Chile: Konsortium prüft Machbarkeit von PtL-Anlage +++ Deutschland: Gascade startet die Vorarbeiten für HYLU-Wasserstoffpipeline +++ USA: Initiative zur Koordination von Wasserstoffstandards +++ Finnland: Zusammenarbeit mit Deutschland in der Wasserstoffwirtschaft +++ Deutschland: TU Braunschweig und Ostfalia bekommen Fördermittel für Flüssigwasserstoff-Forschung +++ Malaysia: Semarek beauftragt Gicon mit Planung und Bau eines Hybridkraftwerks +++ Deutschland: Forschungen an Wasserstoffproduktion auf dem Meer +++ Saudi-Arabien: NEOM erreicht finanziellen Abschluss für Wasserstoffprojekt +++ Deutschland: Diskussionspapier der Wasserstoffinitiative IN4climate.NRW +++ England: Bewohner skeptisch bei Wasserstoffplänen für Industrieregion Tees +++ Deutschland: 54 Millionen Euro Fördermittel für ITZ-H2 in Pfeffenhausen
Eine Auswahl von PtX-Themen zum Wochenabschluss zusammengefasst
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Ein Konsortium unter Leitung von Ineratec untersucht in Chile das Potenzial einer eFuels-Fabrik. © Ineratec GmbH
(Chile) Ein Konsortium unter Leitung der Karlsruher Ineratec GmbH will das Potenzial zur Herstellung nachhaltiger Kraftstoffe in der Region Biobío untersuchen. Partner sind das Forstunternehmen Aruauco, der Flüssiggasanbieter Abastible, das chilenisches Energieunternehmen Copec und dessen Gesellschaft Copec Wind Ventures. Die geplante „Power to Liquid“-Anlage (PtL) soll im Industriekomplex Biobío von Arauco errichtet werden. Das Projekt sieht die Nutzung von biogenem CO2 vor, das aus den Betrieben von Arauco gewonnen wird, sowie von lokal durch Abastible produziertem grünem Wasserstoff. Copec ist für die Bereiche Kraftstofflogistik und nachgelagerte Anwendungen zuständig. Das Vorhaben werde „teilweise“ von der chilenischen Behörde für Wirtschaftsförderung CORFO finanziert. Die Kosten für die grundlegende technische Planung seien gedeckt. Weitere Details werden nicht genannt.
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Gascade startet die Kartierungen, Baugrund- und Kampfmitteluntersuchungen für die geplante Wasserstoffleitung HYLU. © Gascade Gastransporte GmbH
(Deutschland) Die Gascade Gastransport GmbH hat mit den Vorbereitungsarbeiten für die Planfeststellungsverfahren in Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz für den Bau einer rund 15 Kilometer langen Wasserstoffleitung von Lampertheim nach Ludwigshafen am Rhein (HYLU) nebst Wasserstoffgasdruckregel- und Messanlage (WDRM) begonnen. Die Pipeline soll künftig den Energieträger in der umgestellten Ferngasleitung MIDAL transportieren. Zunächst gebe es Kartierungsarbeiten, Untersuchungen der Anlagenstandorte und des Leitungskorridors. Der Hauptkartierungszeitraum liegt zwischen März und Juli 2026. „Die Vorarbeiten stellen keine Vorentscheidung für das geplante Vorhaben dar“, betont Gascade, sondern dienten lediglich der fachgerechten Erstellung der Antragsunterlagen. Zu den Vorarbeiten, die bis zum Herbst 2026 abgeschlossen sein sollen, zählen unter anderem Vermessungsarbeiten, Baugrund- und Kampfmitteluntersuchungen. HYLU ist Teil des von der Bundesnetzagentur genehmigten deutschlandweiten Wasserstoffkernnetzes und soll bis Ende 2029 fertiggestellt werden.
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Das American National Standards Institute sucht Input aus der Wasserstoffbranche, um Standards zu entwickeln. © ANSI
(USA) Das American National Standards Institute (ANSI) hat eine Initiative zur Koordination von Wasserstoffstandards gestartet. In Phase I solle eine Datenbank erstellt werden. Im Rahmen einer Informationsanfrage (Request vor Information, RFI) bittet ANSI die Branche um Zuarbeit. Interessenten können dazu eine vorbereitete Excel-Tabelle ausfüllen (Rücksendung bis 6. März 2026). Webinare zum Thema finden am 16. und 31. März statt. Im Frühjahr ist in Phase II ein technischer Workshop vorgesehen. Finanziell unterstützt wird das Vorhaben von der internationalen Standardisierungsorganisation ASTM International (USA), von der Vereinigung der US-Gasbranche Compressed Gas Association (CGA) und der kanadischen Normungsorganisation CSA Group. Das ANSI ist eine privatwirtschaftliche Organisation mit dem Ziel, die globale Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft zu verbessern, indem es Standards und Konformitätsbewertungssysteme fördert. Zu den Mitgliedern gehören Unternehmen, Behörden sowie Berufs-, Branchen- und Verbraucherverbände und Gewerkschaften. ANSI ist der offizielle US-Vertreter bei der Internationalen Organisation für Normung (ISO) und bei der Internationalen Elektrotechnischen Kommission (IEC).
