Deutschland: Anhörung zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes +++ Brüssel: Wasserstoffindustrie hat einen weiteren Lobbyverein +++ Deutschland: Solaris liefert 19 Wasserstoffbusse nach Krefeld +++ Oman: Ausschreibung für 1 GW Wasserstoffproduktion +++ Deutschland: Uniper erhält Vorbescheid für wasserstofffähiges GuD-Kraftwerk +++ (USA) Hyroad und THS wollen Wasserstofftankstellen entwickeln +++ Deutschland: Saarbahn nimmt Wasserstofftankstelle in Betrieb +++ Schottland: H2VS kauft Lkw-Entwickler HVS +++ Singapur: Behörden schreiben drei H2-ready Gaskraftwerke aus +++ Deutschland: Marktabfrage zum Bedarf von Wasserstoffspeichern +++ Lettland: Konsortium will Wasserstoffkorridor nach Deutschland entwickeln +++ Deutschland: Fraunhofer IMM konzipiert Motor für Ammoniak +++ Deutschland: Bremen bekommt neun Millionen Euro für „Hydrogen Valley“

Eine Auswahl von PtX-Themen zum Wochenabschluss zusammengefasst

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Am 20. Mai findet eine öffentliche Anhörung zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes statt. © Deutscher Bundestag / Simone M. Neumann

(Deutschland) Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie hat eine öffentliche Anhörung zum Gesetzentwurf zur „Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes und weiterer energierechtlicher Vorschriften zur Umsetzung des Europäischen Gas- und Wasserstoff-Binnenmarktpakets“ angesetzt. Termin ist Mittwoch, 20. Mai, von 14 bis 16 Uhr. Mit der Reform soll das Gasleitungsnetz in Deutschland umgebaut und die Infrastruktur für Wasserstoff neu geregelt werden. Der Energieträger soll künftig einen regulierten Netzzugang analog zum Gassektor erhalten, was unter anderem bedeutet, dass Betreiber den Anschluss und Zugang zu ihren Leitungen gewähren müssen.

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White Paper der neu gegründeten „European Resilience Alliance for Clean Hydrogen & Derivatives“ (ERA). © ERA

(Brüssel) Ein neuer Lobbyverband „European Resilience Alliance for Clean Hydrogen & Derivatives“ (ERA) will die Nutzung von sauberem Wasserstoff beschleunigen. Es sei eine paneuropäische von CEO geführte Initiative und vereine führende Industrieunternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Um die Dekarbonisierung und Widerstandsfähigkeit der europäischen Industrie voranzubringen wolle die Allianz die Produktion kohlenstoffarmer Kraftstoffe, industrieller Ausgangsstoffe und Produkte in Europa stärken, politische Unterstützung und Finanzierbarkeit verbessern sowie skalierbare Märkte, Netzwerke und grenzüberschreitende Korridore fördern. Gründungsmitglieder sind Enagás (Spanien), Fluxys (Belgien), Gasgrid Finland (Finland), Moeve (Spanien), Nordion Energi (Schweden), OGE (Deutschland), RWE Generation (Deutschland), SEFE (Deutschland), Stegra (Schweden) und Thyssenkrupp (Deutschland). Die ERA hat ein White Paper mit konkreten politischen Empfehlungen zur Umsetzung bei Projekten für sauberen Wasserstoff in Europa veröffentlicht. Demnach hätten trotz großer Projektpipelines entlang der gesamten Wertschöpfungskette weniger als sieben Prozent die endgültige Investitionsentscheidung erreicht. Gründe seien unter anderem eine fragmentierte Umsetzung der EU-Vorschriften, komplexe Regeln für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (RFNBO), hohe Stromkosten, unzureichende Nachfrage sowie Unsicherheiten hinsichtlich der Infrastrukturentwicklung. Das White Paper „Securing Europe’s Energy and Industrial Future“ gibt es als PDF (32 Seiten).

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Die Brennstoffzellenbusse des Typs „Urbino 18“ fahren bald auch in Krefeld. © Solaris Bus & Coach sp. z o.o.

