(Dortmund / Deutschland) – Die Dortmunder Thyssenkrupp Nucera AG & Co. KGaA stoppt den geplanten Aufbau einer Serienfertigung der Hochtemperatur-Elektrolyse (Solid Oxide Electrolysis Cell, SOEC). Die Investition biete „unter den aktuellen Rahmenbedingungen kein wirtschaftlich attraktives Geschäftsmodell“. Man habe sich „nach sorgfältiger strategischer Bewertung der Marktreife, des Investitionsbedarfs und der wirtschaftlichen Perspektiven“ gegen den Bau entschieden. 

Vollautomatische Assemblierung von Einzelkomponenten zu Hochtemperaturelektrolyseuren und Hochtemperaturbrennstoffzellen. © Fraunhofer IKTS

Geplant war, eine Serienfertigung für Wasserstoff-Technologie. Der Standort Arnstadt in Thüringen schien nahezu sicher. Dort betreibt Thyssenkrupp Nucera bereits seit Mai 2025 gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) eine Pilotfertigung für die Hochtemperatur-Stacks mit einer Kapazität von acht Megawatt (mehr dazu). Das Institut hatte die Grundlagen für die SOEC-Technologie erarbeitet. Die Serienproduktion war ab 2029 geplant.

„Der verzögerte Hochlauf insbesondere bei der Hochtemperaturelektrolyse und die damit verbundenen unsicheren Investitionsbedingungen für Projektentwickler haben die erwartete Nachfrage deutlich beeinträchtigt und damit die wirtschaftlichen Perspektiven für eine Kommerzialisierung im ursprünglich geplanten Umfang verändert.“ Thyssenkrupp Nucera konzentriere sich „künftig auf das Chlor-Alkali-Geschäft, die industriell verfügbare alkalische Wasserelektrolyse (AWE) sowie demnächst die Hochdruck-Wasserelektrolyse“. 

Noch im Januar gab es 900.000 Euro Fördermittel

Das Aus für Arnstadt kommuniziert der Konzern eher beiläufig in seinem Bericht zum dritten Geschäftsquartal 2025/2026, das am 31. Juli endete. Dabei hatte das Unternehmen nach Informationen des Mitteldeutschen Rundfunks noch gut ein halbes Jahr zuvor, im Januar dieses Jahres, vom thüringischen Wirtschaftsministerium Fördermittel in Höhe von 900.000 Euro erhalten. Ende 2024 konnte sich Thyssenkrupp Nucera sogar über EU Fördermittel in Höhe von 36 Millionen Euro zur Errichtung der 300-Megawatt-Produktionsanlage freuen, was seinerzeit überschwänglich und mit vielen Absichtserklärungen verkündet wurde (mehr dazu).

Kommentar Fast möchte man sagen: ein Klassiker. Wieder kassiert ein Konzern Steuergelder, verursacht der öffentlichen Hand hohen bürokratischen Aufwand und Verwaltungskosten, um letztlich festzustellen, dass man die Mittel gar nicht gebraucht hätte, weil der Plan nicht umgesetzt wird. Ähnliches tat vor zwei Jahren der Stahlkonzern ArcelorMittal S.A. in Bremen und Brandenburg, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen (mehr dazu). Während die Regierung am unteren gesellschaftlichen Rand bei den Schwächsten staatliche Zuwendungen weiter kappt, können die Stärksten gleichsam bedingungslose Grundeinkommen einsammeln, weil die Mittel an keine langfristigen Erfolge geknüpft werden. Die Fördermittelgeber müssen Unternehmen für solche Fehlleistungen endlich zur Kasse bitten. Vielleicht verringern sich dann diese Fälle, in denen man fast glauben möchte, dass die Mitnahme von Geldern zum Geschäftsmodell gehört – und nicht allein auf dem Planungsversagen der Vorstände beruht. Andreas Lohse, Chefredakteur

 

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Die Dortmunder Thyssenkrupp Nucera AG kassiert Fördermittel für ein Vorhaben in Arnstadt, das nun gestrichen wurde. © Thyssenkrupp Nucera AG & Co. KGaA