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Herkko Plit, Vorstandsvorsitzender von Hydrogen Cluster Finland: „Deutschland und Finnland sollen Kraftzentrum der EU-Wasserstoffwirtschaft werden.“ © P2X Solutions Oy
(Finnland) Finnland und Deutschland wollen ihre Zusammenarbeit in der Wasserstoffwirtschaft ausbauen. Eine gemeinsamen Absichtserklärung wurde jetzt von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Umweltministerin Sari Multala unterzeichnet. Finnland strebe einen Anteil von zehn Prozent an der EU-Produktion von sauberem Wasserstoff an und mindestens einen gleichwertigen Anteil an den Endanwendungen für Wasserstoff, sagt Sari Multala. Die Wertschöpfungsketten der Wasserstoffwirtschaft seien nie lokal, sondern immer international, daher würden die Vorteile der Investitionen über Unternehmen, Länder und Regionen umgesetzt. Als größter Markt habe Deutschland zusammen mit einigen der führenden Wasserstofftechnologieunternehmen einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung des Wasserstofffahrplans der EU, heißt es in einer Mitteilung der Unternehmerorganisation Hydrogen Cluster Finland. Finnland gehöre zu den wettbewerbsfähigsten Standorten für die Produktion von grünem Wasserstoff in der EU. „Ziel ist es, unsere beiden Länder gemeinsam mit Partnern rund um die Ostsee zum Kraftzentrum der Wasserstoffwirtschaft der EU zu machen“, sagt Herkko Plit, CEO der P2X Solutions Oy und Vorstandsvorsitzender von Hydrogen Cluster Finland, einem Zusammenschluss von rund 90 Unternehmen und Industrievereinigungen.
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Falko Mohrs (rechts), Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, übergibt symbolisch den Scheck an Juniorprofessor Michael Heere und Professor Daniel Schröder (beide TU Braunschweig) für den Start des Innovationsverbundes TOWEWA. © MWK
(Deutschland) Die TU Braunschweig bekommt vom Land Niedersachsen Fördermittel in Höhe von rund 970.000 Euro, die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften und TLK-Thermo GmbH weitere rund 180.000 Euro. Die Institute erforschen im Innovationsverbund TOWEWA, wie die Wertschöpfungsketten für Flüssigwasserstoff (LH2) mit deutlich geringeren Energieverlusten gestaltet werden können. Im Fokus stünden Konzepte zur Optimierung von Verflüssigung, Speicherung, Transport und Nutzung von Wasserstoff, etwa für die Segmente Luftfahrt, Schifffahrt und Schwerlastverkehr. Die Ostfalia konzentriere sich schwerpunktmäßig auf Wasserstofftankstellen. Ein zentrales Element des Projekts (Laufzeit bis 30. Juni 2028) sei die Entwicklung neuartiger Verfahren zur Rückgewinnung bislang ungenutzter Energie bei der Regasifizierung von Flüssigwasserstoff. Ergänzend würden neue Simulations- und Bewertungsmethoden eingesetzt, um Wasserstoffsysteme ganzheitlich zu analysieren und zu optimieren, teilte die TU Braunschweig mit.
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Gicon plant in Malaysia ein Hybridkraftwerk für Semarak RE. © Gicon
(Malaysia) Der Dresdener Ingenieurdienstleister Großmann Ingenieur Consult GmbH (Gicon) soll für Semarak Renewable Energy a Bhd. (Semarak RE) das den Angaben zufolge „erste ökologische Hybridkraftwerk“ entwickeln. Die Anlage kombiniere erneuerbare Energiequellen wie Photovoltaik, Wind- und Geothermie mit Wasserstoff- und Biogasproduktion. Schwerpunkte der Zusammenarbeit seien eine Machbarkeitsstudie für sämtliche Technologien, Umweltverträglichkeitsprüfungen sowie ein Integrationsplan. Das Hybridkraftwerk soll auf einer 1.300 Hektar großen Fläche entstehen und 2028 ersten grünen Strom erzeugen sowie nachhaltige Kraftstoffe produzieren.