(Deutschland) Der polnische Fahrzeugbauer Solaris Solaris Bus & Coach sp. z o.o. hat eine Ausschreibung zur Lieferung von 19 Brennstoffzellenbussen an den Busbetreiber SWK Mobil Krefeld (Nordrhein-Westfalen) gewonnen. Der Auftrag umfasst neun Modelle des Typs „Urbino 12“ sowie zehn Gelenkbusse „Urbino 18“. Die Auslieferung soll 2027 erfolgen. Die 12-Meter-Fahrzeuge haben eine Leistung von 160 Kilowatt, die 18 Meter langen Gelenkbusse leisten 240 Kilowatt. Die Fahrzeuge werden unter anderem mit Kamerasystemen ausgestattet, die traditionelle Spiegel ersetzen. Dies ist nicht der erste Auftrag der Krefelder für wasserstoffbetriebene Busse. Im Jahr 2025 lieferte Solaris bereits zehn „Urbino 12“ in die Stadt am Rhein. Bislang hat Solaris eigenen Angaben zufolge kumuliert über 800 Wasserstoffbusse ausgeliefert, die Hälfte davon gingen nach Deutschland.

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(Oman) Der staatliche Strom- und Wasserversorger Oman Power and Water Procurement Company (SAOC) hat eine Ausschreibung zur Entwicklung einer Wasserstoffproduktion gestartet. Gefragt sind Angebote mit einer installierten Leistung von 800 bis 1.000 Megawatt. Interessenten können noch bis zum 31. Mai die Ausschreibungsunterlagen anfordern. Abgabe der Gebote ist 21. Juni 2026.

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Übergabe des Vorbescheids für Block 8 am Standort Staudinger in Großkrotzenburg (v.l.): Andrea Henkes (Regierungspräsidium Darmstadt), Jan Hilligardt (Regierungspräsident), Andreas Armenat (Leiter Kraftwerk Staudinger). © Uniper Kraftwerke GmbH

(Deutschland) Der Energieversorger Uniper SE hat den Vorbescheid zum Bau eines wasserstofffähigen Gas- und Dampfkraftwerks (GuD) im hessischen Großkrotzenburg erhalten. Die Anlage östlich von Frankfurt hat eine geplante Leistung von 890 Megawatt. Den Angaben zufolge hatte Uniper in dem Vorbescheidsverfahren „wesentliche Fragen zur Machbarkeit und Zulässigkeit des Vorhabens frühzeitig und verbindlich geklärt“. Ziel dieses Verfahrensschritts sei es, Projektrisiken in einem möglichst frühen Stadium zu minimieren, bevor die eigentlichen Genehmigungsverfahren eingeleitet würden. Koordiniert wurde das Verfahren in enger Abstimmung mit dem Technologiepartner Siemens Energy. Anträge für die erste Teilgenehmigung würden voraussichtlich im dritten Quartal 2026 eingereicht, die zweite Teilgenehmigung für Errichtung und Betrieb der Anlage im zweiten Quartal 2027. Uniper verfügt in Europa über eine Erzeugungskapazität von kumuliert 18,5 Gigawatt. In Deutschland versorge der Konzern rund 1.000 Kommunen und Industrieunternehmen mit Energie und Dienstleistungen.

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Im August 2025 hatte Hyroad 113 Brennstoffzellen-Trucks aus der Konkursmasse der insolventen Nikola Corp. ersteigert. © Hyroad Energy

(USA) Hyroad Energy, Anbieter von mit Wasserstoff betriebenen Lkw, will gemeinsam mit Total Hydrogen Solutions (THS), einer Sparte der Pneumatic & Hydraulic Company LLC, die Entwicklung und den Betrieb einer neuen Wasserstofftankstation (HRS) in Katy, Texas, vorantreiben. Im Rahmen der Vereinbarung hat Hyroad eine Offtake-Vereinbarung für die volle Kapazität der Station unterzeichnet, um den wachsenden Tankbedarf seiner Flottenkunden in dem Bundesstaat zu decken. Die Station mit Elektrolyseur wird von THS entworfen, gebaut und betrieben. Die Station mit ihrer End-to-End-Wasserstofflösungen sei die Art von skalierbarer, zuverlässiger Infrastruktur, die die Branche benötige, sagt Mark Mire, CEO von Total Hydrogen Solutions. Die Fertigstellung ist noch für dieses Jahr geplant.

