(Villach / Österreich) – Der Halbleiterhersteller Infineon Technologies Austria AG hat an seinem Standort Villach die Elektrolyseanlage mit einer Leistung von zwei Megawatt in Betrieb genommen. Der dafür erforderliche Strom stamme aus regenerativen Quellen. Das System auf Basis der Proton-Exchange-Membrane-Technologie (PEM) sei auf eine Kapazität von 290 Tonnen Wasserstoff pro Jahr ausgelegt. Gebaut wurde es von dem Industriegasanbieter Linde GmbH, der auch den Betrieb verantwortet.

Die PEM-Anlage in Villach hat eine Kapazität von 290 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr. © Infineon Technologies Austria AG
In der Halbleiterindustrie werde Wasserstoff „als Prozessgas mit einem Reinheitsgrad von 99,999999 Prozent“ benötigt, um Materialschichten kontrolliert zu bearbeiten und Mikrochips herzustellen. Bislang sei auf Erdgas basierender grauer Wasserstoff verflüssigt per Lkw-Trailer vom Linde-Werk Leuna (Deutschland) nach Villach geliefert worden. Mit der neuen Elektrolyseanlage werde der Bedarf an Wasserstoff nun vollständig gedeckt. Man reduziere nicht nur die CO2-Emissionen in der Lieferkette, sondern „wir sichern auch die Versorgung für die Zukunft und minimieren Lieferabhängigkeiten“, sagt Thomas Reisinger, Vorstand Operations Infineon Technologies Austria.

Inbetriebnahme der Wasserstoffproduktion (v.l.): Robert Schmid (Projektleiter Linde), Thomas Reisinger (Vorstand Operations Infineon Austria), Botond Tordai (Director Operations Linde), Stefan Walder (Projektleiter Infineon Austria). © Infineon Technologies Austria AG
Der österreichische Klima- und Energiefonds, finanziert vom Klimaschutzministeriums (BMK), hat das Projekt mit Mitteln in nicht genannter Höhe gefördert. Deklariert ist es als „H2Pioneer“-Demonstrationsanlage. Beteiligt sind neben Linde und Infineon auch Österreichs größtes Elektrizitätsversorgungsunternehmen Verbund AG über seine Tochter Verbund Energy4Business GmbH (Koordination), die HyCentA Research GmbH (forscht sowohl zur Umsetzung der Anlage als auch zur Wiederaufbereitung des in der Halbleiterindustrie eingesetzten Wasserstoffs), das Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität Linz (wissenschaftliche Analyse, Szenarien in ähnlichen Industrieprozessen) und der Forschungsverein Wasserstoffinitiative Vorzeigeregion Austria Power & Gas (WIVA P&G; wissenschaftliche Begleitung und Monitoring).
Das österreichische Forschungsprojekt „H2Pioneer – Grüner Wasserstoff für die Halbleiterindustrie“ war im August 2021 gegründet worden. Seinerzeit hatten Infineon Austria und Linde den Vertrag über den Bau der Anlage unterzeichnet. In jenem Jahr kündigte WIVA P&G in einer Pressemitteilung die Inbetriebnahme in Villach für „Anfang 2022“ an. Weshalb es zu solch langer Verzögerung bis ins Jahr 2025 kam, wurde aktuell nicht gesagt.
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Der Infineon-Standort Villach nutzt jetzt grünen Wasserstoff zur Chip-Herstellung. Infineon Austria hat eigenen Angaben zufolge an sechs Standorten in dem Land knapp 6.000 Beschäftigte (davon rund 2.500 im Bereich F&E). Mit einem Forschungsaufwand von 686 Millionen Euro sei Infineon Austria „das forschungsstärkste Unternehmen Österreichs“. © Infineon Technologies Austria AG