Deutschland: Bosch entwickelt neue Brennstoffzellenlösung für Busse +++ Deutschland: Tool zur Prüfung von BMV-Förderung mit Wasserstofftankstellen und Nutzfahrzeugen +++ Kanada: New Flyer bestellt 500 H2-Busmotoren bei Ballard Power +++ Deutschland: Uni Hamburg forscht mit Japanischer Uni Yamanashi zu grünem Wasserstoff +++ Oman: SLG liefert 80 MW Elektrolyseure an ACME +++ Deutschland: Nationaler Wasserstoffrat gibt Input zum Masterplan Wasserstoff und E-Fuels im Verkehr

Eine Auswahl von PtX-Themen zum Wochenabschluss zusammengefasst

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Mit 40 Zentimetern Höhe lässt sich das Brennstoffzellensystem FCPM C100 auf dem Dach von Stadtbussen montieren. © Bosch

(Deutschland) Bosch hat unter der Bezeichnung „C100“ eine neue Variante seines Brennstoffzellen-Antriebssystems vorgestellt, die für alle Bustypen, insbesondere für städtische Busse geeignet seien. Damit ergänze das Unternehmen sein „Fuel Cell Power Module“-Portfolio (FCPM), dessen Leistungsspektrum von 100 bis 300 Kilowatt reicht. Die flache Bauweise mit einer Höhe von nur 40 Zentimetern ermögliche die für den europäischen Markt typische Dachmontage. Das System sei konzipiert für Stadtbusse mit 12 bis 18 Metern Länge und basiere auf der Variante FCPM C190 für Überland- und Reisebusse. Letztere gehe noch in der ersten Jahreshälfte 2026 in Demofahrzeugen in den Testbetrieb und werde wie ein Dieselmotor im Heck verbaut. Das FCPM C300 sei mit 300 Kilowatt Systemleistung auch für schwere Lkw passend. 2025 hatte Bosch den Markteintritt seines Hybrion PEM-Elektrolyse-Stacks zur Produktion von Wasserstoff verkündet. Darüber hinaus arbeite Bosch an der Technik für Wasserstoffmotoren und biete entsprechende Komponenten für die Saugrohr- und Direkteinblasung an.

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Grüne Gebiete sind potenziell förderfähig: Die Karte dient allerdings ausschließlich der unverbindlichen Orientierung. © Now GmbH (Screenshot)

(Deutschland) Die bundeseigene Now GmbH hat ein interaktives Tool online gestellt, womit sich prüfen lässt, ob ein Standort die räumlichen Voraussetzungen der kombinierten Förderung von Wasserstofftankstellen und Nutzfahrzeugen erfüllt. Wie berichtet, hatte das Bundesverkehrsministerium (BMV) jüngst die Förderrichtlinien für den Aufbau eines Initialnetzes von Wasserstofftankstellen in Kombination mit Anschaffung von Nutzfahrzeugen mit H2-Antrieb veröffentlicht. Das BMV stellt dafür insgesamt 220 Millionen Euro bereit. Mit dem neuen Tool können Nutzer auswählen, nach welcher Fördervariante sie einen Standort für eine Wasserstofftankstelle prüfen wollen. Liegt der geplante Standort in einem grün eingefärbten Gebiet, ist nach dieser unverbindlichen Prüfung der Standort förderfähig. Die Karte erlaubt die Darstellung der gesamten Fläche der Bundesrepublik bis auf das Straßenniveau, dient allerdings ausschließlich der Orientierung.

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NFI hatte im September 2022 seine neue Baureihe emissionsfreier wasserstoffbetriebener Busse „Xcelsior CHARGE FC“ in den Markt eingeführt. © NFI Group

(Kanada) Ballard Power Systems Inc. soll 500 Brennstoffzellenmotoren des Typs „FCmove-HD+“ mit einer Gesamtleistung von 50 Megawatt an New Flyer of America Inc. liefern, einer Tochtergesellschaft der NFI Group Inc. Die Auslieferungen begännen noch in diesem Jahr und werden in „Xcelsior CHARGE FC“-Busse eingebaut. Damit sei New Flyer „gut positioniert, um emissionsfreie Einsätze in ganz Nordamerika zu beschleunigen“, sagt Oben Uluc, Vertriebs- und Marketing-Vizepräsident von Ballard. Die Fahrzeuge würden Dieselbusse ersetzen, sagt David White, Executive Vice President Supply Management bei New Flyer. Bereits 2024 hatte New Flyer im Rahmen eines langfristigen Liefervertrages eine Bestellung bei Ballard von 100 auf 200 Motoren erweitert. Heute seien die Ballard-betriebenen Flotten weltweit auf mehr als 2.200 Brennstoffzellenbusse angewachsen, mit insgesamt über 250 Millionen Kilometern bei 98 Prozent Verfügbarkeit und ohne gemeldete Sicherheitsvorfälle.

