Kanada: Unterwasserdrohne mit Brennstoffzellen legt 2.000 Kilometer zurück +++ Ägypten: Polnisch-ägyptisches JV plant Investitionen von fünf Milliarden Dollar für Ammoniakfabrik +++ Großbritannien: Forscher generieren Wasserstoff aus Plastikabfällen und alten Autobatterien +++ Paraguay: Atome investiert in Düngemittelfabrik mit 260.000 Tonnen Kapazität +++ China: Pilotprojekt mischt dem Erdgasnetz zehn Prozent grünen Wasserstoff bei +++ USA: Nel liefert containerisierte PEM-Ausrüstung an Mesure Process
Eine Auswahl von PtX-Themen zum Wochenabschluss zusammengefasst
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Die Unterwasserdrohne „Envoy“ absolvierte einen 385-stündigen Testparcours. © Cellula Robotics Ltd
(Kanada) Die auf maritime Systeme spezialisierte Cellula Robotics Ltd. hat mit einer brennstoffzellenbetriebenen unbemannten Unterwasserdrohne (Autonomous Underwater Vehicle, AUV) mehr als 2.000 Kilometer zurückgelegt. Das „Envoy“ genannten Gefährt war 385 Stunden (16 Tage) ohne aufzutauchen im Einsatz. Im Rahmen des Testprogramms seien mehr als 4.000 Kurven und Manöver ausgeführt worden, von denen jedes den Energiebedarf im Vergleich zu linearen Bewegungen erhöhte. Die gut acht Meter lange Drohne mit einem Durchmesser von einem Meter hat eine Verdrängung von 3,7 Tonnen. Die Tauchtiefe liege je nach Ausführung bei 1.000, 3.000 oder 6.000 Metern. Die Maße entsprechen in etwa der rein batterieelektrischen Version, die allerdings nur 168 Stunden unter Wasser bleiben und 930 Kilometer zurücklegen kann. Die Brennstoffzellentechnologie wurde gemeinsam mit Infinity Fuel Cell und Hydrogen, Inc. entworfen. Das US-Unternehmen entwickelt luftunabhängige elektrochemische Systeme für Weltraum- und Unterwasseranwendungen
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Eine Delegation des polnisch-ägyptischen Joint Ventures Egypt Amun Green Ammonia JSC erörtert mit dem ägyptischen Industrieminister die Pläne für eine fünf Milliarden Dollar schwere Ammoniakfabrik am Roten Meer. © Hynfra PSA
(Ägypten) Das polnische Unternehmen Hynfra P.S.A. hat mit dem ägyptischen Industrieminister Khaled Hashem Pläne und Zeitplan zum Bau einer Ammoniakfabrik erörtert. Die Produktion solle 2031 mit jährlich 400.000 Tonnen beginnen und anschließend in mehreren Phasen auf eine Million Tonnen skaliert werden. Die Investitionen werden auf etwa fünf Milliarden Dollar geschätzt und können bis zur vollen Produktionskapazität auf zehn Milliarden Dollar steigen. Der Projektentwickler Egypt Amun Green Ammonia JSC, ein Joint Venture von Hynfra und des ägyptischen Unternehmens Coxswains for Marketing & Commercial Trading, hatte Anfang April ein Büro in Kairo eröffnet. Der Fabrikstandort Ras Banas im Südosten des Landes verfüge über „eine außergewöhnlich hohe Sonnenstrahlung“ sowie konstant starken Wind aus Richtung des Roten Meeres. Auf einem 100 Quadratkilometer großen Areal sollen erneuerbare Energienanlagen mit einer Leistung von 2.000 Megawatt installiert werden. Der Ertrag werde direkt und ohne Umweg über das Stromnetz zur Herstellung von Wasserstoff und Ammoniak genutzt. Am Roten Meer entstehe ein Hafen für den Export. Ein ähnliches Vorhaben hatte Hynfra im vergangenen Jahr für Mauretanien angekündigt (100.000 Tonnen Ammoniak, 1,5 Milliarden Dollar Investitionen). Auch für Indien gab es eine Ankündigung für eine großindustrielle Ammoniakproduktion.
