Deutschland: Bundestag stimmt für Gesetzentwurf zur Beschleunigung von Wasserstoffprojekten +++ Schottland: H2-betriebene Doppeldecker-Flotte in Aberdeen gescheitert +++ Deutschland: Bilfinger installiert Anlagenkomponenten für 100-MW-Elektrolyseur in Lingen +++ Deutschland: Weiterbau der Wasserstoffpipeline Hamburg–Rosengarten genehmigt +++ Großbritannien: GBRf will Dieselloks auf Wasserstoff umrüsten +++ Deutschland: Fördermittel für 52 FC-Busse der Ruhrbahn +++ Österreich: Forschung an PEM-Elektrolyseuren ohne PFAS und Iridium +++ Deutschland: Risikobewertung für Ammoniak-Bunkerung im Hafen +++ Deutschland: Forschung zur Umwandlung von grünem Wasserstoff in Methan
Eine Auswahl von PtX-Themen zum Wochenabschluss zusammengefasst
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Der Bundestag stimmt dem WasserstoffBG zu. © Deutscher Bundestag
(Deutschland) Der Deutsche Bundestag hat den Entwurf des Wasserstoffbeschleunigungsgesetzes (WasserstoffBG) verabschiedet. Dafür stimmten die Koalitionspartner von Union und SPD, dagegen die Oppositionsparteien. Das Gesetz ermöglicht es, Projekte entlang der gesamten Lieferkette von Wasserstoff von der Herstellung über den Transport bis hin zur Speicherung als „von überragendem öffentlichen Interesse“ einzustufen, um Fristen zu verkürzen sowie Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen (wir berichten ausführlich / d.Red.)
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In Aberdeen gingen die ersten Wasserstoff-Doppeldecker im Jahr 2021 in Betrieb – jetzt ist die Flotte am Ende. © First Bus UK
(Schottland) Das Stadtparlament in Aberdeen hat Pläne zum weiteren Ausbau der weltweit ersten wasserstoffbetriebenen Doppeldecker-Busfotte gestoppt. Ursprünglich habe die Stadt in Kooperation mit dem Ölmulti BP 25 Busse anschaffen wollen. Stattdessen sollen nun Busse mit Elektroantrieb genutzt werden, berichtet der Sender „BBC“. Die vorhandenen Wasserstoffbusse seien bereits seit September 2024 aufgrund technischer Problem bei der Betankung an zwei lokalen Stationen sukzessive außer Betrieb genommen worden. Einer Mitteilung des britischen Busbetreibers First Bus UK aus dem Jahr 2021 zufolge wurde das 8,3 Millionen Pfund teure Projekt von der Stadt Aberdeen, der schottischen Regierung und der Europäischen Union finanziert, mit einer Investition von etwa 500.000 Pfund pro Fahrzeug. Die erste Wasserstoffproduktions- und Bustankstelle wurde demnach 2015 in Aberdeen im Rahmen eines 19-Millionen-Pfund-Demonstrationsprojekts für grünen Transport eröffnet.
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Die BP-Raffinerie in Lingen soll durch eine Wasserstoffproduktion mit einer Leistung von 100 Megawatt ergänzt werden. © BP Europe SE
(Deutschland) Der Mannheimer Industriedienstleister Bilfinger SE hat als Teil eines Konsortiums von dem Ölkonzern BP einen Auftrag über Installationsleistungen für einen 100-Megawatt Elektrolyseur zur Produktion von grünem Wasserstoff im niedersächsischen Lingen erhalten. Die Kapazität der Anlage liege bei jährlich 11.000 Tonnen. Der Wasserstoff könnte dann sowohl Industriekunden über einen Anschluss an das Wasserstoffkernnetz zur Verfügung gestellt als auch in der benachbarten Raffinerie zur Produktion emissionsärmerer Kraftstoffe eingesetzt werden. Bilfinger sei mit der Vorfertigung, Montage und Installation von Rohrleitungen und Anlagenkomponenten, die Wärme- und Kältedämmung und die Installation von HVAC-Systemen (Heating, Ventilation, Air Conditioning) beauftragt worden. Bereits im September 2024 erhielt Bilfinger von dem Energiekonzern RWE AG den Auftrag, gemeinsam mit der Sunfire GmbH eine dritte Entwicklungsstufe die Elektrolyseleistung des „GET H2 Nukleus“-Projekts in Lingen auf 300 Megawatt auszubauen.
