(Kirchheim / Deutschland) – Die Toyota Motor Corporation will als gleichberechtigter Anteilseigner bei der Cellcentric GmbH & Co KG einsteigen. Dazu sei eine unverbindliche Vereinbarung unterzeichnet worden. Das 2021 gegründete Joint-Venture von Daimler Truck AG und Volvo Group will in Weilheim eine Großserienproduktion von Brennstoffzellen aufbauen. Mit Abschluss der finalen Transaktion werde Toyota sein komplementäres Know-how und seine Expertise in das Gemeinschaftsunternehmen einbringen, so das Unternehmen. Die drei Konzerne beabsichtigen, Cellcentric als „führenden Hersteller von Brennstoffzellensystemen“ für schwere Nutzfahrzeuge sowie weitere „Heavy-Duty“-Anwendungen zu etablieren. 

Unterzeichneten ein Memorandum of Understanding (v.l.): Karin Rådström (President & CEO Daimler Truck), Koji Sato (President &CEO Toyota Motor Corporation), Martin Lundstedt (President & CEO Volvo Group). © Cellcentric GmbH & Co KG

Darüber hinaus beabsichtigen Toyota und Cellcentric, gemeinsam Einzelzellen sowie die damit direkt verbundene Systemarchitektur und Steuerungselemente zu entwickeln. Außerdem wollen die Konzerne durch die Zusammenarbeit mit Branchenverbänden und Partnern entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette den Aufbau der Wasserstoffversorgung und -infrastruktur aktiv unterstützen. 

Daimler Truck, Volvo und Toyota betrachten Wasserstoff als eine zentrale Energiequelle für die Dekarbonisierung des Verkehrs. Mit dem Einstieg von Toyota „können wir die Entwicklung von Wasserstofftechnologien stärken“ und die batterieelektrischen Antriebe bei der Dekarbonisierung des Transports ergänzen, sagt Daimler Truck-CEO Karin Rådström. Martin Lundstedt, CEO der Volvo Group, sieht in der Kooperation mit Toyota ein „wichtiges Signal an Kunden, Lieferanten und weitere Akteure“. Angesichts der Dringlichkeit, den Wandel hin zum klimaneutralen Transport voranzutreiben, sei die Zusammenarbeit großer Unternehmen „wichtiger denn je“. Gemeinsam könne man „eines der weltweit führenden Brennstoffzellensysteme für schwere Nutzfahrzeuge erschaffen“, sagt Toyota-Geschäftsführer Koji Sato.

Toyota steigt per Kapitalerhöhung ein

Laut Cellcentric-Geschäftsführer Nicholas Loughlan agiere das Joint Venture weiterhin als eigenständiges und unabhängiges Unternehmen. Mehr als 560 Mitarbeiter arbeiten an den Standorten Kirchheim/Teck, Esslingen, Stuttgart (Deutschland) und Burnaby (Kanada). Um gleichberechtigter Anteilseigner zu werden, will sich Toyota im Rahmen einer Kapitalerhöhung an Cellcentric beteiligen. In allen übrigen Geschäftsbereichen stehen Daimler Truck, Volvo und Toyota weiterhin unabhängig voneinander im Wettbewerb. Die Vereinbarung ist allerdings noch nicht rechtsverbindlich und bedarf der Zustimmung aller Parteien, Vorstände und Behörden.

Daimler Truck will eine Kleinserie mit 100 Fahrzeugen seines „NextGenH2“-Lkw auflegen: „Bei Distanzen deutlich über 1.000 Kilometer und hohen Nutzlasten ist Wasserstoff die bessere Lösung.“ © Daimler Truck AG

Daimler Truck bezeichnet seine Ambitionen bei Wasserstoff-Lkw als „perfekte Ergänzung“ zu batterieelektrischen Fahrzeugen. „Battery first ist und bleibt der richtige Ansatz und deckt viele Anwendungsfälle unserer Kunden ab“, sagt Andreas Gorbach, Vorstandsmitglied und verantwortlich für Truck Technology. „Doch bei Distanzen deutlich über 1.000 Kilometer, hohen Nutzlasten, energieintensiven Anwendungen wie Kühltransporten oder bei der nötigen Flexibilität für anspruchsvolle Routen ist Wasserstoff die bessere Lösung.“

Der Mercedes‑Benz „GenH2 Truck“ habe schon mehr als 225.000 Kilometer „in realen Kundenerprobungen zurückgelegt“. Die nächste Testphase beginne für die in Wörth gebauten Sattelzugmaschinen Ende 2026. Daimler Truck will eine Kleinserie mit 100 Fahrzeugen seines Wasserstoff-Lkw als „NextGenH2“ auflegen (wir berichteten). Die Brennstoffzellen des Typs „BZA150“ von Cellcentric hätten sich bewährt und würden für das neue Fahrzeug übernommen, sagt Gorbach, der vor seiner aktuellen Position als Cellcentric-CEO fungierte.

Stromnetz stößt bald an seine Grenzen

Auch in Sachen Infrastruktur sei „Battery first“ der richtige Ansatz, da batterieelektrische Fahrzeuge auf dem bestehenden Stromnetz aufbauen. Doch das gleichzeitige Laden von nur zehn Fernverkehrs‑Lkw an einer Raststätte innerhalb von 45 Minuten brauche rund zehn Megawatt Leistung – etwa so viel wie eine Kleinstadt. Das bestehende Stromnetz stoße somit schnell an seine Grenzen. 

Der parallele Aufbau von Strom‑ und Wasserstoffinfrastruktur sei „für unsere Industrie schneller und kosteneffizienter“. Aber sobald das Netz sein Limit erreiche, werde ein alleiniger Netzausbau deutlich langsamer und teurer. „Wenn der Wasserstoffpreis auf rund fünf Euro pro Kilogramm sinkt, wird der Betrieb wirtschaftlich attraktiv.“ Gleichzeitig reduziere Wasserstoff geopolitische Abhängigkeiten, da die für Brennstoffzellen benötigten Materialien weitgehend in Europa verfügbar und recyclebar seien.

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Im Juni 2024 hatte Cellcentric in Esslingen bei Stuttgart die Pilotproduktion seiner neuen Brennstoffzellensysteme für Lkw aufgenommen. © Cellcentric GmbH & Co KG