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Die Saarbahn GmbH nimmt eine Wasserstofftankstelle in Betrieb (v.l.): Saarbahn-Geschäftsführer Karsten Nagel, Oberbürgermeister Uwe Conradt und Leiter Infrastruktur bei der Saarbahn Torsten Burgardt. © Saarbahn / Iris Maurer

(Deutschland) Die Saarbahn GmbH hat nach zehnmonatiger Bauzeit in Saarbrücken eine Wasserstofftankstelle (drei Dispenser, 350 bar) mit einer Gesamtkapazität von 2,4 Tonnen in Betrieb genommen. Dort sollen künftig die 28 Brennstoffzellenbusse des Nahverkehrsunternehmens mit grünem Wasserstoff betankt werden. Dadurch vermeide die Saarbahn im Vergleich zu Bussen mit Dieselantrieb jährlich bis zu 2.000 Tonnen CO2. Die „Kite Hydroliner“ des nordirischen Herstellers Wrightbus mit einer Reichweite von rund 400 Kilometern seien seit letztem Sommer im Einsatz. Das Tankvolumen betrage 36,5 Kilogramm, der Tankvorgang dauere zehn Minuten. Die Tankstellentechnik stammt von der Schwelm Anlagentechnik GmbH und kann optional erweitert werden. Der Wasserstoff wird per Lkw-Trailer angeliefert. Perspektivisch solle der Energieträger ab 2028 aus dem rund 60 Kilometer entfernten Freisen stammen und dort in einem Elektrolyseur im dortigen Windpark erzeugt werden. Das saarländische Umweltministerium unterstützt den Bau des Elektrolyseurs mit rund 2,7 Millionen Euro. Saarbahn investiert in die Wasserstoffinfrastruktur 7,6 Millionen Euro. Davon werden 3,06 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) gefördert.

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Im April 2023 hatte HVS das Design seines ersten Brennstoffzellen-Lkw vorgestellt. Der 40-Tonner war für den Schwerlastverkehr (Heavy Goods Vehicle, HGV) mit einer Reichweite von 370 Meilen (600 Kilometer) konzipiert. © Hydrogen Vehicle Systems

(Schottland) Die in Glasgow ansässige Hydrogen Vehicle Systems Ltd. (HVS) wurde billigst für 145.000 Pfund (167.000 Euro) verkauft. Damit sei die Auflösung abgewendet worden. Das Unternehmen hatte aufgrund seiner schon seit längerem bestehenden Finanzprobleme Insolvenz angemeldet, berichtet die Tageszeitung „The Herald“ unter Berufung auf den Insolvenzverwalter. Das 2017 gegründete Unternehmen mit mehr als 70 Mitarbeitern ist auf Herstellung und Design von Wasserstofffahrzeugen spezialisiert. Bis Januar 2024 habe das Unternehmen keine weiteren Investoren auftreiben können, womit ein Schuldenberg aufgetürmt worden sei. In der Folge seien unter anderem Gehälter gekürzt und der Hauptsitz in Glasgow aufgegeben worden, so das Blatt. Bis Januar 2025 wurde das Unternehmen mit begrenztem Budget von den Direktoren und einer kleinen Gruppe von Gründungsmitgliedern betrieben. Die namensähnliche Glasgower H2 Vehicle Systems Ltd (H2VS) habe nun materielle und immaterielle Vermögenswerte übernommen, womit eine sofortige Schließung verhindert worden sei. Laufende Forschungs- und Entwicklungsprojekte würden fortgesetzt.

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(Singapur) Die Energy Market Authority (EMA) hat eine Ausschreibung für drei H2-ready Gaskraftwerke gestartet, um die wachsende Stromnachfrage Singapurs zu decken. Eines davon soll bis 2031 am Netz sein, die anderen beiden bis 2032. Jede Anlage werde für mindestens 600 Megawatt Leistung konzipiert. Nach Angaben der Behörde wachse die Stromnachfrage in Singapur bis 2034 jährlich um 2,4 bis 4,8 Prozent (2,0 bis 4,8 Gigawatt). 2031 werde eine installierte Kraftwerksleistung von 9,6 bis 11,4 Gigawatt benötigt. Bewerbungen können bis 24. Juni (2031er Anlagen) sowie 30. September (2032er) eingereicht werden.