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Upcycling: Mittels Solarenergie und Säure aus verbrauchten Autobatterien wird aus Kunststoffabfall Wasserstoff und Essigsäure. © University of Cambridge
(Großbritannien) Wissenschaftler der University of Cambridge haben eine neue Methode entwickelt, um aus Kunststoffabfällen Wasserstoff zu gewinnen. Mittels eines Photokatalysator (etwa mit LED oder Sonnenlicht) gelinge demnach ein „effizientes Photoreformierung“ (PR) von Kunststoffen wie Polyethylenterephthalat (PET), Nylon (Polyamid 66) und Polyurethan (PU). In dem chemischen Verfahren wird als Katalysator Säure benötigt (etwa Schwefelsäure), die hier ebenfalls aus Abfällen, nämlich aus verbrauchten Blei-Säure-Autobatterien, stammt. Als Ergebnis erhält man Wasserstoff und weitere Chemikalien wie Essigsäure oder Terephthalsäure, die als Rohstoffe für die Herstellung von Reinigungsmitteln oder PET an die Industrie verkauft werden könnten. Hintergrund der Forschungen: Von 1950 bis 2023 ist die weltweite Kunststoffproduktion von zwei Millionen auf über 400 Millionen Tonnen jährlich gestiegen. Allerdings würden nur 18 Prozent des Kunststoffabfalls recycelt und 24 Prozent verbrannt. Der Rest sammle sich auf Deponien oder in natürlichen Ökosystemen, wo sie sich jahrzehntelang ablagern. Die Studie „Solar reforming of plastics using acid-catalyzed depolymerization“ ist im Fachjournal „Joule“ veröffentlicht und kostenfrei als PDF (106 Seiten) erhältlich.
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Grafische Darstellung der geplanten Düngemittelfabrik in Villeta, Paraguay. © Atome plc (Screenshot)
(Paraguay) Die britische Atome plc hat die endgültige Investitionsentscheidung (FID) für eine Düngemittelfabrik mit einer Kapazität von 260.000 Tonnen bekannt gegeben. Standort wird die Hafenstadt Villeta an der Westküste des Landes. Die Produktion erfolgt mittels grünem Wasserstoff, der dafür notwendige Strom stammt aus Wasserkraftwerken. Die Inbetriebnahme soll bis Oktober 2029 erfolgen, Abnehmer wird der norwegische Chemiekonzern Yara International ASA. Das Schweizer Ingenieurunternehmen Casale SA übernimmt die Ingenieur-, Beschaffungs- und Bauarbeiten (EPC). Die Finanzierung in Höhe von 665 Millionen Dollar (567 Millionen Euro) übernimmt unter Federführung der Internationalen Entwicklungsbank ein Konglomerat globaler Finanzinstitutionen, darunter die Europäische Investitionsbank, der Wasserstoffinvestor Hy24, die deutsche KfW sowie die Sudameris-Bank (Paraguay). Die Financiers begründen ihr Engagement nicht zuletzt mit der aktuellen Lage an der Straße von Hormus und den Blockaden von Erdöl- und Erdgasexporten.
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In der chinesischen Metropole Weifang werden dem Erdgasnetz in einem Pilotprojekt zehn Prozent grüner Wasserstoff beigemischt. © Wikipedia (by Ngguls, CC BY-SA 4.00)
(China) In der Millionen-Metropole Weifang in der Provinz Shandong soll in einem Pilotprojekt der Erdgasverbrauch von 100.000 Haushalten durch Beimischung von zehn Prozent Wasserstoff gesenkt werden. Im vergangenen Jahr habe China kumuliert 426,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas verbraucht. Bei Verwendung einer 10-prozentigen Mischung in städtischen Gasnetzen ließen sich nach Angaben der „South China Morning Post“ landesweit rund 15 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr einsparen. Das Weifang-Projekt umfasse Elektrolyseanlagen, die 5.000 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde erzeugen könnten, außerdem eine 5,2 Kilometer lange Pipeline. Ende 2025 habe Chinas Kapazität für grünen Wasserstoff 220.000 Tonnen pro Jahr überschritten, was mehr als die Hälfte des weltweiten Gesamtvolumens ausmache, so das Blatt. Das Land habe zudem mehr als 540 Wasserstofftankstellen gebaut, was einem globalen Anteil von 40 Prozent entspreche.
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(USA) Nel Hydrogen US, Tochter der norwegischen Nel ASA, hat von der französischen Mesure Process SAS einen Auftrag zur Lieferung von containerisierten PEM-Elektrolyseanlagen nach Europa erhalten. Den Gesamtwert beziffert das Unternehmen auf etwa sieben Millionen Dollar. Die Kapazität wurde nicht genannt. Die Mesure-Process-Muttergesellschaft Synqo Energies SA (bis Ende 2025 MPH Énergie) fungiert als EPC-Partner. Der PEM-Elektrolyseur soll erneuerbaren Wasserstoff für Tankstellen liefern und voraussichtlich 2027 in Betrieb gehen.
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iStock / © Danil Melekhin