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Die Idee, Wasserstoff direkt auf dem Meer zu produzieren ist nicht neu, allerdings gibt es weiterhin Forschungsbedarf. 2023 stellte das Fraunhofer ISE die Möglichkeiten in seinem Bericht „OffsH2ore – Offshore-Wasserstofferzeugung mittels Offshore-Windenergie als Insellösung“ vor (wir berichteten). Ausgangspunkt ist ein fiktiver Windpark in der Nordsee, der direkt mit einer 500-Megawatt-Elektrolyseplattform verbunden ist. © Projektbericht, Fraunhofer ISE
(Deutschland) Im Projekt „Wind2hydrogen“ suchen Forscher nach einer Möglichkeit, die Energie aus Offshore-Windenergieanlagen direkt vor Ort auf dem Meer in Wasserstoff umzuwandeln. Beteiligt sind die Hochschule Bremerhaven, die Universität Bremen und der Bremerhavener EnPro GmbH. Schwerpunkt ist die Planung und Entwicklung einer schwimmenden Wasserstoffproduktionsanlage. Eine solche Plattform müsse autonom funktionieren und den schwierigen Umweltbedingungen auf See standhalten. Die Forscher haben recherchieren, welche Verfahren sich für die Wasseraufbereitung eignen. „Mithilfe einer Marktanalyse können wir ermitteln, welche Komponenten es bereits gibt. So können wir bei der Entwicklung auf bereits bestehende Technologien zurückgreifen, was zu einer schnelleren Marktreife führt“, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter Marc-Kevin Baer. „Es kann sein, dass die technischen Anforderungen, die in der Studie erarbeitet werden, über den Stand des Marktangebots hinausgehen und später auf Basis des abschließenden Empfehlungskataloges von der Industrie zu lösen sind“, sagt Projektleiter Uwe Werner. In den kommenden Monaten wollen die Wissenschaftler ein Modell entwickeln, mit dem verschiedene Wasserstoffplattformen simuliert werden können. Eine konkrete Skizze für eine Testanlage soll zum Projektende im kommenden Jahr vorliegen. Hintergrund: Im Jahr 2025 speisten rund 1.600 Offshore-Windenergieanlagen etwa sechs Prozent der deutschen Jahresstrommenge in das Netz ein. Damit die Energie an Land kommt, müssen Seekabel verlegt werden; ein Kostentreiber und potenziell nicht umweltverträglich. Günstiger sei es, den erzeugten Strom direkt vor Ort in Wasserstoff umzuwandeln und zu speichern. Das bis Mai 2027 laufende Projekt wird gefördert durch die Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH und kofinanziert mit Mitteln aus dem Programm „EFRE Bremen 2021 bis 2027“.
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Oxagon wird Teil der neuen Stadt Neom. © Neom
(Saudi-Arabien) Die NEOM Green Hydrogen Company (NGHC) hat einer Mitteilung zufolge einen finanziellen Abschluss mit 23 lokalen, regionalen und internationalen Banken und Finanzinstituten für ihre 8,4 Milliarden Dollar teure grüne Wasserstoffanlage erzielt. Diese soll im schwimmenden Industriekomplex Oxagon ab Ende 2026 bis zu 600 Tonnen grünes Ammoniak pro Tag produzieren. Die Jahreskapazität wird mit 1,2 Millionen Tonnen beziffert. Der Strom stamme aus Solar- und Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von vier Gigawatt. Das Hafen- und Logistikzentrum Oxagon werde vollständig mit sauberer Energie betrieben. NGHC ist ein Joint Venture zwischen NEOM, Acwa Power und dem US-amerikanischen Gaslieferanten Air Products.