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Die Uniper-Demonstrationsanlage „Hydrogen Pilot Cavern“ hat ein Gesamtspeichervolumen von nahezu 500.000 Normkubikmetern Wasserstoff. © Uniper / Andreas Burmann

(Deutschland) Die Initiative Energien Speichern e.V. (INES) führt 2026 erneut die Marktabfrage „Market Assessment for Hydrogen Storage“ (MAHS) durch. Ziel sei es, die zukünftigen Bedarfe an Speicherkapazitäten zu ermitteln und eine belastbare Grundlage für Investitionsentscheidungen zu schaffen. Eine erste MAHS gab es bereits im Jahr 2024, die erneute Durchführung im Jahr 2026 solle die Daten an die aktuellen Marktbedingungen angepasst. Zudem wurden die Abfragestrukturen weiter differenziert, um genauere Aussagen zu Speicherbedarf, Wasserstoffaufkommen und -verwendung zu ermöglichen. Die Marktabfrage wird bis zum 5. Juni über die INES-Website durchgeführt und steht auf Deutsch und Englisch zur Verfügung.

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In Riga vereinbarten mehrere Unternehmen, den Bau eines Wasserstoffkorridors bis nach Deutschland zu untersuchen. © Northern Europe Energy Group AS

(Lettland) Die Northern Europe Energy Group AS, SEFE und das Baltic Sea Hydrogen Collector-Konsortium (BHC) wollen die Entwicklung einer integrierten Wasserstoffwertschöpfungskette zur Verbindung der nordisch-baltische Region mit Deutschland untersuchen. BHC besteht bereits aus Gasgrid Finland, Gascade Gastransport und Copenhagen EnergyIslands, Teil von Copenhagen Infrastructure Partners. Die Unternehmen sind in den Bereichen Angebot, Infrastruktur und Nachfrage tätig. Allein das lettische Projekt CIS Liepaja von Northern Energy habe das Potenzial, eine Erstproduktionsphase von etwa 100.000 Tonnen grünem Wasserstoff pro Jahr zu erreichen, wobei ein erheblicher Anteil für den Export nach Deutschland und andere EU-Märkte vorgesehen sei.

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Motorraum des Ammoniak-Fahrzeugs: links und rechts von dem mit Ammoniak betriebenen Motor sind die beiden Crackreaktoren (umgeben von weißem Isolationsmaterial) zu sehen. © First Ammonia Motors

(Deutschland) Das Fraunhofer-Institut für Mikrotechnik und Mikrosysteme IMM hat in Zusammenarbeit mit der Firma First Ammonia Motors einen Motor konzipiert, der ausschließlich mit Ammoniak betrieben wird. Dafür wurde ein Konzept entwickelt, das speziell auf die Eigenschaften von Ammoniak ausgelegt sei. Im Gegensatz zu anderen Ammoniakmotoren benötige dieser Motor keinen Zusatzkraftstoff wie Benzin, Kohlegas oder Methanol, um die Verbrennung zu beschleunigen. Stattdessen werde die Abwärme des Motors genutzt, um Ammoniak zu spalten und so an Bord Wasserstoff zu erzeugen. Als Abgase entstehen Wasserdampf und Stickstoff. Die Nutzung von Ammoniak eröffne „neue Perspektiven für Bereiche, in denen eine direkte Elektrifizierung nur eingeschränkt möglich“ sei. Dazu zählten etwa stationäre Energieversorgung, maritime Anwendungen oder der Schwerlastverkehr.

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(Deutschland) Die EU fördert mit neun Millionen Euro ein Bremer Wasserstoffprojekt mit dem sperrigen Namen „Hydrogen in Bremen: Innovations in Mobility, Ports And Clean Transformation“ (H2B:IMPACT). Ziel ist der Aufbau eines „Hydrogen Valley“, in dem Wasserstoff nicht nur produziert, sondern auch gespeichert, verteilt und genutzt werde. Geplant seien unter anderem Anwendungen im Hafen, in der Industrie sowie im Baugewerbe und in der Mobilität, die mindestens zwei Jahre lang im realen Betrieb getestet werden. Das Projekt sei bereits gestartet und laufe über fünf Jahre.

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iStock / © Danil Melekhin