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Trassenverlauf der Wasserstoffpipeline aus dem Planfeststellungsverfahren im November 2024. © Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie Niedersachsen
(Deutschland) Das Landesbergamt Niedersachsen hat den Weiterbau und Betrieb der Wasserstoffleitung von Hamburg Moorburg bis in die Gemeinde Rosengarten im Landkreis Harburg genehmigt. Die Pipeline habe eine Gesamtlänge von gut zwölf Kilometern. Dafür werde eine bestehende 7,5 Kilometer lange Leitung umgewidmet und künftig weiter genutzt. Lediglich etwa 4,5 bis fünf Kilometer müssten neu errichtet werden. Auf Hamburger Gebiet haben die Bauarbeiten bereits begonnen. Nach derzeitigen Planungen solle die Leitung im Jahr 2027 in Betrieb gehen und dann den Wasserstoff aus der 100-Megawatt-Elektrolyse in Moorburg transportieren.
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GBRf will Dieselloks auf Wasserstofffahrzeuge umrüsten. © HyOrc Corporation
(Großbritannien) Das Eisenbahnunternehmen GB Railfreight (GBRf) will gemeinsam mit dem US-Unternehmen HyOrc Corp. einen Teil seiner Flotte alter Dieselloks mit emissionsfreier Antriebstechnologie nachrüsten. Im Pilotprojekt „Phoenix“ würden sukzessive die Emissionen durch den Einsatz von Erdgas (LPG) reduziert, bevor die Maschinen zu 100 Prozent auf Wasserstoff umgestellt würden. Ein wesentlicher Vorteil sei, dass man damit eine kostspielige Elektrifizierungsinfrastruktur vermeide. Die Nachrüstung eines Teils der Schienengüterflotte mit Multi-Fuel-Technologie „biete einen praktischen risikoarmen Weg zur Dekarbonisierung“, sagt Alex Kirk, Commercial Director bei GB Railfreight. Nach Angaben von Lisa Carter, CFO von HyOrc, würde derzeit die Möglichkeit geprüft, für die Nachrüstung der bestehenden Anlagen Finanzmittel über „Connected Places Catapult“ zu erhalten.
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Verkehrsminister Patrick Schnieder (links) übergibt dem Ruhrbahn-Geschäftsführer Ahmet Avsar die Förderurkunde zur Beschaffung von 52 Wasserstoffbussen. © Ruhrbahn GmbH
(Deutschland) Die Bundesregierung fördert die Beschaffung von 52 Brennstoffzellenbussen bei der Ruhrbahn GmbH mit 11,6 Millionen Euro. „Mit den neuen Wasserstoffbussen entwickeln wir unser Mobilitätsangebot konsequent weiter“, sagt Geschäftsführer Ahmet Avsar bei der Übergabe der Förderurkunde. Grundlage der Investition sei eine umfassende Analyse zur langfristigen Ausrichtung der Flotte. Im Rahmen des Projektes „H2 Zero Emission“ wurden Batterie- und Wasserstoffantriebe miteinander verglichen. Für die Ruhrbahn sei der Brennstoffzellenantrieb auf einem Großteil der Linien wirtschaftlich und organisatorisch besonders geeignet. Die neuen Fahrzeuge sollen ältere Dieselfahrzeuge ersetzen. Bereits seit 2025 seien 19 wasserstoffbetriebene Linienbusse bei der Ruhrbahn im Einsatz. Mit den zusätzlichen Fahrzeugen wachse die Wasserstoffflotte bis 2027/ 2028 auf 78 Busse. Insgesamt seien 315 Solo- und Gelenkbusse für die Ruhrbahn unterwegs.
