Deutschland: Geplanter Kraftwerkszubau der StromVKG deutlich überdimensioniert +++ Niederlande: Gasunie, OGE und Thyssengas verbinden das niederländische mit dem deutschen Wasserstoffnetz +++ USA: Vivyfy Technology präsentiert netzunabhängigen mit Wasserstoff betriebenen Stromgenerator +++ Deutschland: Hochschule Hof startet Wissenstransferprojekt +++ Großbritannien: Protium kauft „Cromarty“-Wasserstoffprojekt von Storegga +++ Taiwan: Sinbon und Nexcellent wollen Wasserstoffgeneratoren für den urbanen Bedarf anbieten

Eine Auswahl von PtX-Themen zum Wochenabschluss zusammengefasst

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Studie: Es ist unsicher ob die von der Bundesregierung geplanten neuen Kapazitäten bis 2032 überhaupt benötigt werden. © Wuppertal Institut

(Deutschland) Der Zubau neuer Erdgaskraftwerke in Deutschland, den die Bundesregierung in ihrer Kraftwerksstrategie (StromVKG) vorsieht, ist deutlich überdimensioniert. Neue steuerbare Kapazitäten seien nur selten als Backup für  Dunkelflauten nötig. Flexible, klimafreundliche Optionen wie Strom- und Wärmespeicher, Energieeffizienz und flexible Biogaskraftwerke könnten Engpässe in der Energieversorgung „kosteneffizient und zuverlässig ausgleichen“ – und dadurch den Bedarf an neuen Kraftwerken deutlich reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wuppertal Instituts im Auftrag von Greenpeace Deutschland. Demnach könne „ein Zusammenspiel verschiedener Flexibilitätsoptionen Schwankungen bei Wind- und Solarstrom zumindest mittelfristig zuverlässig ausgleichen“. Die Forscher haben als Alternativen zu steuerbaren Backup-Erdgaskraftwerken unter anderem Batteriespeicher, flexible Elektrolyse, Geothermie, steuerbare Wärmepumpen, Power-to-Heat-Anlagen sowie Kapazitätserhöhung bei Biogasanlagen und Steigerung der Energieeffizienz analysiert. Die Optionen könnten auch Dunkelflauten, also Zeiten, in denen weder Wind weht noch die Sonne scheint und die weniger als einmal pro Jahr auftreten, bis zu fünf Tage überbrücken. Dies senke den Bedarf für neue Gaskraftwerke sowie die Kosten. Zusätzliche Gas-Backup-Kraftwerke sollten nur gebaut werden, wenn sie in Zukunft vollständig auf grünen Wasserstoff umgestellt werden. „Es ist unsicher, ob neue Kapazitäten in dem Umfang, der von der Bundesregierung im Rahmen der Kraftwerksstrategie aktuell geplant wird, bis 2032 überhaupt schon benötigt werden“, sagt Stefan Thomas, Leiter der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal Institut. Die „Studie zur Lastabdeckung und Versorgungssicherheit in einem zukünftigen Energiesystem mit hohem Anteil von fluktuierenden erneuerbaren Energien“ gibt es kostenfrei als PDF (147 Seiten).

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Gasunie, OGE und Thyssengas verbinden über den Zevenaar-Elten das niederländische mit dem deutschen Wasserstoffnetz (v.l.): Stefan Rouenhoff (Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium), Stientje van Veldhoven (niederländische Ministerin für Klima und grünes Wachstum), Hans Coenen (COO Gasunie), Thomas Hüwener (CEO Open Grid Europe), Willemien Terpstra (CEO Gasunie), Stefanie Kesting (CEO Thyssengas), Britta van Boven (Geschäftsführerin Gasunie Deutschland) © Anne Reitsma / Thyssengas

(Niederlande) Die Fernleitungsnetzbetreiber Gasunie (Niederlande), Open Grid Europe (OGE, Deutschland) und Thyssengas (Deutschland) haben eine Vereinbarung zur Entwicklung eines Wasserstoffkorridors zwischen den Niederlanden und Deutschland bis 2031 unterzeichnet. Dabei sollen die beiden nationalen Wasserstoffnetze am gemeinsamen Grenzübergangspunkt Zevenaar (Niederlande) / Elten (Nordrhein-Westfalen) verbunden werden. Soweit möglich würden auf Wasserstoff umgestellte bestehende Erdgasleitungen genutzt und damit der deutsche Industrie- und Chemiesektor mit den Wasserstoffproduktions-, -speicher- und -importanlagen in den Niederlanden verknüpft. Schwerpunkt der ersten Phase sei die Anbindung der Rhein-Ruhr-Region, anschließend folgten südliche Standorte wie Ludwigshafen. Auf niederländischer Seite spiele der Delta-Rhein-Korridor als verbindende Infrastruktur zwischen dem Hafen von Rotterdam und dem deutschen Wasserstoffnetz „eine zentrale Rolle“.

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Vivyfy Technology-Gründer und CEO Jason Herring mit dem „Flying Pig“ genannten Generator. © Vivyfy Technology Inc.

