar für erneuerbare Energien und 36 Milliarden Dollar für nachhaltigen Wasserstoff eingeplant. Dem Blatt zufolge kritisierte die Bundeswirtschaftsministerin vor dem Abflug nach Riad die EU-Vorschriften für grünen Wasserstoff. Diese seien so kompliziert, dass sie zu sehr hohen Preisen von acht bis zwölf Euro pro Kilogramm führten. Wasserstoff finde deshalb aktuell in Deutschland kaum Abnehmer, heißt es in dem Beitrag. Die EU müsse die Definition so anpassen, „dass ‍zu halbwegs ‍wettbewerbsfähigen Preisen Wasserstoff oder Derivate importiert werden können“.

Topsoe liefert Acwa die Technologie zur Herstellung von Ammoniak im „Yanbu Green Hydrogen Hub“ (v.l.): Yassir Ghiyati (Topsoe-CCO), Mohammed Benchekchou (Topsoe-CEO Europa, Naher Osten, Afrika und Zentralasien), Alfons Juan (Vizepräsident für Strategische Versorgung und Verträge, Acwa), Thomas Altmann (Executive Vice President, Innovation & New Technology, Acwa) © Topsoe A/S

Kurz zuvor hatte Acwa eine Vereinbarung mit dem Technologieunternehmen Topsoe A/S getroffen. Demnach liefern die Dänen die Technologie, um den im „Yanbu Green Hydrogen“-Projekt produzierten grünen Wasserstoff vor Ort in Ammoniak umzuwandeln. Überdies liefere Topsoe technische Ausrüstung an Sinopec und Tecnicas Reunidas, die gemeinsam den FEED-Auftrag (Front-End Engineering Design) durchführen. Die Zusammenarbeit mit Topsoe zur Umwandlung erneuerbarer Energien in grüne wasserstoffbasierte Kraftstoffe und Ammoniak im industriellen Maßstab „stärkt die Wasserstoffkorridore, die wettbewerbsfähige erneuerbare Ressourcen mit globalen Nachfragezentren verbinden“, sagt Driss Berraho, Vicepresident Business Development Green Hydrogen bei Acwa.

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Im Hafen Rostock soll einst grünes Ammoniak aus Saudi-Arabien umgeschlagen und in Wasserstoff rückgewandelt werden, um diesen dann in das Wasserstoffkernnetz einzuspeisen. © Rostock Port GmbH