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Merit Bodner vom Institut für Chemische Verfahrenstechnik und Umwelttechnik der TU Graz. © Helmut Lunghammer / TU Graz
(Österreich) Die TU Graz ist an einem internationalen Konsortium unter Leitung der Universität Süddänemark beteiligt, das die Herstellung von Elektrolyseuren ohne Einsatz von „Ewigkeitschemikalien“ und weniger Iridium erforscht. Den Angaben zufolge eigne sich die PEM-Elektrolyse (Proton Exchange Membrane) zwar besonders gut für die Erzeugung von grünem Wasserstoff bei schwankendem Stromangebot durch Windkraft und Sonne, sei jedoch auf umweltgefährdende per- und polyfluorierte Substanzen (PFAS) angewiesen, welche die EU bald verbieten wolle. Diese Nachteile sollen in dem auf drei Jahre angelegten EU-Projekt SUPREME beseitigt werden, um die Elektrolysetechnologie umweltfreundlicher und wesentlich kostengünstiger zu machen. „Wenn es uns gelingt, bei der Herstellung von grünem Wasserstoff auf schädliche Stoffe zu verzichten und wir ihn noch dazu wirtschaftlich auf ein ähnliches Preisniveau wie fossilen Wasserstoff bringen, haben wir einen wichtigen Schritt zur grünen Wende gemacht“, sagt Merit Bodner vom TU-Institut für Chemische Verfahrenstechnik und Umwelttechnik. Außerdem mache ihn das auch für andere Anwendungen attraktiver, etwa als Speicher von Energieüberschüssen aus Erneuerbaren. Beteiligt sind auch der türkische Wissenschafts- und Technologierat TÜBITAK, das britische Metall- und Katalysatorunternehmen Ceimig, das deutsche Fraunhofer ISE und das norwegische Wasserstoffunternehmen Element One Energy AS (EoneE).
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Bremerhaven (Foto) und Wilhelmshaven wollen Sicherheitskonzepte für den Einsatz von Ammoniak als Schiffskraftstoff entwickeln. © Bremenports GmbH & Co. KG
(Deutschland) Die Metropolregion Nordwest fördert ein gemeinsames Projekt von Bremerhaven und Wilhelmshaven zur Risikobewertung der Ammoniak-Bunkerung. Untersucht würden unter anderem gesundheitliche und ökologische Gefährdungspotenziale, technische Anforderungen sowie die notwendige Infrastruktur für eine wirksame Notfallbekämpfung. Während Ammoniak in Industrie, Transport und Umschlag seit Langem genutzt werde und hierfür bewährte Sicherheitskonzepte existierten, sei „sein Einsatz als Schiffskraftstoff für Häfen, Reedereien und die Logistikbranche weitgehend Neuland“. Spezifische regulatorische Vorgaben für das Bunkern von Ammoniak in Häfen befänden sich noch im Aufbau. Ziel sei es, präventive Sicherheitskonzepte für den zukünftigen Einsatz von Ammoniak als Schiffskraftstoff zu entwickeln. Es werde erwartet, dass bis 2050 rund 30 Prozent aller Schiffe mit Ammoniak betrieben würden. Die Häfen wollten sich frühzeitig auf diese Entwicklung vorbereiten, um in zwei bis drei Jahren „ammoniak-ready“ zu sein.
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Im Rieselbettverfahren von Gicon wird regenerativ erzeugter Strom, welcher aus Kapazitätsgründen nicht vom Stromnetz aufgenommen werden kann, zur elektrolytischen Erzeugung von Wasserstoff und darauf folgenden Methanisierung genutzt. © Großmann Ingenieur Consult GmbH
(Deutschland) Im Rahmen des auf drei Jahre angelegten Forschungsvorhabens „WeMetBio 2“ will ein Konsortium Energie aus Wind- oder Solaranlagen zur Erzeugung von Wasserstoff nutzen, um diesen anschließend in erdgasähnliches Methan umzuwandeln. Dazu wird am Standort der Biogasanlage bei Flensburg eine Demonstrationsanlage gebaut und für zwölf Monate unter Praxisbedingungen betrieben. In einem Rieselbettverfahren, das von der Dresdener Großmann Ingenieur Consult GmbH (Gicon) in Zusammenarbeit mit der TU Cottbus-Senftenberg entwickelt wurde, werde regenerativ erzeugte elektrische Energie, welche aus Kapazitätsgründen nicht vom Stromnetz aufgenommen werden könne, zur elektrolytischen Erzeugung von Wasserstoff genutzt. Dieser werde mit CO2 zu Methan umgewandelt. Für den Betrieb der Anlage wird ein Teil des in der Biogasanlage erzeugten Rohbiogases als CO2-Quelle verwertet. Das erzeugte Biomethan habe eine hohen Reinheit von über 95 Prozent und könne als CNG (Compressed Natural Gas) oder LNG (Liquefied Natural Gas) in das Erdgasnetz eingespeist werden. Der Prozess lasse sich flexibel auf die fluktuierende Erzeugung der erneuerbaren Energien anpassen. Die Erkenntnisse sollen als Blaupause für zukünftige Anwendungen dienen. Beteiligt sind neben Gicon und TU Cottbus-Senftenberg die Nissen Biogas GmbH sowie die Hochschule Flensburg.
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iStock / © Danil Melekhin