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Nordrhein-Westfalen hat gute Vorraussetzungen für eine wirtschaftliche Wasserstoffversorgung. © NRW.Energy4Climate GmbH
(Deutschland) Ein Diskussionspapier der Initiative IN4climate.NRW analysiert die aktuellen Entwicklungen für einen wirtschaftlichen Wasserstoffhochlauf in Nordrhein-Westfalen (NRW). Das Bundesland habe gute Voraussetzungen: eine energieintensive Industrie mit hoher Nachfrage, die vorteilhafte geografische Lage innerhalb des European Hydrogen Backbone, die zentrale Anbindung an das Wasserstoffkernnetz sowie lokale Wasserstoffspeicherpotenziale und Hafenanbindungen. Es seien bereits 50 Megawatt Elektrolyseleistung in NRW in Betrieb, weitere über 200 Megawatt genehmigt oder im Bau. Erste Projekte der Industrie sowie geschlossene Lieferverträge für Tankstellen in der Rhein-Ruhr-Region zeigten die Bereitschaft der Industrie zur Transformation. Jetzt gehe es darum, „regulatorische Bremsen auf EU-Ebene zu lösen und im Zusammenwirken mit dem Bund geeignete Voraussetzungen für die schnelle Skalierung einer resilienten Wasserstoffwirtschaft zu schaffen“, sagt Katharina Schubert, Geschäftsführerin von NRW.Energy4Climate. Das Diskussionspapier „Wasserstoff auf Kurs bringen: Produktionskosten senken und Nachfrage anreizen“ gibt es kostenfrei als PDF (40 Seiten).
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(England) Die Pläne von Protium Green Hydrogen Supply für die Wasserstoffproduktion in der Industrieregion Teesside stoßen offenbar auf große Skepsis bei Anwohnern. Wie der Sender „BBC“ berichtet, gebe es Ängste vor Überschwemmungen und vor einem Anstieg des Verkehrs bei Menschen, die nur 75 Meter von der geplanten Anlage entfernt wohnen. Stadtrat Richard Eglington im Stockton Council sagt demnach, es sei ein noch laufender Bauantrag, zu dem die Bewohner ihre Meinung äußern können. Ein anderer Stadtrat äußerte dem Beitrag zufolge ebenfalls Besorgnis über die „Nähe zu Wohnhäusern“. Außerdem sei eine Brücke in schlechtem Zustand und für Schwerlastverkehr nicht passierbar. Lkw müssten durch Wohngebiete fahren. „Die Industrie ist gut für Arbeitsplätze und unsere Zukunft, aber sie muss mit den Einheimischen geplant werden“, zitiert die BBC den britischen Industrieminister und Labour-Abgeordneten der Region Chris McDonald. Er werde mit besorgten Bewohnern zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass es „keine negativen Auswirkungen“ auf die Gemeinde Port Clarence gebe. „Wenn wir die Industrien von morgen hier auf Teesside aufbauen wollen, muss das sicher, transparent und mit der Unterstützung der Gemeinschaft geschehen.“ Auch der Bürgermeister von Tees Valley unterstütze das Projekt und sagte, es sei „genau die Art von Investition, die Teesside braucht“. Die Konsultationsphase zu den von Protium Green Hydrogen Supply eingereichten Plänen für ein Gelände am River Tees in Stockton wurde auf den 26. Februar verlängert.
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Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder übergab am Rande eines Besuchs des Kabinetts der Bayerischen Staatsregierung in München Förderbescheide in Höhe von 54 Millionen Euro an Vertreter des geplanten ITZ-H2 in Pfeffenhausen. © Bayerische Staatskanzlei / Marc Conzelmann
(Deutschland) Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat in Bayern Förderbescheide in Höhe von 54 Millionen Euro übergeben. Damit soll ein dezentrales Innovations- und Technologiezentrum Wasserstoff (ITZ-H2) in Pfeffenhausen mit Wasserstoffverflüssiger sowie Test- und Prüfständen aufgebaut werden. „Durch die Anschubfinanzierung des Bundes sowie den Zuwendungen des Freistaats können sowohl die Grundinfrastruktur als Zertifizierungseinrichtungen für Komponenten im Bereich Tank, Betankung und Antrieb errichtet werden“, sagt der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Mit den Hochschulen Ingolstadt, Regensburg und Landshut stünde „ein starker Forschungsverbund“ für die wissenschaftliche Expertise der Industrie vor Ort bereit. Mit den ITZ-H2 setzt das BMV eine zentrale Maßnahme der Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung um. Der Standort in Pfeffenhausen, zusammen mit den bereits gestarteten Zentren in Chemnitz und Norddeutschland, werde gezielt kleine und mittelständische Unternehmen, Start-ups sowie die Zulieferindustrie dabei unterstützen, Wasserstofftechnologien weiterzuentwickeln und zur Marktreife zu bringen. Das Wasserstoff-Technologie-Anwenderzentrum (WTAZ) in Pfeffenhausen legt den Fokus auf Flüssigwasserstoff, H2-Verbrennungsmotoren, Tanks und Betankungssystemen sowie der Aufbau eines Fahrzeugprüfstandes.
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iStock / © Danil Melekhin




