(Stuttgart / Deutschland) – Baden-Württemberg hat zum Jahresende Mittel für acht Wasserstoffprojekte mit einem Volumen von kumuliert 50,7 Millionen Euro für den Bau von Elektrolyseuren mit einer Leistung von 55 Megawatt bewilligt und vergeben. Damit erhöhe sich die Elektrolyseleistung in dem Bundesland um mehr als das Doppelte, so das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft.

Standort der geförderten Projekte. © Staatsministerium Baden-Württemberg

Das Förderprogramm für Elektrolyseure (ELY) unterstützt die Neuerrichtung und Erweiterung lokaler Wasserstoffproduktionen mit dem Ziel, regionale H2-Hubs aufzubauen. Gefördert werden Vorhaben von kommunalen Stadtwerken bis hin zu industriellen Anwendern:

  • DEPOH2 (10 MW): Die Abfallwirtschaft Rems-Murr AöR plant die Errichtung eines PEM-Elektrolyseurs am Entsorgungszentrum Winnenden. In Zusammenarbeit mit den Stadtwerken soll eine regionale Versorgung mit grünem Wasserstoff für das umliegende Gebiet aufgebaut werden. Ziel des Projekts ist die nachhaltige Erzeugung und Verteilung von Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Konditionen. Die Abwärme wird im lokalen Wärmenetz von Winnenden genutzt.
  • Renew SWF (5 MW): Die Sauerstoffwerk Friedrichshafen GmbH will am Standort Aitrach-Ferthofen einen PEM-Elektrolyseur betreiben. Ziel ist die regionale Bereitstellung von zertifiziertem, erneuerbarem Wasserstoff, die Stärkung einer dezentralen Infrastruktur in Süddeutschland und die Skalierung bestehender Vertriebskapazitäten. Die Versorgung erfolgt mittels Flaschen, Großspeichern, stationären Tankanlagen und Trailern.
  • GH2SPlus (3 MW): Die Stadtwerke Stuttgart erweitern den derzeit im Bau befindlichen Green Hydrogen Hub (GH2S) im Stuttgarter Hafen um einen vierten PEM-Elektrolyseur sowie zusätzliche Speichertechnik. Damit steigt die geplante Kapazität der Anlage von neun Megawatt auf zwölf Megawatt Leistung. Für den Schwerlastverkehr, ÖPNV und in der Industrie fehlten bislang lokale Erzeugungskapazitäten und Wasserstoff werde zu 100 Prozent importiert. Der GH2S soll diese Lücke schließen, indem er regional erzeugten grünen Wasserstoff über die H2-GeNeSiS-Pipeline und per Trailer bereitstellt.
  • GHy2 (10 MW): Das Projekt umfasst die Errichtung eines PEM-Elektrolyseurs im Gewerbegebiet Almosenberg der Stadt Wertheim im Main-Tauber-Kreis. Die Anlage soll grünen Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen produzieren und durch eine angegliederte Trailerabfüllstation und Wasserstofftankstelle als regionaler Wasserstoff-Hub fungieren. Die anfallende Abwärme wird in einem Wärmenetz genutzt.
  • H2Bridge (10 MW): Die SWU Energie GmbH errichtet eine PEM-Elektrolyseanlage im Norden von Ulm. Direkt an der A8 soll grüner Wasserstoff aus Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft erzeugt werden. Aufgrund der wachsenden Anzahl an Erneuerbare-Energien-Anlagen im Umkreis von Ulm und der Verwendung von Überschussstrom in der Anlage könne der Elektrolyseur als flexible Last das Netz entlasten. Mit dem Wasserstoff sollen verschiedene Abnehmer aus Industrie und Mobilität beliefert werden. Gleichzeitig wird eine Direktleitung zu einer nahegelegenen Tankstelle geprüft.
  • Hydroport Kehl (1 MW): Geplant ist der Bau eines PEM-Elektrolyseurs im Hafen Kehl, der grünen Wasserstoff, Sauerstoff und Abwärme produziert. Beteiligt sind die RMA Kehl GmbH & Co. KG, die Hafenverwaltung Kehl KdöR und die Badenova AG & Co. KG. Der Energieträger wird über eine Direktleitung zu industriellen Abnehmern transportiert und für Anwendungen im Bereich der Mobilität zur Verfügung gestellt. Die Abwärme wird zur Wärmeversorgung eines Verwaltungsgebäudes genutzt und der Sauerstoff soll perspektivisch für Anwendungen zum Beispiel im benachbarten Stahlwerk dienen.
  • Hyfischer (1 MW): Die Fischer Edelstahlrohre GmbH installiert einen Elektrolyseur in Achern. Ziel ist der Aufbau eines möglichst energieautarken Gesamtsystems zur Erzeugung, Speicherung und Nutzung von grünem Wasserstoff mit unternehmenseigenem Windstrom. Der Ertrag wird in einem Feststoffspeicher zwischengelagert. Erwartet werden ein signifikanter Beitrag zur Dekarbonisierung und die Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten.
  • H2HubBruchsal (15 MW): Die Deutsche ReGas Wasserstoff GmbH wird eine PEM-Anlage bei Bruchsal errichten und betreiben. Der Ertrag soll Kunden in der Region Bruchsal-Karlsruhe dienen. Durch Beimischung in das existierende Erdgasnetz können Nutzer bis zum Anschluss an ein Wasserstoffnetz in ihrer Bilanzsumme auf 100 Prozent lokalen grünen Wasserstoff umstellen. Die entstehende Prozesswärme wird in das Fernwärmenetz der Stadtwerke Bruchsal eingespeist.

Eine direkte Kopplung eines Elektrolyseurs mit einer EE-Erzeugungsanlage wird laut Förderrichtlinien ausdrücklich begrüßt. Zuwendungsempfänger sollen Zwischen- und Gesamtprojektergebnisse öffentlich in Publikationen oder Veranstaltungen vorstellen. Die neu errichteten oder in ihrer Erzeugungskapazität erweiterten Elektrolyseure müssen zum Projektende (Juni 2029) betriebsbereit sein. ELY hat ein Volumen von über 100 Millionen Euro, wovon jetzt die Hälfte vergeben ist.

Die Landesregierung will 2026 einen weiteren Förderaufruf starten. Die Richtlinien findet man als PDF online auf der Website des Umweltministeriums.

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Umweltministerin Thekla Walker (vorn, vierte von rechts) mit Vertretern der Zuwendungsempfänger bei der Übergabe der Verträge für das Landesförderprogramm für Elektrolyseure (ELY). © Staatsministerium Baden-Württemberg