(Sheffield / Großbritannien) – Der britische Hersteller von Elektrolyseuren ITM Power plc beteiligt sich am Vorhaben der Rheinmetall AG für den Aufbau eines europaweiten Netzwerks von Anlagen zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe. Pläne, wonach europäische Streitkräfte eigenständig solche eFuels „dezentral und unabhängig von globalen Lieferketten fossiler Energieträger“ selbst produzieren könnten, hatte der Düsseldorfer Rüstungskonzern Ende vergangenen Jahres bekannt gegeben. Welche Rolle genau ITM Power dabei übernehmen soll, bleibt allerdings diffus.

Rheinmetall-Plan: Europäische Streitkräfte sollen eFuels selbstständig produzieren

 

ITM Power hat von der britischen Regierung in Höhe von kumuliert 86,5 Millionen Pfund für den Aufbau einer Fabrik für den „Chronos“ genannten Elektrolyseur mit einer Kapazität von einem Gigawatt erhalten. Der Vorgänger „Trident“ bleibe aber im Programm. © ITM Power plc

Die beidseitige Zusammenarbeit werde sich vorerst auf Großbritannien konzentrieren, teilte ITM Power mit. Das Unternehmen hatte Anfang April von der britischen Regierung Finanzmittel in Höhe von 86,5 Millionen Pfund erhalten. Das Geld soll dem Aufbau einer vollautomatischen Produktonslinie für den neuen „Chronos“ genannten Elektrolyseur dienen. Kapazität der Fabrik wird auf ein Gigawatt beziffert. Das Nachfolgemodell der „Trident“-Linie verspreche eine erhebliche Senkung der Produktionskosten, der zwei Megawatt leistende Trident bleibe im Programm und werde weiterhin angeboten. Über den Bau des Werkes werde Medienberichten zufolge im Juni entschieden.

E-Fuels-Anlagen mit jeweils 50 MW Leistung

Im Rahmen des Rheinmetall-Projekts „Giga PtX“ sollen mehrere Hundert modulare Produktionsanlagen mit einer Elektrolyseleistung von jeweils bis zu 50 Megawatt Diesel, Schiffsdiesel oder Kerosin in Mengen von jährlich 5.000 bis 7.000 Tonnen herstellen können. Damit wolle Rheinmetall „die Energieautarkie und Resilienz europäischer Streitkräfte nachhaltig stärken und zugleich einen Beitrag zur Stabilität der kritischen Energieinfrastruktur leisten“. 

Visualisierung der Giga PtX-Lösung: Geplant ist der Aufbau eines europaweiten Netzwerks mehrerer Hundert modularer eFuel-Produktionsanlagen. © Ineratec GmbH

Synthetische Kraftstoffe spielten nach ITM-Power-Angaben voraussichtlich „eine entscheidende Rolle in der Verteidigung und anderen missionskritischen Sektoren“, wo Elektrifizierung nicht realisierbar und eine sichere, zuverlässige Kraftstoffversorgung unerlässlich sei. Das Giga PtX-Projekt stelle „einen bedeutenden potenziellen Wachstumsmarkt“ für großflächige Wasserstoffproduktionstechnologien dar. Es unterstütze direkt „die Treibstoffkapazität und Einsatzbereitschaft“, sagt Dennis Schulz, CEO von ITM Power.

Rheinmetall setzt dabei auch auf ein Konsortium deutscher Industriegrößen. Laut den im Dezember verkündeten Plänen solle die Dresdener Sunfire SE zur Herstellung von grünem Wasserstoff die Druck-Alkali-Elektrolyseure beisteuern. Die Duisburger Greenlyte Carbon Technologies GmbH sei als Lieferant des für synthetische Kraftstoffe erforderlichen Kohlenstoffdioxids vorgesehen. Hinzu komme Rheinmetalls langjähriger Kooperationspartner Ineratec GmbH aus Karlsruhe, der die Anlagentechnik zur Umwandlung von Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid in synthetische Kraftstoffe zur Verfügung stellt. Rheinmetall fungiere als Generalunternehmer und verantworte neben der Systemintegration auch Konzeption, Bau sowie Wartung und Betrieb „der auf den industriellen Einsatz ausgelegten Anlagen“.

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Rheinmetall holt ITM Power ins Boot: Welche Rolle genau das Unternehmen nun bei Aufbau der dezentralen eFuel-Produktionsanlagen zur Versorgung der Streitkräfte spielen soll bleibt vorerst diffus. Foto: Bergepanzer „Terrier“. © Rheinmetall AG