(USA) Die Vivyfy Technology Inc. hat ein vom Netz unabhängiges mit Wasserstoff betriebenes containerisiertes Stromerzeugungssystem vorgestellt. Die „Flying Pig“ genannte Basisanlage hat eine Leistung von einem Megawatt und liefert den Angaben zufolge skalierbar Energie etwa für Rechenzentren, auf abgelegenen Baustellen, in Katastrophengebieten oder auch bei militärischen Einsätzen. Technologische Plattform sei der „Hydrogen Oxygen Generator“ (HOG) des Unternehmens. Das System sei so konzipiert, dass es zu einem Bruchteil der langfristigen Kosten herkömmlicher netzabhängiger Stromversorgung läuft, sagt Jason Herring, Gründer und CEO von Vivyfy Technology. Man wolle damit die Abhängigkeit von alten Netzinfrastrukturen, zentralisierten Lieferketten und Monopolpreisen verringern.

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An der Hochschule Hof fand die Auftaktveranstaltung zu Enertech+ mit den Schwerpunkten Wasserstoff, Energiespeicher und Energieeffizienz statt. © Hochschule Hof

(Deutschland) An der Hochschule Hof startet ein neues Projekt „Enertech+ – Wissenstransfer für Zukunftstechnologien“. Inhaltlich konzentriert sich das Vorhaben auf Versorgungssicherheit, Systemstabilität und Ressourceneffizienz mit den Themenschwerpunkten dezentrale Wasserstoffbereitstellung, Energiespeichertechnologien und energiesystembezogene Energieeffizienztechnologien. Ziel ist es, aktuelles Forschungswissen in kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu transferieren und diese bei der Umsetzung zentraler Technologien der Energiewende zu unterstützen. Ein zentraler Bestandteil  ist der Aufbau eines aktiven Netzwerks zwischen Forschung und Praxis. Unternehmen erhalten Zugang zu kostenfreien Weiterbildungs- und Informationsangeboten sowie zu einem kontinuierlichen fachlichen Austausch. Durch Workshops, Veranstaltungen und praxisnahe Formate sollen neue Technologien schneller in die Anwendung gelangen und damit ein konkreter Beitrag zur Transformation des Energiesystems geleistet werden. Im Rahmen der Bayerischen Energietage präsentiert das Institut für Wasserstoff- und Energietechnik der Hochschule Hof am Samstag, 18. Juli (10 bis 16 Uhr) das Projekt Enertech+ der Öffentlichkeit.

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Rendering des geplanten Cromarty-Wasserstoffprojekts in Schottland. © Protium Ltd.

(Großbritannien) Der Projektentwickler Storegga Ltd. hat sein „Cromarty“-Wasserstoffprojekt und weitere grüne Wasserstoffassets in Schottland mit einer Leistung von 15 Megawatt (MW) an die in Brigthon ansässige Protium Ltd. verkauft. Das angekündigte „Cromarty Hydrogen Project“ von Scottish Power und Storegga will mit einem 3,5-Megawatt-Elektrolyseur in Caithness, Sutherland und Easter Ross im Nordosten Schottlands nahe gelegene Windparks nutzen, um Wasserstoff für die lokale Industrie und Whiskeybrennereien herzustellen. Es erhält Fördermittel aus der staatlichen Auktion für grünen Wasserstoff „HAR1“ (Hydrogen Allocation Round). Protium hat jüngst mit seiner „Pioneer 2“ genannten 2,5-MW-Anlage in Wales erstmals Wasserstoff produziert. Nach der vollständigen Inbetriebnahme im Juni 2026 werde Pioneer 2 die Produktion auf eine Tonne kohlenstoffarmen Wasserstoff pro Tag skalieren. Über Wales und Schottland hinaus treibt Protium auch Projekte in South Tees an der englischen Ostküste voran, die die industrielle Dekarbonisierung in einem der strategisch wichtigsten Energie- und Produktionscluster Großbritanniens unterstützen. Zwei weitere Projekte wurden kürzlich im Rahmen der Hydrogen Allocation Round 2 (HAR2) von der britischen Regierung auf die Shortlist gesetzt.

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Sinbon und Nexcellent wollen Wasserstoffgeneratoren für den urbanen Bedarf entwickeln, um Lärm und Umweltbelastungen zu reduzieren. © Sinbon Electronics

(Taiwan) Sinbon Electronics hat eine Zusammenarbeit mit dem ebenfalls in Taiwan ansässigen Unternehmen Nexcellent Energy angekündigt, um die Entwicklung von urbanen Wasserstofflösungen voranzubringen. Man wolle die Marktchancen in einer Reihe von Anwendungen ausloten, darunter elektrische Kleinstfahrzeuge, gewerbliche Drohnen, mobile Wasserstoff-Mikronetze und Vor-Ort-Stromversorgungssysteme für KI-Rechenzentren. So nutzten etwa in belebten Vierteln von New York City Tausende Foodtrucks benzinbetriebene Generatoren, um Kochgeräte, Kühlaggregate und Beleuchtung zu betreiben – „stundenlang, mit dauerhafter Lärm- und Emissionsbelastung in dicht besiedelten städtischen Straßen“. Es gebe einen wachsenden Bedarf an saubereren und leiseren mobilen Energielösungen, die urbane Nachhaltigkeit besser unterstützen können. Sinbon prüfe daher gemeinsam mit dem US-Partner Swobbee sowie jetzt mit Nexcellent den Einsatz modularer wasserstoffbetriebener Energiesysteme als sauberere Alternative. Diese könnten eine stabile Stromversorgung für mobile Gewerbebetriebe wie Foodtrucks liefern und zugleich Emissionen sowie Lärm erheblich reduzieren.

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iStock / © Danil Melekhin