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Zwei der vier Initiatoren der neuen Kooperation: Katsuyoshi Kakinuma, University of Yamanashi, und Mehtap Özaslan, Universität Hamburg, im Deutschen Pavillon auf der World Expo 2025 in Osaka. © ITEC / Hasché

(Deutschland) Die Universität Hamburg und die University of Yamanashi (Japan) verstärken ihre Zusammenarbeit auf dem Feld der Forschung zu grünem Wasserstoff und strombasierten synthetischen Kraftstoffen (E-Fuels) im Rahmen eines neuen „Japanese-European Clean Energy Material Research Hubs“. Federführend für die Uni Hamburg ist Mehtap Özaslan. „Gerade gibt es zwar eine Konsolidierungsphase im Bereich des grünen Wasserstoffs – viele warten auf neue Förderungen.“, sagt die Professorin für Technische Elektrokatalyse im Fachbereich Chemie. Der Energieträger habe sich noch nicht so durchgesetzt, wie erhofft, und die aktuelle politische Unsicherheit mache es nicht einfacher. Die Politik in Deutschland, der EU und Japan seien sich aber einig, dass man grünen Wasserstoff benötige. „Wir müssen weg von Erdöl und Erdgas.“ Die Chemikerin hatte bereits in ihrer Zeit an der TU Braunschweig mit dem Deutsch-Japanischen Green Hydrogen Material Laboratory seit 2022 eine Forschungspräsenz in Japan aufgebaut. Japan setze „schon lange“ auf grünen Wasserstoff. Es gebe dort „viele Firmen im Bereich der Materialien und Komponenten, die auch für uns in Europa interessant sind“, sagt Özaslan: „Japanische Firmen suchen Partner in Europa und umgekehrt.“ Gestartet werde mit Forschung, Materialaustausch und gemeinsamen Publikationen. Für Masterstudenten sei ein Double Degree-Programm angedacht, bei dem die Studierenden einen Abschluss von beiden Universitäten erhielten.

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SLG liefert 16 Elektrolyseure an ACME für das „300 Green Ammonia“-Projekt in Duqm. © SLG

(Oman) Das chinesische Unternehmen Shuangliang International Co. Ltd. (SLG) hat Elektrolyseure mit einer Leistung von 80 Megawatt an den indischen Mischkonzern ACME Cleantech Solutions Pvt. Ltd. ausgeliefert. Die Geräte sind für das „300-TPD“-Projekt in Oman bestimmt. ACME will damit in der Sonderwirtschaftszone der Hafenstadt Duqm täglich 300 Tonnen grünes Ammoniak herstellen. Die Inbetriebnahme ist für 2027 vorgesehen. Im März 2022 gründeten der norwegische Projektentwickler und Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen Scatec ASA und ACME ein 50:50-Joint-Venture, um die Fabrik zu entwickeln, zu bauen und zu betreiben. Den damaligen Plänen zufolge stammt der Strom zur Wasserstoffproduktion von einem neu zu bauenden Solarkraftwerk mit einer installierten Leistung von 500 Megawatt. Im Endausbau würden in der Anlage dann 1,2 Millionen Tonnen Ammoniak hergestellt. Die Elektrolyseurleistung solle bis dahin auf 3,5 Gigawatt erweitert werden, hieß es seinerzeit. Im März 2024 hatten ACME und der norwegische Düngemittelkonzern Yara International ASA eine Vereinbarung zu Lieferung von jährlich 100.000 Tonnen  Ammoniak unterzeichnet.

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Voraussetzung für den Marktdurchbruch von Wasserstoff sei ein flächendeckendes, erweiterbares Tankstellennetz für den Energieträger, fordert der Nationale Wasserstoffrat. © H2 Mobility

(Deutschland) Der Nationale Wasserstoffrat (NWR) betont in einem Papier zum geplanten Masterplan Wasserstoff und E‑Fuels im Mobilitätssektor die „strategische Bedeutung von Wasserstoff für Verkehr, Industrie und technologische Souveränität Deutschlands“. Wasserstoff sei vor allem im Lkw-Bereich kein Nischenthema, „sondern neben der Elektromobilität ein wichtiger Baustein für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Felix Christian Matthes, kommissarischer Vorsitzender des Nationalen Wasserstoffrats. Demnach sei der Energieträger ein „Schlüssel für wichtige Mobilitätssegmente“ und spiele „eine entscheidende Rolle in Segmenten mit besonders großen Herausforderungen beim Übergang zur Klimaneutralität“ – darunter der straßengebundene Schwerlastverkehr, die Luft- und Schifffahrt sowie Teile des Schienenverkehrs. Batterieelektrische und wasserstoffbasierte Antriebe sollten als zwei sich ergänzende Technologien verstanden werden, da sie unterschiedliche Einsatzprofile bedienten und gemeinsam die Resilienz des Verkehrssystems erhöhten. Voraussetzung für den Marktdurchbruch sei ein flächendeckendes, erweiterbares Wasserstofftankstellennetz – inklusive 350‑bar‑, 700‑bar‑ und perspektivisch Flüssigwasserstoff-Betankung. Dies müsse „frühzeitig staatlich unterstützt werden“. Die Fortführung des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) über 2026 hinaus sei notwendig, „um Forschung, Industrialisierung und Skalierung voranzutreiben“. Das Papier „Masterplan Wasserstoff und E-Fuels im Mobilitätssektor: Input des NWR“ gibt es kostenfrei als PDF (22 Seiten).

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iStock / © Danil Melekhin